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BVB oder FC Bayern? Die Borussia vom Niederrhein oder die Eintracht aus Frankfurt? Was spricht für die Kontrahenten im heißesten Liga-Finale seit Jahren? Wir haben vier Experten gefragt.

Dortmund

, 16.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund und der FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt. Auf diese beiden Duelle schaut ganz Fußball-Deutschland am kommenden Samstag. Denn im heißesten Liga-Finale seit zehn Jahren geht es für alle vier Teams um viel: Die Bayern und der BVB liefern sich ein Fern-Duell um die Meister-Schale, Frankfurt und Gladbach wollen nächste Saison in der Champions League spielen. Wir lassen vor dem letzten Bundesliga-Spieltag vier Experten auf die Situation bei ihrem jeweiligen Klub blicken.


Borussia Mönchengladbach

Der Europapokal ist fix - der längere Atem zählt
von Karsten Kellermann

Wer in der 83. Minute des Spiels gegen Hoffenheim vor gut zwei Wochen auf Borussia Mönchengladbach gesetzt hätte im Kampf um die Champions League, der wäre belächelt worden. 1:2 stand es, Gladbach schien alles zu verspielen. Dann traf Josip Drmic in der 84. Minute zum 2:2. Seitdem ist die Welt der Gladbacher eine andere. Nun gehen sie in der Pole Position in ihr Finale um die Königsklasse.

Karsten Kellermann schreibt für die Rheinische Post über Borussia Mönchengladbach.

Es ist eine ins Extreme gesteigerte Konstellation: Lucien Favre, der in Gladbach einst für eine Zeitenwende sorgte und aus einem Fast-Absteiger einen Champions-League-Teilnehmer formte, kehrt erstmals seit seinem Abgang im September 2015 in offizieller Mission zurück. Und nun wollen die Borussen auf Favres Kosten nach 2015 und 2016 wieder einziehen in die Meisterliga – dazu müssen sie wohl dem Ex-Trainer die Meister-Tour vermasseln.

Was spricht für Gladbach? Statistisch wenig. Sieben Heimspiele am Stück ohne Sieg, gegen den BVB gab es zuletzt sieben Niederlagen. Und dann ist da Rückkehrer Marco Reus: Sieben Mal traf der frühere Gladbach-Held gegen die niederrheinische Borussia in zehn Spielen.

Doch die Borussen haben gezeigt, dass sie da sein können, wenn es darauf ankommt: Drmic‘ Tor gegen Hoffenheim folgte ein 4:0 in Nürnberg, mit dem die Gladbacher Europa fix machten. Nun können sie ohne Druck aufspielen. Sie haben den Widrigkeiten der Rückrunde getrotzt und nachgewiesen, dass sie einen langen Atem haben. Und sie haben den scheidenden Trainer Dieter Hecking, der Finalspiele gegen Dortmund kann. Siehe das Pokalendspiel von 2015.


Borussia Dortmund

Frei von Druck und Angst: Der BVB hat nichts zu verlieren

von Sascha Klaverkamp

Warum der BVB in Gladbach gewinnt? Weil das ansonsten zu dieser so verrückten Spielzeit gar nicht passen würde. Gefühlt war doch der BVB schon im Herbst der Champion. Jeder hatte sich schwer verknallt in diese unbekümmert drauflos dribbelnden Dauergewinner.

Sascha Klaverkamp ist Sportchef bei Lensing Media und berichtet über den BVB.

Diese Geschichte war einfach viel zu gut, als dass sie sich ein Drehbuchschreiber-Hirn hätte ausdenken können: In der Vorsaison mit Ach und Krach zum Königsklassen-Ticket geduselt, nicht selten einschläfernden, nur fußballähnlichen Sport geboten – und nun plötzlich das krasse Gegenteil. Leichtfüßig, mutig, torhungrig. Lucien Favre hatte ein Feinkost-Ensemble geformt und die Bayern abgehängt wie einen lästigen, alten, rostigen Waggon vom Expresszug.

Dann kam der Winter – und in die Knochen der Dortmunder kroch die kalte Angst. Die Angst, plötzlich etwas verlieren zu können. Die Bayern holten auf, der BVB stolperte, weg waren sie, Souveränität und Unbekümmertheit. Und weg war Tabellenplatz eins. Favre hisste die weiße Flagge, zog sie aber flugs wieder herunter, denn auch die Bayern patzten. Spannung pur. Nägelkau-Garantie. Gefühls-Achterbahn.

Der BVB hat nun in diesen finalen 90 Minuten in Gladbach nix zu verlieren. Genauso wie zu Saisonbeginn. Also, Dortmunder Borussen: Einfach drauflosstürmen, das Herz einschalten und das Fußballspielen genießen. Frei von Absturzangst oder dem lähmenden Druck, diese verdammte Schale nun unbedingt holen zu müssen. Und danach? Feiern im schwarzgelben Partyland. Hat doch schon häufig so geklappt, ist gar nicht lange her.


FC Bayern München

Abschieds-Szenen: Endlich ein „Finale dahoam“

von Patrick Strasser

„Das Leben schreibt die schönsten Geschichten“, sagte Niko Kovac letztes Wochenende und blickte voraus auf den letzten Spieltag: „Ich darf gegen meinen alten Klub spielen.“ Bei dieser Aussage gingen die Mundwinkel nach oben.

Journalist und Autor Patrick Strasser glaubt an den FC Bayern München.

Wiedersehensfreude? Auf das Treffen mit einem Verein, bei dem ihm uneingeschränkt Sympathie und Anerkennung entgegenbracht wurden. Mit einer Mannschaft, mit der er im Mai 2018 den DFB-Pokal gewann – gegen den FC Bayern, seinen heutigen Arbeitgeber. Damals hatte man den Münchnern das Double und damit den Saisonausklang verdorben. Das wollen die Bayern verhindern: nicht noch einmal die Eintracht! Ein Stein im Motivationspuzzle, wenn es überhaupt Extra-Anreize braucht.

Daneben gibt es zwei Parameter, die für die Bayern sprechen: Die Teamkollegen wollen den scheidenden Altstars Arjen Robben, Franck Ribéry und Rafinha – allesamt Einwechselkandidaten – einen würdigen Abschied samt Meisterschale bescheren. Plus: Nach zwölf auswärts gewonnenen Meisterschaften hat man endlich ein „Finale dahoam“. Und diesmal soll es, anders als im Champions-League-Endspiel 2012 gegen den FC Chelsea, kein tragisches Ende nehmen.

Es winkt erstmals seit 2000 eine echt spontane Titel-Party. Damals verballackte Leverkusen mit Trainer Christoph Daum den Titel am letzten Spieltag sensationell mit 0:2 bei Underdog Unterhaching. Im Olympiastadion feierten Ottmar Hitzfeld & Co. ein lockeres 3:1 gegen Bremen.

„Die Stimmung wird außerordentlich gut sein“, hofft Kovac. Im Endspiel geht es auch um seinen Job. Meistercoach, womöglich Double-Sieger – und dann gefeuert? Nicht ausgeschlossen.



Eintracht Frankfurt

Gute Endspiel-Erfahrung: Nichts leichter als das

von Thomas Kilchenstein

Die Bayern schlagen? In einem Endspiel? Nichts leichter als das für Eintracht Frankfurt. Kriegt ja streng genommen auch jede rüstige Großmutter hin, einfach den Ball ins Tor schießen, steht ja manchmal gar keiner drin. Gut, man sollte gut zu Fuß sein. Und schnell, ist zuweilen ein weiter Weg, und man ist ganz allein, nur viel grüne Wiese vor einem.

Thomas Kilchenstein (Frankfurter Rundschau) erinnert and das Pokalendspiel 2018 (3:1 für Frankfurt).

Frag mal nach bei Mijat Gacinovic: Wie war das damals, Herr Gacinovic, als Sie die Bayern schlugen? „Wahnsinn. Erst sollte es Elfmeter geben, dann nicht, dann kam der Ball zu mir und ich laufe los. Ich bin direkt auf unsere Fans zugesprintet, unsere Bank ist aufgesprungen, schon aufs Feld gerannt. Ich habe gewusst, dass ich fünf, vielleicht sogar zehn Meter Vorsprung vor Mats Hummels hatte, deshalb war mir das Risiko zu groß, von größerer Entfernung zu schießen – besser aus 16 Metern als von der Mittellinie. Und dann war der Ball drin. Das war definitiv der beste Moment meiner Karriere.“

Dazu muss man Folgendes kurz erwähnen: Mijat Gacinovic, 24, ist der freundlichste, aber auch torungefährlichste offensive Mittelfeldspieler der Bundesliga. Seine Bilanz in dieser Saison: 28 Spiele, null Tore, zwei Vorlagen. „Alle treffen, nur ich nicht“, hat er unlängst geklagt.

Inzwischen hat der schmächtige Serbe eine veritable Phobie gegen das Toreschießen entwickelt: Nähert er sich dem Eckigen, hält er fieberhaft-hektisch Ausschau nach Mitspielern, gerne auch deutlich schlechter postierten, die er anspielen kann, nur um nicht selbst abschließen zu müssen.

Und wenn dem schüchternen Mijat am Samstag der Fuß zittert? Dann aktiviert die Eintracht wieder Plan B: „Bruda, schlag den Ball lang.“ Ante Rebic is waiting.

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