Dortmunder Fanhilfe kritisiert Polizeieinsatz in Berlin als „rechtswidrig“

Borussia Dortmund

Die Dortmunder Fanhilfe übt scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei in Berlin am vergangenen Samstag. Der Einsatz von Pfefferspray sei „rechtswidrig“ gewesen, das Einschreiten „übertrieben“.

Dortmund

, 05.09.2019, 19:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Dortmunder Fanhilfe kritisiert Polizeieinsatz in Berlin als „rechtswidrig“

Die Auseinandersetzungen im Gästeblock und der Einsatz der Berliner Polizei sorgen für Diskussionen. © imago

Mehr als 60 schriftliche Rückmeldungen habe die Dortmunder Fanhilfe erhalten, heißt es in einer zweiten Pressemitteilung zum Vorfall vom vergangenen Samstag. Nach Provokationen zwischen Union-Fans und Dortmunder Anhängern schritt die Polizei ein. „Hierbei wurde […] großzügig und völlig undifferenziert auf den Einsatz von Pfefferspray gesetzt“, urteilt die Fanhilfe. Es seien in erster Linie Unbeteiligte verletzt worden.

Keine „Gefangenenbefreiung“?

Die Berliner Polizei hatte sich in ihrer Einsatzmitteilung darauf berufen, dass sie eine „Gefangenenbefreiung nur durch den Einsatz von Reizgas“ verhindern konnte. In den der Fanhilfe vorliegenden Schilderungen findet sich für diese Beschreibung keine Bestätigung. Wohl aber dafür, dass „der obere Bereich des Gästeblocks in einer großen Wolke von Pfefferspray“ versunken sei, das „unangekündigt“ und „unvorhersehbar“ eingesetzt worden sei, und zwar „mit offensichtlich reichweitenstarken Reizstoffsprühgeräten“.

Weil die Polizei nach den Eindrücken der Dortmunder Fraktion nicht das mildeste Mittel zur Eindämmung der Situation gewählt habe und auch keine ausreichenden sanitären Maßnahmen verfügbar gewesen seien, „stellt sich der Polizeieinsatz auf der Grundlage der gesetzlichen Vorschriften für die Anwendung des Zwangsmittels Pfefferspray als unverhältnismäßig und somit rechtswidrig dar“, so die rechtliche Einordnung der Fanvertreter.

In der Polizeimitteilung hieß es: „Die Einsatzkräfte mussten insgesamt 23 Strafermittlungsverfahren einleiten, unter anderem wegen Gefangenenbefreiung, Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Beleidigung. Dabei wurde neun Personen kurzfristig die Freiheit entzogen, um ihre Personalien festzustellen. Ein Fan der Gastmannschaft erstattete bis zum Einsatzende Anzeige wegen Körperverletzung im Amt gegen die Polizei, da er angab, durch den Einsatz des Reizstoffes verletzt worden zu sein.“

Die Dortmunder Fanhilfe setzt auf eine juristische Auswertung der Videoaufzeichnungen im Stadion, um den Sachverhalt zu klären. Das Nachspiel dieser Bundesliga-Partie wird sich in die Länge ziehen.

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