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Ruhe, Geduld und viel Arbeit - so lautete bislang das Erfolgsrezept von Trainer Lucien Favre beim BVB. Doch im Saison-Endspurt stottert der schwarzgelbe Motor. Müssen andere Maßnahmen her?

Dortmund

, 16.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Borussia Dortmunds Trainer Lucien Favre hat bei seiner Mannschaft aus einem Aschenputtel eine schmucke Prinzessin gemacht. Der BVB ist wieder die unumstrittene Nummer zwei im Lande und könnte sogar noch Deutscher Meister werden. Geschafft hat Favre das mit Ruhe, Geduld, Gesprächen und viel, viel Arbeit. Doch aktuell stottert der schwarzgelbe Motor, wo die Schale zum Greifen nahe ist. Wir diskutieren:

Ist Ruhe bewahren im Meisterschafts-Kampf die richtige Devise für den BVB?

Ja, bloß die Geduld bewahren - Ruhe statt Risiko

von Jürgen Koers

Lucien Favres Leitmotiv wirkt zugegeben nicht spektakulär. Immer einfach weiter arbeiten, damit lässt sich kein Werbespot und kein Marketing-Coup realisieren. Doch das muss es ja auch nicht. Der BVB soll Fußballspiele gewinnen. Und da hat der Trainer überdeutlich unter Beweis gestellt, dass sein sehr bedachter Ansatz nicht nur vage Erfolg verspricht, sondern Aufschwung im Expresstempo beschert. Also immer mit der Ruhe!

Neue Ansätze kämen daher wie Aktionismus

Wenn es Bedarf gibt, fallen auch beim BVB klare Worte. Passt ein Spieler im Training nicht auf, wird der nette Herr Favre sehr, sehr ungehalten. Wenn einer die Fokussierung auf den Sport vermissen lässt, gibt’s einen Rüffel. Disziplin und Berufsauffassung scheinen zu stimmen. In der Kabine herrscht Klarheit. Jeder neue Ansatz käme jetzt daher wie Aktionismus. Es würde schlicht nicht authentisch wirken, hielte Favre plötzlich adrenalintreibende Ansprachen. Der Schweizer bleibt sich treu. Gut so!

Ist Ruhe bewahren im Meisterschafts-Kampf die richtige Devise für den BVB?

Führt Ruhe den BVB im Saison-Endspurt zurück in die Erfolgsspur? © imago

Das gilt auch auf dem Feld. Ein Beispiel: In der Viererkette am Samstag war keiner der Spieler älter als 23 Jahre, und drei von ihnen spielten auf Positionen, die sie nicht gelernt haben – ist der Endspurt im Titelkampf der richtige Moment, um da taktische Experimente zu wagen? Sicher nicht. Geht das schief, greift sofort Verunsicherung um sich. Ein Risiko, dass der erfahrene Trainer mit einem erfahrenen Umfeld umschifft wie sonst nur klare Aussagen in der Öffentlichkeit.

Mit Überzeugung und Ruhe zum Erfolg

Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf, Gladbach – fünf Spiele noch muss diese Dortmunder Elf an ihr Optimum heranreichen. Alle Laufwege sind gelernt, die Automatismen sitzen. Wenn der BVB jetzt noch mit Überzeugung auftritt, ist Ruhe im Nerven aufreibenden Fernduell die allerbeste Wahl.


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Ist Ruhe bewahren im Meisterschafts-Kampf die richtige Devise für den BVB?

266 abgegebene Stimmen

Nein, die Ruhe hat ausgedient - man muss Tacheles reden

von Sascha Klaverkamp

Es hat den BVB verdammt weit gebracht. Viel weiter als gedacht. Und viel schneller. Hätte jemand der Borussia vor dieser Saison prophezeit, dass sie fünf Spieltage vor Schluss nur einen mickrigen Zähler hinter den Bayern liegt, wohl jeder im Klub hätte unterschrieben.

Der BVB kannte bis vor kurzem keinen Druck

Lange Zeit zählten Ruhe und Gelassenheit zu den wichtigsten Tugenden der Schwarzgelben. So ließen sich die leichtfüßigen Darbietungen der Himmelsstürmer am besten einordnen und immer wieder aufs Neue fördern. Der BVB kannte keinen Druck. Er kannte meist nur den Genuss des Übertreffens von Erwartungen.

Ist Ruhe bewahren im Meisterschafts-Kampf die richtige Devise für den BVB?

Oder muss Lucien Favre seine Spieler mal so richtig wachrütteln? © imago

Seit ein paar Wochen aber hat sich der Wind gedreht. Nichts geht mehr leichtfüßig in Dortmund. Jeder Punkt ist hart erarbeitet oder erzittert, die Rückschläge in der Rückrunde häuften sich. Der jungen Mannschaft der Borussia setzt das Wissen darum, etwas verlieren zu können, offensichtlich spürbar zu. Logisch, einen Neun-Punkte-Vorsprung zu verspielen, das kann niemand einfach ausblenden im Kopf.

Einige Spieler müssen wachgerüttelt werden

Ruhe und Gelassenheit sind deshalb nun nicht mehr die wertvollsten Tugenden. Intern muss stattdessen Tacheles gesprochen werden, müssen einige Spieler wachgerüttelt werden. Das Signal „einfach weiter so“ könnte fatale Folgen haben – nämlich die womöglich verpasste große Chance, den Bayern die Meisterschale endlich mal wieder wegzuschnappen.

Jeder BVB-Profi muss sein unbestritten riesiges Potenzial endlich wieder komplett abrufen. Dafür könnte mehr Feuer hilfreich sein. Oder wie es Ex-Borussia-Profi Michael Schulz kürzlich treffend sagte: „Wenn sich immer alle nur lieb haben, gewinnst du nix.“ Manchmal erzeugt ja gerade Reibung eine Menge Wärme.

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