Ginter führt beim BVB ein schattiges Dasein

Im inneren Zweikampf

Matthias Ginter hat viel dafür getan, dass er nicht mehr so leicht übersehen wird, weder auf dem Fußballplatz noch daneben. Er hat sich mit einem Fitnesstrainer individuell gestählt und sich mit einem Mentaltrainer darauf konzentriert, seine Präsenz zu verbessern. Dennoch verwundert es, dass der Defensivspieler in dieser Saison die drittmeisten Minuten in der Bundesliga absolviert hat beim BVB.

DORTMUND

, 23.02.2017, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ginter führt beim BVB ein schattiges Dasein

Eine Szene, die ihm und seinem Trainer gefallen dürfte: Matthias Ginter (l.) zeigt Durchsetzungsvermögen, Stärke und Präsenz.

Ein auffälliger Typ ist der Schwarzwälder trotz der Aufforderung, häufiger voranzugehen, weiterhin nicht, auch wenn das seinem sportlichen Stellenwert nicht gerecht wird.

"Das hat alles seine Vorteile"

Mit seinen 23 Jahren knapp 130 Bundesligaspiele schwer, gehört Ginter beim BVB zu der Kategorie Spieler, die man als Verantwortlicher sehr gerne im Kader hat, weil sie professionell und unkompliziert ihren Aufgaben nachgehen, die sich aber damit schwertun, sich als unverzichtbar für die Startelf zu empfehlen und Ansprüche zu reklamieren.

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Vielleicht liegt das schattige Dasein auch an der Vielseitigkeit des gebürtigen Freiburgers. „Es ist mir eigentlich egal, ob ich Innenverteidiger, rechter Verteidiger oder Sechser spiele - das hat alles seine Vorteile“, sagt Ginter gewohnt diplomatisch und defensiv, „ich glaube, dass ich alles spielen kann.“ Und, das gehört bei den Aussagen dazu, entscheiden müsse das ja immer der Trainer.

Gründliche Zukunftsplanung

Der berücksichtigt ihn deutlich häufiger als in der Vorsaison (1889 Minuten nach 34 Spieltagen), tätschelt ihm auch mal nachdrücklicher im Gesicht, um seine Schärfe herauszukitzeln, doch so richtig schlau wird keiner aus den Aufstellungen. Auf der rechten Bahn hat der formstarke Lukasz Piszczek das Prä, auf der Sechs ist Julian Weigl unangefochten, innen kommt Ginter nicht an Sokratis vorbei, auch Marc Bartra oder Sven Bender, so der denn mal gesund ist, wurden ihm mitunter vorgezogen.  

Hier gibt's Video-Impressionen des heutigen #BVB-Trainings. (Video: @BVB) pic.twitter.com/z8HwIRAM69

— Ruhr Nachrichten BVB (@RNBVB)

Weil zur neuen Saison in Ömer Toprak die nächste Alternative bei den Westfalen anrückt, muss sich auch Ginter wie vor Jahresfrist gründlich überlegen, ob er seine Zukunft beim BVB sieht. Er sei ja „jetzt noch nicht so alt“, sagt Ginter. Interessenten für seine zuverlässigen Dienstleistungen gibt es immer wieder. Es wird einen inneren Zweikampf geben, und noch ist unklar, ob die Neugierde oder die Sicherheit siegt.

"Sein Lob bedeutet mir sehr viel"

Einer, dessen Rat er womöglich einholen wird, ist Christian Streich. Der Trainer des SC Freiburg machte Ginter zum Stammspieler, mit gerade einmal 18 Jahren. Die beiden stehen noch regelmäßig in Kontakt, der Coach sei für ihn „die bisher wichtigste Person in meiner Karriere“ gewesen, „sein Lob bedeutet mir sehr viel.“

Am Samstag, wenn der BVB in Freiburg antreten muss, bleibt wohl wenig Zeit für Außersportliches und für Familie und Freunde, die im Stadion zuschauen werden. Ginter bedauert das, er verbringt gerne viel Zeit in seiner Heimat, auch beim Sportclub, „ich habe neun Jahre lang dort gespielt, von daher wird es auch immer etwas Besonderes bleiben.“

Rückkehr nach Freiburg

Seltenheitswert haben in dieser Serie auch die Torbeteiligungen. Nach zehn Scorerpunkten in 2015/16 steht da aktuell noch die Null. „Für mich wird es auch mal wieder Zeit, ein Tor zu machen“, sagt Ginter selbst. Das Heimspiel im Freiburger Schwarzwaldstadion wäre ein passender Ort, um mal wieder öffentlichkeitswirksam seine Stärke zu präsentieren. 

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