BVB-Boss Watzke: Wir haben genauso viele gelernte Mittelstürmer wie Bayern München

Kampfansage im Titelkampf

USA-Reise beendet, Bad Ragaz vor der Brust, forsche Ziele formuliert: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke spricht über den neuen Kader - und hat eine klare Meinung bei der Stürmerfrage.

Chicago

, 21.07.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 5 min
BVB-Boss Watzke: Wir haben genauso viele gelernte Mittelstürmer wie Bayern München

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht den BVB für die kommende Saison gut aufgestellt. © BVB/Alexandre Simoes

Vor dem Rückflug nach Frankfurt sprach Watzke über ...


... die USA-Reise: „Mein Fazit nach sechs Tagen USA-Reise fällt absolut positiv aus. Wir haben der Mannschaft einiges abverlangt, das ist klar. Auf der anderen Seite ist ein wenig Willensschulung auch mal ganz gut. Früher, so vor schätzungsweise 30 Jahren, als Dinge wie Belastungssteuerung eher rudimentär gehalten wurden, da mussten wir 25 Runden um den Platz laufen. Heute ist die Belastung eine andere. Aber ich finde das gut. Und es gehört eben auch mal dazu, wenn man für einen großen Klub spielen möchte.“

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... die sportlichen Erkenntnisse der USA-Reise: „Sportlich hat mir vieles gut gefallen. Die Reise war gut aufgebaut. Erst gegen die Seattle Sounders und dann gegen den FC Liverpool. Wir können die Ergebnisse natürlich einschätzen, aber ich habe schon gemerkt, dass der Test gegen Liverpool mehr war als nur ein Freundschaftsspiel. Wenn ich sehe, wie Liverpool uns in den letzten 15 Minuten attackiert hat, dann habe ich nicht den Eindruck, dass das Ergebnis zweitrangig war. Insofern war das ein sehr guter Test. Jetzt fliegen wir nach Hause und haben eine ganze Woche Zeit fürs Training. Dann geht’s weiter nach Bad Ragaz. Deswegen glaube ich, dass wir ein ausgewogenes Programm haben.“

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Die BVB-Rückkehr aus Chicago.© Groeger
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Schlagworte Fußball

... die wirtschaftlichen Erkenntnisse der USA-Reise: „Man merkt schon, dass die schwarzgelbe Community in Amerika größer wird. Wir sind nicht Liverpool, das haben wir auch gesehen. Die englischen Klubs haben viel Vorsprung, aber trotzdem sind wir schon deutlich präsenter als noch vor zwei oder drei Jahren. Es lohnt sich also auch monetär, aber wir haben in diesem Jahr ein ganz klares Primat des sportlichen Erfolgs, dem alles untergeordnet wird. Wir hätten ja auch in der kommenden Woche noch irgendwo, irgendein Spiel machen können, um Geld zu verdienen. Aber wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir nur trainieren wollen. Wir versuchen, dem möglichen sportlichen Erfolg alles unterzuordnen.“

... die Dimensionen im Sport in den USA: „Das ist ja bekannt. Wir können Europa nicht mit den USA vergleichen. In Amerika gibt es ein ganz anderes Spenderdenken. Wenn da Leute sind, die an Elite-Universitäten studiert haben, dann spenden die später mal eben fünf Millionen Dollar für irgendein Gebäude auf dem Campus. Und der Universitätssport genießt in den USA ja sowieso einen außergewöhnlichen Stellenwert. Wenn du die Universitäten in Amerika siehst und dann schaust, wie die teilweise bei uns aussehen, dann darfst du dich am Ende auch nicht wundern, dass die größten Firmengründungen der vergangenen 20 Jahre alle hier in Amerika stattgefunden haben.“


... Dinge, die man sich in den USA abschauen kann: „Man kann sich immer etwas abschauen und davon lernen, aber wir müssen jetzt auch nicht sagen, dass wir alles umwerfen müssen. Wir haben unsere Kultur, die Amerikaner haben ihre. Das kann sich gegenseitig befruchten, aber man muss schon selber wissen, wo man herkommt - und das wissen wir schon sehr genau.“

BVB-Boss Watzke: Wir haben genauso viele gelernte Mittelstürmer wie Bayern München

„Ich bin sicher, dass die Rückkehr von Mats Hummels sich sehr bezahlt machen wird“, sagt Watzke. © imago

... das Ziel Meisterschaft: „Mir war ja klar, als ich über den Titelwunsch gesprochen habe, dass ich in der Folge jahrelang falsch zitiert werde. Ohne irgendwas relativieren zu wollen, ich habe gesagt, dass wir alles versuchen werden, um Meister zu werden. Dabei bleibt es. Wir haben investiert, das ist ja klar, aber wir haben auch, und das kommt mir manchmal ein bisschen zu kurz, ein paar Spieler verkauft. Ich glaube, dass wir gar nicht mehr so weit aus der Balance sind. Wenn ich an Christian Pulisic denke, an Abdou Diallo und an Alexander Isak, dann komme ich auch schon auf über 100 Millionen Euro Einnahmen. Deswegen sehe ich unsere Investitionen nicht als besonders dramatisch an.“


... den Kader: „Ich glaube, dass unser Kader ausgewogener ist als in der Vorsaison. Ich bin sicher, dass die Rückkehr von Mats Hummels sich sehr bezahlt machen wird. Vorne sind wir unberechenbarer geworden. Wir sind zufrieden, was den Stand der Dinge angeht. Und jetzt werden wir in den nächsten Wochen noch den einen oder anderen Spieler, der bei uns keine Zukunft hat, abgeben. Hinter den Kulissen laufen die Gespräche, Michael Zorc ist da sehr fleißig bei der Arbeit. Wir werden den Kader noch etwas verkleinern. Auf der Aufnahmeseite habe ich ein gutes Gefühl mit diesem Kader. Und dieses Gefühl haben wir eigentlich alle, Michael Zorc, Sebastian Kehl, Matthias Sammer und ich.“

... die Stürmersuche: „Ich habe das Gefühl, dass wir einen gelernten Mittelstürmer haben. Und damit haben wir genauso viele gelernte Mittelstürmer wie Bayern München, nämlich einen. Paco Alcacer hat ja jetzt in den Testspielen auch immer getroffen - und ehrlich gesagt verstehe ich die ganze Diskussion nicht. Wenn es nach Größe geht, hätten Uwe Seeler und Gerd Müller auch nie den Ansprüchen genügt. Paco ist dieses Jahr deutlich straffer, weil er die gesamte Vorbereitung mitmachen kann. Deswegen muss niemand so tun, als ob wir keine Stürmer hätten. Denn wir haben ja auch noch Mario Götze, Thorgan Hazard und Jacob Bruun Larsen, die diese Position spielen können. Deswegen ist die Stürmer-Diskussion eine Diskussion, die überwiegend von den Medien geführt wird und nicht von uns.“


... die Zielvorgabe an die Mannschaft: „Man muss es immer im Kontext sehen. Wir haben unsere Ziele kurz nach dem letzten Spieltag formuliert. Damals war es, glaube ich, wichtig, weil wir wahrscheinlich eine Sommerdepression ausgelöst hätten, wenn wir defensiv an die Sache rangegangen wären. Und es gehört ja auch die Tatsache dazu, dass wir, obwohl wir in der Rückrunde einen deutlichen Vorsprung verspielt haben, am Ende nur zwei Punkte weniger hatten als der FC Bayern München. Das ist eine Plattform, von der wir unsere Ziele formulieren können. Es ist auch unsere Überzeugung. Ein Jahr zuvor hätten wir das nicht machen können. Es nützt ja nichts, wenn wir Ziele vorgeben, an die wir selbst nicht glauben. Dieses Jahr haben wir das Gefühl, dass es der richtige Moment ist, um unsere Ziele so zu formulieren, wie wir sie formuliert haben.“

... den Supercup gegen die Bayern Anfang August: „Ich freue mich total auf den Supercup. Das Spiel war ja auch ruckzuck ausverkauft. So ein Interesse am Supercup hat’s eigentlich noch nie gegeben, was aber irgendwie auch klar ist. Im Ausland hat der Supercup schon einen großen Stellenwert, in Deutschland wird es immer mehr. Und die Voraussetzungen sind ja auch besonders. Mats Hummels gegen seine ehemaligen Mitspieler und das spannende Meisterrennen in der Vorsaison - da kann man sich schon drauf freuen. Ich denke auch, dass beide Klubs das Spiel sehr ernst nehmen und dass es für beide ein richtiges Pflichtspiel ist.“


... die Qualität der Bayern: „Es ist egal, was die Bayern noch machen, weil sie jetzt schon eine Topmannschaft haben. Wenn ich mir die Bayern-Mannschaften aufschreibe, was ich vergangene Woche mal gemacht habe, weil ich ja fast schon geglaubt habe, was die Presse so schreibt, dann habe ich Probleme zu sagen, wer da alles in der ersten Elf steht und wer nicht. Die Bayern haben wirklich eine Topmannschaft, da brauchen wir uns gar nichts vormachen. Und sie werden ja auch noch etwas tun, um quantitativ noch ein bisschen nachzulegen. Aber von der Qualität sind sie jetzt schon sehr, sehr stark.“


... den frühen Zeitpunkt, an dem der BVB den Großteil seines Kaders stehen hatte: „Das muss jeder Klub für sich selbst entscheiden. Manchmal ist man ja auch in verschiedenen Dingen gefangen. Wir haben versucht, es schnell zu lösen. Je früher du auf dem Transfermarkt dran bist, desto günstiger ist es am Ende meistens auch. Michael (Zorc, Anm. d. Red.) hat das super gelöst. Zum jetzigen Zeitpunkt würde sich vermutlich der eine oder andere Transfer schwieriger gestalten als zu einem früheren Zeitpunkt. Aber es kommt immer darauf an. Wenn uns einer der Spieler, die wir unbedingt haben wollten, gesagt hätte, dass er sich auf keinen Fall vor dem 1. August entscheidet, dann hätten wir wahrscheinlich auch gewartet. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, jeder Klub muss seinen eigenen finden.“

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