Hummels-Sperre reißt eine große Lücke in die Defensive des BVB

dzBorussia Dortmund

Ohne den gesperrten Mats Hummels geht der BVB ins Heimspiel gegen Hertha BSC. Das Fehlen des Abwehrchefs reißt eine Lücke, die in der Praxis nicht so schnell zu schließen sein wird.

Dortmund

, 04.06.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Lucien Favre den Kader der Dortmunder Borussia auf der Suche nach einem Ersatz für seinen nach der fünften Gelben Karte gesperrten Abwehrchef durchforsten wird, wird der Schweizer relativ schnell bei Emre Can hängen bleiben.

Hummels darf nicht, Dan-Axel Zagadou ist verletzt, den jungen Leonardo Balerdi hat Favre zuletzt vermehrt auf der Sechs gebracht, im Abwehrzentrum verfügt der Argentinier über keinerlei Spielpraxis - bleibt also eigentlich nur Can, der im Winter auch wegen seiner Flexibilität geholt worden ist. Und es passt auch gut, dass sich Axel Witsel gegen Paderborn erfolgreich zurückgemeldet hat und am Samstag wohl wieder erste Wahl im defensiven Mittelfeld sein kann. So weit, so einfach.

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Hummels‘ Fehlen aber wird eine Lücke reißen, die in der Praxis nicht so schnell zu schließen sein wird. Das haben schon die 45 Minuten der zweiten Hälfte in Wolfsburg gezeigt, als der 31-Jährige zur Pause in der Kabine bleiben musste, weil die Achillessehne zwickte und Can aus dem Nichts seine Rolle übernehmen musste.

Mats Hummels entpuppt sich beim BVB als Königstransfer

Obwohl in der Offensive neben Jadon Sancho auch die wie Hummels zu Saisonbeginn neu gekommenen Julian Brandt und Thorgan Hazard beständig für positive Schlagzeilen sorgen, ist es doch Abwehrchef Hummels, der sich wie erhofft als Königstransfer des vergangenen Transfersommers entpuppt hat. Die in ihn gesetzten Erwartungen hat der Mann mit dem genialen Außenristpass erfüllt, dafür lieferte auch die Partie am Pfingstsonntag in Paderborn eindrucksvolle Belege. Nach seiner Rückkehr aus München hat sich Hummels zunächst bewusst zurückgenommen, auf dem Platz aber ist er der Leader, der dem BVB im Defensivbereich gefehlt hat.

Hummels-Sperre reißt eine große Lücke in die Defensive des BVB

© Deltatre

Das belegen auch die Zahlen: Hummels ist der drittbeste Innenverteidiger der Liga, was die Zweikampfquote angeht (65,9 Prozent). Seine Passquote ist mit 90 Prozent auch deshalb so bemerkenswert, weil er das Risiko des langen Balles nicht scheut und in Dortmund oft erster Aufbauspieler ist. 83 Ballkontakte im Schnitt pro Partie sind ebenfalls ein guter Wert, auch wenn die Borussia bewusst auf Kontrolle aus ist und sehr konsequent den Ball über die Innenverteidiger zirkulieren lässt.

BVB-Abstimmungsverhalten mit Piszczek und Akanji ist gewachsen

Can war in Dortmund bislang vornehmlich im defensiven Mittelfeld zu Hause. Dort ist seine Präsenz auffällig, seine Zweikampfwerte (62 Prozent) entsprechend sehr ordentlich. Gefordert wird der ehemalige Turiner am Samstag aber vor allem auch in einem anderen Punkt: Hummels organisiert wie kein Zweiter Lauf- und Positionsspiel seiner Neben- und Vorderleute, das Abstimmungsverhalten mit Lukasz Piszczek und Manuel Akanji ist gewachsen und gefestigt. Mit Emre Can im Abwehrzentrum kann das naturgemäß noch nicht so ausgeprägt der Fall sein.

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Auf die ausgedünnte Abwehr der Borussia dürfte zudem deutlich mehr Arbeit als in Paderborn zukommen. Die Hertha um Jungbrunnen Vedad Ibisevic (35/ zwei Tore, zwei Vorlagen nach der Corona-Pause) hat seit dem Re-Start der Bundesliga bei zehn Punkten und 11:2 Toren noch nicht verloren und reist mit breiter Brust an.

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