Ehemaliger BVB-Kapitän Boyamba: „Will nicht die zweite Geige spielen“

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Joseph Boyamba muss derzeit Geduld beweisen. Der ehemalige U23-Kapitän des BVB sucht nach einem neuen Klub. Er ist optimistisch - und hat klare Vorstellungen.

Dortmund

, 12.08.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Während die ehemaligen Dortmunder U23-Kollegen aktuell im Trainingslager ihre Vorbereitungsarbeit verrichten, hält sich Joseph Boyamba mit individuellen Schichten fit. Der Außenstürmer, in der vergangenen Saison noch Kapitän des BVB II, befindet sich weiterhin auf Vereinssuche, fahndet immer noch nach einem passenden Profiklub. Boyamba weilt im Wartestand.

Ex-BVB-Spieler Boyamba will höherklassig angreifen

Dass der 24-Jährige seinen Vertrag nicht verlängern und stattdessen eine neue Herausforderung suchen würde, war dabei schon vor dem Corona-bedingten Saisonabbruch klar. Boyamba lief zwei Jahre für die Borussia auf, kam in dieser Zeit auf 59 Regionalliga-Spiele, in denen er 24 Tore erzielte und sieben Mal den finalen Service lieferte. Er reifte erst zum Leistungsträger, dann zum Führungsspieler - und will nun höherklassig angreifen.

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Bereits im Sommer 2019 hätte Boyamba diesen Schritt vollziehen können. Nach Informationen der Ruhr Nachrichten erkundigte sich der Karlsruher SC nach dem flinken Flügelspieler. Boyamba war nicht abgeneigt, wäre wohl zum Zweitligisten gewechselt. Allerdings legte U23-Manager Ingo Preuß sein Veto ein - und überzeugte den von der SG Wattenscheid gekommenen Offensivspieler, ein weiteres Jahr in Dortmund zu bleiben.

Boyamba über BVB-Zeit: „Diesen Posten habe ich mir erarbeitet“

Boyamba nahm diese Aufgabe an, durfte sich fortan die Kapitänsbinde überstreifen - und war neben Steffen Tigges und Chris Führich unverzichtbarer Teil des Dortmunder Dreiersturms. Es mache ihn „stolz und dankbar“, für den BVB aufgelaufen zu sein, betont Boyamba im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. „Dass ich Kapitän sein durfte, zeigt meinen Stellenwert. Diesen Posten habe ich mir erarbeitet.“

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Einerseits durch gute Leistungen auf dem Platz, andererseits durch viel Engagement neben dem Rasen. „Ich hatte auch im ersten Jahr eine Führungsrolle“, sagt Boyamba. Schon in der Saison 2018/2019 - unter Jan Siewert und Interimstrainer Alen Terzic - gehörte er zum Kreis der Kapitäne. Er habe „den Kontakt zu den jüngeren Spielern“ gesucht, versucht, „ihnen Ratschläge zu geben“. Im zweiten Jahr intensivierte er diese Bemühungen als Anführer der Truppe. „Jetzt“, sagt Boyamba, „bin ich gewappnet für höhere Aufgaben“.

Boyamba könnte Rente in die Niederlande folgen

Laut eigener Angabe steht er mit „zwei, drei“ deutschen Zweitligisten in Kontakt. Eine weitere Option sei die niederländische Elite-Liga, in die kürzlich schon Ex-Kollege Marco Rente gewechselt ist. Der Innenverteidiger kickt jetzt für Heracles Almelo.

Ob Boyamba Zeitdruck verspüre, weil viele der Profiklubs den Trainingsbetrieb längst wieder hochgefahren haben? „Nein, Druck mache ich mir nicht. Die meisten Vereine werden ihren Kader noch umkrempeln, es wird noch Wechsel geben“, glaubt er. „Ich bleibe da recht entspannt. Die letzten zwei, drei Jahre habe ich einen guten Job gemacht, habe mich gut präsentiert. Deshalb gehe ich davon aus, dass es demnächst klappt.“ Und die Arbeitslosigkeit nicht zum Dauerzustand wird.

Boyamba wurde beim FC Schalke 04 ausgebildet

Boyamba, der auch am Dortmunder Profi-Training teilnehmen durfte, ist aus guten Gründen optimistisch. In der Tat hat er seine sportlichen Hausaufgaben zufriedenstellend erledigt, laborierte an keinerlei ernsthaften Verletzungen, konnte also konsequent mitwirken. Dass der beim FC Schalke 04 ausgebildete Stürmer einen passenden Arbeitgeber finden wird, ist deshalb einigermaßen wahrscheinlich. Doch freilich: Die Suche danach gestaltet sich in diesem Sommer komplizierter als üblich.

Joseph Boyamba wurde beim FC Schalke 04 ausgebildet.

Joseph Boyamba wurde beim FC Schalke 04 ausgebildet. © imago / Beautiful Sports

„Viele Mannschaften sind wegen der Corona-Krise sorgfältiger und etwas langsamer auf dem Transfermarkt unterwegs“, sagt Boyamba. Die Klubs hätten schließlich weniger Einnahmen generiert, könnten sich nicht die großen Sprünge leisten. „Ich bin da quasi der Idealfall“, meint er. „Ich bin ablösefrei, durfte zuletzt spielen und bin fit.“ Er kenne ablösefreie Kollegen, bei denen die Sachlage diffiziler sei. Und die Perspektive somit schlechter. „Es gibt Spieler, die besser wegkommen als andere“, fasst Boyamba zusammen. Er selbst sieht sich in einer guten Position - und hat konkrete Vorstellungen von seinem neuen Verein.

Boyamba will „nicht die zweite Geige spielen“

Er wolle zu einem Klub, „wo ich gebraucht werde. Die zweite Geige will ich nicht spielen“, bekräftigt Boyamba, dem darüber hinaus wichtig ist, dass seine Spielweise zum Stil des Klubs passt. Mit 1,72 Metern Körpergröße kann der Angreifer nicht in aller Regelmäßigkeit zum erfolgreichen Kopfball hochsteigen. Boyamba mag das flache, schnelle, ballfixierte Spiel. Mit seinem starken linken Fuß und seinen flinken Schritten ist er vor allem für die rechte Flanke qualifiziert.

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Aktuell paukt der Angreifer mit einem Stürmertrainer, hat außerdem Athletikeinheiten auf dem Stundenplan. Er wolle gut „im Saft“ stehen, „wenn ich einen Vertrag unterschrieben habe“, betont Boyamba. Seinen Traum vom Profifußball möchte er sich jetzt erfüllen und beim neuen Arbeitgeber sogleich als veritable Alternative gelten. Bis dahin heißt es: abwarten. Hochgeschwindigkeitsfußballer Boyamba befindet sich im Standby-Modus. Er harrt der Dinge, wartet auf seine Chance.

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