Jacob Bruun Larsen schien der nächste Youngster zu sein, der beim BVB für Furore sorgen würde. Doch nach einem starken Einstieg in die Saison tauchte der 20-Jährige ab - jetzt wird es sicher nicht leichter für ihn beim BVB.

Dortmund

, 07.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Etwas, das Jacob Bruun Larsen aus der Ruhe bringen kann, muss wohl erst noch erfunden werden. Der Jungprofi ist gerade dem Teenager-Alter entwachsen, trotzdem besticht er schon mit einer erstaunlichen Klarheit und Gelassenheit. Kurz vor Saisonschluss, als er viel häufiger die Ersatzbank drückte als auf dem Rasen mithelfen durfte, mochte er über seine sportliche Außenseiterrolle nicht klagen.

„Ich will natürlich gerne spielen. Aber ich versuche mein Bestes zu zeigen im Training, dann kommt das alles mit der Zeit. So ist Fußball. Es könnte auch schlimmer sein“, sagte er. Eine bemerkenswert coole Aussage, denn der junge Dänen steckte gerade in einer schwierigen Zeit. Trainer Lucien Favre setzte auf Bruun Larsens Konkurrenten. Für den 20-Jährigen blieben zumeist nur Kurzeinsätze. Wenn überhaupt. In der finalen Bilanz steht so eine bittere Saison des schnellen Offensivspielers.

Verheißungsvolle Sommervorbereitung und ein fulminanter Start

Im Herbst 2018 hatte das alles noch ganz anders ausgesehen. Borussias Nummer 34 hatte zu der Auswahl gezählt, die den 1. FC Nürnberg dank spielerischer Leichtfüßigkeit mit sage und schreibe 7:0 aus dem Stadion gefegt hatte. Bruun Larsen hatte nicht nur gut gespielt, er hatte auch noch ein Tor geschossen und einen Treffer vorbereitet. Abgehakt war urplötzlich die Knieverletzung, die ihn kurz vor Saisonstart aus einer verheißungsvollen Sommervorbereitung gerissen und seinen Saisonstart herausgezögert hatte.

Jacob Bruun Larsen verpasst den Durchbruch - und muss sich jetzt Gedanken machen

September 2018, das 7:0 gegen Nürnberg. Damals war noch alles in Ordnung in der Fußball-Welt von Jacob Bruun Larsen. © imago

Wenige Tage nach der Glanzleistung gegen Nürnberg schlug Bruun Larsen wieder entscheidend zu. Es war das Spiel, das der Katapult-Hinrunde der Borussia so richtig Schub verlieh. In Leverkusen. Bayer führte 2:0, der BVB war total unterlegen. Doch Bruun Larsens Tor läutete die Wende ein. Dortmund gewann letztlich 4:2, und Bruun Larsen war einer der Helden. Dann schoss er auch noch in der Champions League ein Tor – das 1:0 gegen die AS Monaco. Was für ein Höhenflug.

Kaum mal ein Einsatz über 90 Minuten für Bruun Larsen

Das Problem: Anstatt seine herausragenden Leistungen zu bestätigen um sich einen Stammplatz zu ergattern, kam nun nicht mehr viel von ihm. Bis zum Revierderby gegen Schalke ein halbes Jahr später lieferte Bruun Larsen keine einzige Torbeteiligung mehr ab. Am Ende der Spielzeit bestand das Gros seiner 24 Liga-Einsätze aus Auswechslungen (8 Mal) und Einwechslungen (13 Mal).

Zwei Tore und drei Assists waren zudem eine magere Ausbeute für den Jungprofi, Dänemarks Talent des Jahres 2018, das sich doch eigentlich durchsetzen wollte, das sich aufdrängen wollte. Aber: Bruun Larsen wollte auch viel lernen. Von Vorbildern wie Marco Reus. Von Trainer Lucien Favre. „Der Trainer hat sehr viel mit mir persönlich gesprochen und mir gesagt, welche Dinge ich verbessern könnte. Das fand ich super. Ich versuche, so viel von ihm zu lernen wie möglich und alle Informationen aufzusaugen“, hatte Bruun Larsen im Winter-Trainingslager zu „schwatzgelb.de“ gesagt.

Bruun Larsen schon vier Jahre schon beim BVB

Nun muss der offensive Flügelspieler lernen, mit seiner Lage beim BVB umzugehen. Vier Jahre trägt er nun schon das Trikot der Borussia, als 16-Jähriger kam er aus Lyngby nach Dortmund. Der BVB, so hat es Bruun Larsen damals begründet, war für ihn „der Verein, bei dem ich mich am besten weiterentwickeln kann“.

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In der U17 und U19 des Klubs gelang ihm das auch. Er empfahl sich schließlich, geformt von seinem Förderer Hannes Wolf, für den Profikader. Wolf habe ihm auch beigebracht, „dass man sich nicht nur auf sein Talent verlassen kann“. Also ackerte Bruun Larsen nach seiner Leihe zum VfB Stuttgart im Sommer 2018, absolvierte Zusatzschichten, um total fit in die Saison mit Dortmund zu gehen. Zurückgeworfen von Verletzungen und Formschwächen ging der Plan nicht auf.

Bruun Larsens Perspektive für die Saison 2019/20

Und jetzt holte der BVB in Julian Brandt und Thorgan Hazard auch noch für jeweils 25 Millionen Euro Ablöse zwei neue Offensivkonkurrenten für Bruun Larsen in den Kader. Ob es unter diesen Voraussetzungen zu mehr Spielzeit für den 20-Jährigen reichen wird? Eher nicht.

Bruun Larsen gab zwar zu Protokoll, weiter arbeiten, sich auf Fußball konzentrieren zu wollen. Und er schwärmte auch davon, Teil der Borussen-Familie zu sein, „das ist fantastisch, es macht mich glücklich und stolz.“ Aber Jacob Bruun Larsen muss seine weitere Entwicklung im Blick haben. Um ein noch besserer Profi zu werden, benötigt er Spielpraxis. Noch ein Jahr auf der Ersatzbank oder Tribüne, das könnte Gift für seine Karriere auf Vereinsebene und in der Nationalmannschaft bedeuten.

Bruun Larsen wird seine Lage also gemeinsam mit seinem Berater in diesen Tagen analysieren: Was spricht für den BVB? Was spricht für eine Leihe oder einen Wechsel? Aus der Ruhe bringen werden ihn diese Gedankenspiele sicher nicht. Wie sagte Bruun Larsen doch gegenüber „schwatzgelb.de“: „Wir sagen in Dänemark, dass wir im Hier und Jetzt leben. Morgen kommt sowieso von allein.“

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