Gratis-Urlaub, Geschenke und Fehlentscheidungen: Das BVB-Skandalspiel in Mailand 1964

Zeitspiel

Der BVB traf vor 55 Jahren im Halbfinale des Europacups auf Inter Mailand - und schied durch einen Schiedsrichter-Skandal aus. Der endete mit einer lebenslangen Sperre.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 23.10.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gratis-Urlaub, Geschenke und Fehlentscheidungen: Das BVB-Skandalspiel in Mailand 1964

Die BVB-Mannschaft von 1963. © imago

Lynn Oslo, Benfica Lissabon, Dukla Prag. Das waren die Stationen, über die der BVB 1963/64 im Europacup der Landesmeister bis ins Halbfinale vordrang. Dort hieß der Gegner Inter Mailand.

Schützenhilfe von den Schiedsrichtern für Inter

Inter, das Team von Helenio Herrera, die Elf des deutschen Fußball-Legionärs Horst Szymaniak. Eine Mannschaft, gespickt mit Weltklassekickern aus aller Herren Länder. Das Hinspiel in Dortmund endete am 15. April 1964 mit einem für Mailand schmeichelhaften 2:2. „Das Glück war mit Inter“, schrieb der „Sport-Beobachter“, der „Kicker“ meinte: “Sogar in Mailand Chancen!“

Vielleicht hätte sich der BVB am 29. April 1964 ja wirklich in Mailand durchsetzen können. Wäre nicht ein gewisser Branco Tesanic aus Jugoslawien Schiedsrichter dieser Partie gewesen. Tesanic pfiff außerordentlich einseitig und bevorzugte konsequent den Gastgeber. Als williger Helfer entpuppte sich einer seiner beiden Linienrichter namens Alexander Skoric.

Zuschauer warteten vergebens auf einen Platzverweis

Der Höhepunkt der Willkür durch den „neutralen Unparteiischen“ sahen die Zuschauer in der 21. Minute, als Mailands Louis Suarez den gezielten Versuch unternahm, durch einen wuchtigen Tritt in den Unterleib von Hoppy Kurrat dessen Hoffnung auf eine Großfamilie ad acta zu legen.

Das Foul war für jeden der 90.000 im Stadion Giuseppe Meazza und für Millionen Fernsehzuschauer derart klar erkennbar, dass alle wie selbstverständlich auf einen Platzverweis warteten. Sie harrten vergebens, denn Tesanic hatte nichts, aber auch gar nichts gesehen.

Gratis-Urlaub, Geschenke und Fehlentscheidungen: Das BVB-Skandalspiel in Mailand 1964

Dieter „Hoppy“ Kurrat wurde böse von Louis Suarez gefoult - das blieb allerdings ohne Konsequenzen für den Mailänder. © imago

„Alles Märchen. Der Mailänder versuchte zwar, dem deutschen Spieler einen Schlag zu versetzen, weil ihn dieser an der Ausführung eines Freistoßes behinderte, aber Suarez trat nicht zu, wie man jetzt behauptet,“ so Tesanic später. „Alles verlief normal und regulär!“

Schiedsrichter bekamen Gastgeschenke von Inter Mailand

Nun war Suarez nicht irgendein Spieler der Norditaliener, sondern der anerkannte Kopf des Teams. Sein Ausscheiden hätte die sportliche Waagschale zwangsläufig zugunsten des Gastes ausschlagen lassen. Der BVB war unter diesen Bedingungen dem italienischen Meister nicht gewachsen und verlor mit 0:2. Vorbei der Traum vom Endspiel.

Für Tesanic allerdings kam der persönliche „Schlusspfiff“ seiner Laufbahn als Schiedsrichter nur wenig später. Seine Sünden holten ihn ein. In seiner Heimat hatte man nämlich die merkwürdige Regelauslegung nicht nur erstaunt zur Kenntnis, sondern auch zum Anlass genommen, die Hintergründe zu recherchieren.

Und siehe da: es stellte sich heraus, dass sowohl Tesanic als auch „Linie“ Skoric auf Kosten des Inter-Vorstandes ihren Mailand-Aufenthalt gestaltet und trotzdem ihre FIFA-Spesen eingestrichen hatten. Kostenlose Urlaube in Italien für die dubiosen „Inter-Mitarbeiter“ kamen hinzu. Darüber hinaus soll sich schon im Hotelzimmer der beiden ein opulentes Gastgeschenk befunden haben, das später golden schimmernd die Handgelenke des Duos schmückte.

Lebenslange Sperre nach teuren Gastgeschenken

Der jugoslawische Verband war entsetzt. Deshalb strich man die beiden lebenslang von der Liste der nationalen und internationalen Schiedsrichter. Borussia nahm das Aus für Tesanic mit Genugtuung zur Kenntnis. Moralisch fühlte man sich bestätigt, sportlich allerdings war für die Schwarzgelben nichts mehr zu korrigieren. Ein Trost blieb den Borussen allerdings: Das Europacup-Endspiel verloren die Mailänder.

Ein kleines „Zückerchen“ gab es zum Ende der Saison aber doch noch für den BVB. Im Länderspiel Deutschland gegen Finnland setzte der neue Bundestrainer Helmut Schön in Hans Tilkowski, Theo Redder, Willi Sturm, Timo Konietzka und Aki Schmidt gleich fünf Borussen ein. Das war ein neuer „BVB-Rekord“.

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