Der BVB plant in der kommenden Saison den großen Coup - und will nach Brandt, Schulz und Hazard das nächste Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt setzen. Mats Hummels soll zurückkehren und den neuen Abwehrboss geben. Doch ist dieser Transfer sinnvoll?

Dortmund

, 16.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Pro: Hummels ist das fehlende Puzzleteil (Von Dirk Krampe)

Ich halte allgemein nicht viel von Rückholaktionen, so viel vorneweg. Sie sind oftmals romantisch angehaucht. Und Spieler, die auf diesem Wege zurück zu ihrem alten Verein finden, haben in der Regel Enttäuschungen (Mario Götze) hinter sich, auch unerfüllte Hoffnungen (Shinji Kagawa) und manchmal eine lange Verletzungsgeschichte (Nuri Sahin). Borussia Dortmund hat diese Erfahrungen alle gemacht, dennoch liegt der Fall bei Mats Hummels anders.

Hummels spielt eine herausragende Rückrunde

Hummels hat gerade in der abgelaufenen Saison gezeigt, auf welchem Niveau er noch agieren kann. Er hat seinen zweifelnden Trainer durch Leistung keine andere Wahl gelassen, als auf ihn zu setzen. Geplant hatte Nico Kovac eigentlich anders. Hummels‘ Rückrunde war herausragend gut, besser als die eines Niklas Süle. Von Jerome Boateng ganz zu schweigen. Und wenn man nüchtern analysiert, was dem BVB gefehlt hat, um am Ende vor den Bayern einzulaufen, dann verkörpert Mats Hummels all diese Aspekte: Erfahrung, Führungsqualität, Ausstrahlung. Es ist etwas anders, wenn Heung-Min Song oder Robert Lewandowski auf Mats Hummels zulaufen, als wenn ihnen Abdou Diallo oder Dan-Axel Zagadou gegenüberstehen.

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Das Argument, ein Hummels-Transfer würde deren Entwicklung blockieren, zieht nur teilweise. Zum einen können diese Spieler sich jede Menge abschauen von einem Spieler vom Kaliber Hummels. Sie werden sich allein durch die tägliche Trainingsarbeit mit ihm verbessern. Borussia Dortmund ist außerdem längst in einer Liga angekommen, wo man sich diese Entwicklungsphase nur begleitend erlauben kann. Die Ergebnisse müssen immer stimmen, anders als zu der Zeit, wo Hummels und Neven Subotic groß herauskamen und ihnen zugestanden wurde, Fehler zu machen. Die individuellen Patzer, die sich der BVB am Saisonende leistete, waren ungleich teurer als damals, die Zeiten sind nicht vergleichbar.

Kurzfristiger Erfolg steht im Mittelpunkt

Denn es geht vor allem um den kurzfristigen Erfolg. Der wird mit Mats Hummels ein Stückchen wahrscheinlicher. Er könnte das fehlende Puzzleteilchen sein, das der Borussia gefehlt hat. Und all die Fans, die ihm jetzt sehr skeptisch gegenüberstehen, sollten sich daran erinnern, dass er acht Jahre die Knochen hingehalten hat für den BVB. Hummels ist sicher kein einfacher Charakter, aber auch diese Reibungspunkte braucht eine Mannschaft. Er war mehr Borusse als viele der ihm nachfolgenden Spieler. Und wird es hoffentlich bald wieder sein.

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Contra: Rückholaktion birgt zu viele Risiken (Von Sascha Klaverkamp)

Klar, Mats Hummels zählt noch immer zu den besten Innenverteidigern der Fußball-Bundesliga. Seine Qualitäten im Zweikampf und in der Spieleröffnung sind herausragend. Er bringt große Erfahrung mit, auch offensive Kopfballstärke. Dazu stellt er eine Führungskraft dar. Trotzdem birgt eine Rückholaktion des früheren Weltmeisters nicht wenige Risiken für den BVB, die den möglichen Transfer zu einem fragwürdigen machen.

Hummels wäre nicht die Defensivzukunft

Im Winter wird Hummels 31 Jahre alt. Um den Umbruch im Dortmunder Kader nun zu vollenden, wäre seine Verpflichtung also das falsche Signal. Denn Hummels bricht seine Zelte in München sicher nicht ab, um sich beim BVB geduldig auf die Bank zu setzen. Er würde als neuer Abwehrchef an Bord geholt. Als der Routinier, der der Abwehrkette Halt und Lenkung geben soll. Hieße also, dass mindestens zwei der jüngeren Verteidiger (Manuel Akanji, Abdou Diallo, Dan-Axel Zagadou, Leonardo Balerdi) künftig weitgehend außen vor wären. Dabei sollen sie doch die defensive Zukunft des BVB sein, sollen Erfahrung sammeln, sich einspielen, sich stetig weiter entwickeln - hin zu internationalen Klassespielern. Auf der Ersatzbank oder gar der Tribüne ist das nur schwer möglich.

Ist der Transfer von Mats Hummels für den BVB sinnvoll?

Mats Hummels (r.) bei seinem BVB-Abschied im Mai 2016. © dpa

Dazu muss die Frage erlaubt sein, ob Mats Hummels trotz seiner Klasse überhaupt ins neue BVB-Konstrukt passt. In punkto Tempo und Wendigkeit verkörpert er nicht den Spielertypen, den die Borussia eigentlich in ihrer Abwehrkette braucht. Schon gar nicht, wenn der BVB dank neuer Offensivpower um Brandt und Hazard bald noch riskanter nach vorne stürmt als bislang. Da sind schnelle Abwehrspieler, die Bälle bei gegnerischen Kontern erobern können, unverzichtbar.

Hummels sagt immer offen seine Meinung

Fraglich ist auch, ob die gerade so gut funktionierende Team-Hierarchie beim BVB durch Mats Hummels aufgewirbelt würde. Bleibt Marco Reus der klare Kapitän? Sieht sich Hummels in der Führungsrolle? Hummels ist zumindest einer, der klar und offen seine Meinung sagt. Das besaß auch in der DFB-Auswahl und bei den Bayern schonmal Zoff-Potenzial.

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