Den Bayern hat der SC Freiburg zuletzt einen Punkt abgeluchst, jetzt soll der BVB folgen. Im Interview spricht SCF-Defensivspieler Dominique Heintz über seine Umschulung zum Verteidiger, einen ehrlichen Trainer und Dortmunds Offensivpower.

Dortmund/Freiburg

, 20.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Der 25-Jährige gibt sich entspannt vor dem Duell mit Borussia Dortmund. Der Verteidiger des SC Freiburg hat sich einfach vorgenommen, die Schwarzgelben am Ostersonntag (15.30 Uhr) zu ärgern.

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Ihr Spitzname ist „Heintzi“. Passen würde aber auch „Mister 100 Prozent“. Sie haben bisher kein Saisonspiel verpasst, nur mickrige sechs Minuten gegen Stuttgart. Was ist Ihr Geheimnis?

Gute Gene ist ein gutes Argument. Ich bin bislang fast nie ausgefallen, war nur selten krank. Egal, für welchen Klub ich bislang gespielt habe. Ich hoffe, das bleibt so.


Wieviel hat solch eine 100-Prozent-Quote mit professionellem, gesunden Leben zu tun?

Wenn du nicht gesund lebst, ist dein Körper nicht so leistungsfähig, dass man Profisport betreiben könnte. Aber du musst deine Leistung auch konstant bringen, sonst wäre das nicht möglich. Klar gibt es auch Spiele, in denen ich nicht so gut bin. Aber man kann sich, glaube ich, auf mich verlassen, ich gebe in jedem Training alles, versuche mich immer weiter zu verbessern. Man darf sich nicht darauf ausruhen, was man mal geleistet hat.


Es ist überliefert, dass Sie in der frühen Jugend 500 Tore als Stürmer erzielt haben. Warum haben Sie sich damals zum Verteidiger umschulen lassen?

Gute Frage. Ich war sehr jung, als ich in die B-Jugend kam, aber die Mannschaft brauchte einen Linksverteidiger. Ich hatte einen starken linken Fuß, habe gute Flanken geschlagen, da hat mein Jugendtrainer gesagt, dass ich es doch einfach mal hinten probieren soll. Und es hat ja dann sogar so gut funktioniert, dass es mich bis in die Jugend-Nationalmannschaft geführt hat. Da hat Trainer Horst Hrubesch dann erkannt, dass ich auch den Job des Innenverteidigers beherrsche. Ich bin froh, dass ich mich als Verteidiger beweisen durfte, wer weiß, ob es für mich als Stürmer in der Bundesliga gereicht hätte.

Als Verteidiger ist es schwerer, im Rampenlicht zu stehen. Stürmer werden häufig vergöttert.

Das stimmt, aber ich muss nicht jeden Tag im Rampenlicht stehen. Ich will einfach meine Leistung bringen.


Mögen Sie es, unauffällig zu sein?

Ich freue mich immer, wenn ich zuhause bin, bei meiner Familie, bei meinen Freunden. Da bin ich gern der normale „Heintzi“, der in unserem Dorf heute noch genauso wahrgenommen wird wie als kleiner Junge. Ich mag das sehr. Ich muss auch nicht ständig Interviews geben oder mich jeden Tag im Internet präsentieren, das wäre nicht ich.


Hat zu Ihnen als familiärer Typ der Wechsel zum SC Freiburg vor dieser Saison perfekt gepasst?

Es waren perfekte Voraussetzungen, ja. Ich darf sagen, dass ich es richtig entschieden habe, nach Freiburg zu kommen.


In Freiburgs Kette waren Sie zuletzt mit 25 Jahren sogar schon so etwas wie der „Altmeister“ neben den Schlotterbeck-Brüdern. Was können Sie den Jungs beibringen?

Ich kann mich gut in die ganz jungen Spieler hineinversetzen, ich erinnere mich noch gut, dass ich zum Start meiner Karriere auch für jede Hilfe dankbar war. Wir legen nach dem Mannschaftstraining noch häufig eine Extraschicht ein, üben Pässe, Flugbälle, sprechen viel miteinander. Das Miteinander läuft hier in Freiburg ohnehin sehr gut, so dass sich gerade junge Spieler leichter einfinden können. Und sie haben hier einen Trainer, unter dem sie sich gut entwickeln können.


Trainer Christian Streich hat auch Sie vom Sportclub überzeugt. Was macht ihn so besonders?

Er ist sehr bodenständig, ist sehr sympathisch, er sagt, was er denkt. Und das Wichtigste: er ist ehrlich. Auch wenn es mal Kritik gibt, er sagt es dir immer ehrlich. Er gibt dir Vertrauen, auch wenn du mal einen Fehler machst. Das ist eine gute Basis, warum wir uns als Mannschaft auch diesen Vorsprung vor der Abstiegszone hart erarbeitet haben.

Freiburgs Dominique Heintz über Umschulung, einen ehrlichen Trainer und BVB-Offensivpower

Fördert und fordert Heintz: Freiburgs Trainer Christian Streich (r.). © imago

Freiburg hat elf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Fühlen Sie sich schon sicher?

Sicher fühle ich mich erst, wenn der Klassenerhalt auch rechnerisch klar ist.


Sie könnten am Sonntag gegen den BVB den Klassenerhalt perfekt machen mit einem Heimsieg. Wird es ein schöner Ostersonntag?

Erstmal soll das Wetter ja schön werden (lacht). Es wird genauso ein Wetter wie gegen Bayern München, und da haben wir ja gepunktet. Wir versuchen, ein gutes Heimspiel zu machen und die Dortmunder genau wie die Bayern zu ärgern.


Worauf muss sich der BVB einstellen?

Die Dortmunder wissen, was auf sie zukommt. Wir werden am Sonntag alles reinhauen.


Freiburg ist heimstark, hat zwei Drittel der Punkte zuhause geholt. Warum klappt es da so deutlich besser als in der Fremde?

Da gibt es eine einfach Erklärung: Du hast deine eigenen Fans im Rücken, und in Freiburg spielen wir in einem sehr engen Stadion. Einige Mannschaften spielen in dieser Situation etwas defensiver.


Dortmunds Offensive ist wieder fit. Wie sehr freuen Sie sich auf Paco Alcacer, Jadon Sancho und Marco Reus?

Das ist eine große Herausforderung für uns, auch, weil wir einige Verletzungsprobleme haben. Die Dortmunder müssen wir im Kollektiv berarbeiten, aber das können wir gut. Ich habe keine Bedenken, dass wir das am Sonntag gut machen werden.


Sie könnten der Borussia die Meistersuppe versalzen ...

Nach dem Spiel bei uns sind es ja noch vier Spiele. Selbst wenn wir gegen Dortmund punkten sollten, bleibt es bis zum Ende spannend, Bayerns Restprogramm ist auch nicht leicht. Wir werden mit Vollgas in die Partie gehen, wie gegen die Bayern auch, und dann sehen, was dabei herauskommt.

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