"Eine völlig neue Welt"

Bender im Interview

MARBELLA Sven Bender verkörpert den Idealtyp des modernen Abräumers vor der Abwehr. Den Sprung aus der 2. Liga schaffte der 20-Jährige von 1860 München in Rekordzeit. Auch ihn verblüffte die rasante Entwicklung, wie er im Interview verriet.

von Von Dirk Krampe

, 05.01.2010, 20:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ja, damit habe ich so sicherlich nicht gerechnet. Ich bin ja nicht nach Dortmund gekommen, um direkt im ersten Jahr möglichst viele Spiele von Anfang an zu machen. Das war nicht mein Ziel. Mein Ziel war es zu lernen. Ich bin ja in eine komplett neue Welt gekommen.

In der ersten Liga herrscht eine ganz andere Klasse, der Fußball ist schneller, präziser, technisch stärker. Ich musste mich daran gewöhnen. Mein Spiel ist auch jetzt noch ausbau- und entwicklungsfähig.

Natürlich ist die Konkurrenz enorm. Aber ich habe mir gesagt, dass ich hier richtig viel lernen kann. Wenn ich mich hier durchsetze, dann bringt mich das enorm weiter. Außerdem ist der BVB eine Top-Adresse.

Natürlich spielten auch ihre Argumente eine Rolle. Mir war bewusst, dass in Dortmund ein Trainer ist, der auf junge Talente baut und auf sie setzt.

Es war am Anfang nicht einfach. Wir kannten es vorher nicht, lange von einander getrennt zu sein. Für mich persönlich war es der richtige Schritt, weil ich durch den Wechsel aus Lars‘ Schatten getreten bin.

Früher hieß es oft, die Benders waren schlecht oder die Benders waren gut. Da wurde nicht differenziert. Jetzt sind wir alleine für uns verantwortlich

Natürlich, vor allem auch außerhalb. Es ist relativ schwierig, als 20-Jähriger mit einem 30-Jährigen privat etwas zu unternehmen. Wenn man viele junge Spieler um sich herum hat, sieht man sich nicht nur beim Training, sondern macht auch mal etwas gemeinsam.

Der Vergleich ehrt mich, aber das müssen Sie entscheiden. Ich denke, dass wir zwei verschiedene Spieler sind. Wenn ich das erreichen sollte, was Sebastian schon erreicht hat, dann könnte ich sehr zufrieden sein.

Ich habe generell immer zu den Bundesliga-Stars aufgeschaut. Da wo sie waren, wollte ich auch einmal hinkommen.

Wenn man von jedem gewisse Teile herausnimmt, hat man den perfekten Spieler. Diesen Level zu erreichen ist natürlich schwierig. Aber ich denke, dass man sich seine Ziele hoch stecken sollte. In Dortmund habe ich Sebastian Kehl oder auch Nuri Sahin, an denen ich mich orientieren und hochziehen kann.

Nuri und ich haben uns von Beginn an gut verstanden. Er hat mir im Spiel sehr geholfen und mir vieles erleichtert. Ich halte ihm den Rücken frei, damit er seine technischen Qualitäten zum Tragen bringen kann.

Ich werde immer darauf hingewiesen, aber ich zähle nicht selbst mit. Wobei ich natürlich nichts dagegen hätte, wenn die Serie noch ein wenig halten würde.

Nein, das mache ich nicht. Ich freue mich darauf, wenn er wieder da ist. Ich kann mir im Training viel von ihm abgucken.

Er strahlt große Ruhe und Sicherheit aus. In diesem Punkt kann ich mir sicherlich noch einiges von ihm abgucken.

Gute Frage (lacht). Ich kenne meine gar nicht. Hatten Sie den Eindruck, ich laufe zu wenig?

Ich bin auch jemand, der von sich aus genug macht. Da brauche ich keine Auswertungen als Motivationshilfe.

Wenn man die Punkte hochrechnet: Wo kann der BVB am Saisonende landen? Sven Bender: Mal schauen. Wir stellen da keine großen Rechnungen an. Es kommt darauf an, wie wir spielen. So einfach ist das. Dennoch können Sie die Tabelle lesen…Sven Bender: Na klar, aber als ich in die Bundesliga kam, war mein Ziel, möglichst viele Spiele zu machen. Da habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht, was wir als Verein erreichen können. Und so will ich auch weiter verfahren.Ihr Trainer Jürgen Klopp hat verraten, dass die Mannschaft sich zum Ziel gesetzt hatte, Meister der letzten neun Hinrundenspiele zu werden. War das ein psychologischer Kniff von ihm?Sven Bender: Auf jeden Fall. Das war ein kleines Ziel für uns, eins, dass wir vor uns sehen konnten.Das Startprogramm in der Rückrunde hat es in sich. Blicken wir mal voraus…Sven Bender: Sicher haben wir ein schweres Programm gleich zu Beginn. Aber in der Bundesliga darf man keinen Gegner unterschätzen. Das habe ich gelernt.Der BVB hat gerade gegen spielstarke Teams wie Leverkusen oder Bremen immer gut ausgesehen. Ist das eine besondere Qualität?Sven Bender: Nach den ersten nicht so guten Spielen haben wir uns vorgenommen, kompakter zu stehen. Das ist uns gerade in diesen Spielen gut gelungen. Wir haben wenig zugelassen, und sogar selbst Chancen kreiert.Sie haben in beiden Systemen überzeugt. Wie groß sind die Unterschiede zwischen der Raute und dem jetzigen mit einer Doppel-Sechs?Sven Bender: Als Spieler musst du dich auf beide einstellen können. Ich wollte spielen, also habe ich die Herausforderung angenommen. Jeder hat seine Vorlieben, das ist klar, aber das Wichtigste bleibt die Mannschaft und der Teamerfolg.

Lesen Sie jetzt