Ein echter Teamplayer: Thorgan Hazard hilft beim BVB, wo er kann

dzBorussia Dortmund

Vielseitig und flexibel: Einen Spieler wie Thorgan Hazard lieben die Trainer. Gegen Duisburg überzeugt er als linker BVB-Außenverteidiger. Defensiv muss der Belgier aber noch dazulernen.

Dortmund

, 16.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als die Brüder Hazard noch daheim im eigenen Garten den Ball über den Rasen traten, musste Thorgan (Jahrgang 1993) ins Tor gehen, wenn der ältere Bruder Eden (Jahrgang 1991) schießen wollte. Er stellte sich so lange klaglos zwischen die Pfosten, bis der dritte Bruder Kylian (Jahrgang 1995) alt genug dazu war. Ein Egoist ist dieser Thorgan Hazard, der in seine zweite Saison bei Borussia Dortmund geht, nun wahrlich nicht. Ihn als Torwart aufzubieten, käme dem Trainerteam des BVB wohl nicht in den Sinn. Aber wenn der Belgier als Schienenspieler auf der linken Bahn Meter machen soll, dann stimmt er zu.

Hazard agiert zwischen BVB-Dreierkette und den Stürmern

„Der Trainer hat mich gefragt, ob ich diese Position spielen kann. Ich habe gesagt, das sei kein Problem, da habe ich auch in der Nationalmannschaft schon gespielt“, erzählte Hazard am Dienstagmittag nach dem 5:0 im DFB-Pokal beim MSV Duisburg. Dort agierte er links im Mittelfeld zwischen Dreierkette und den Stürmern, mit viel Platz auf dem Flügel und starken Aktionen als Schütze eines herrlichen Freistoßtores („Ich trainiere das nicht oft, aber ich kann das. In Duisburg hatte ich ein gutes Gefühl, dass der Ball reingeht.“) und als Vorlagengeber für den Treffer von Jude Bellingham.

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BVB-Spieler Hazard: "Jude Bellingham ist überall"

In der Offensive kann der 27-Jährige Nationalspieler, diese Erkenntnis ist nicht neu, sehr effektiv seine Vorzüge einsetzen: Tempo, Technik, Abschluss. „Bei eigenem Ballbesitz“, sagte er selbst zu seiner Rolle als linke Option, „geht es um Kombinationen, das fällt mir leicht.“ Wenn er an der Seitenlinie entlang einen Vorstoß wagt oder in die Mitte zieht, um mit rechts einen scharfen Pass in die Tiefe zu spielen, macht ihn das schwer ausrechenbar. Gegen tief stehende Gegner kann das eine zusätzliche Waffe sein.

Hazard über das 5:0 des BVB in Duisburg: „Gut für den Kopf“

Als nomineller Linksverteidiger - diese Rolle musste er de facto beim überlegen geführten Spiel in Duisburg selten ausfüllen - steht er allerdings auch in der Verpflichtung, noch hartnäckiger defensiv zu arbeiten. „Gegen den Ball ändert sich viel, da muss ich mehr verteidigen“, sagt Hazard. Diese Aufgabe bringt ihn in ungewohnte Situationen, wie etwa kurz nach der Pause, als die Duisburger nach einer BVB-Ecke schnell konterten und Hazard als letzte Absicherung den Zweikampf mit Ahmet Engin nicht verlieren durfte. Ein kleiner Körpereinsatz, mit Gelb bestraft, löste die knifflige Situation auf hölzerne Weise. Da war zu sehen, dass ihm die Schulung als Defensivspieler fehlt. Im überlegen geführten Spiel gegen den MSV kam das weniger zum Tragen. In einem Bundesliga-Spiel etwa gegen Borussia Mönchengladbach am Wochenende lägen die Anforderungen um Klassen höher.

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Längst geht es um mehr als darum, Hazard als linke Option in der Hinterhand zu halten. „Auf dieser Position spielen ja sonst Raphael Guerreiro und Nico Schulz.“ Doch Guerreiro (Zerrung) ist angeschlagen, und Nico Schulz steckt nach Wadenproblemen noch im Aufbautraining. Leistungsmäßig muss Hazard den Konkurrenzkampf weder mit Schulz scheuen noch mit dem lange verletzten Marcel Schmelzer oder den anderen Ersatzkandidaten wie Marius Wolf oder Felix Passlack. Aus der Behelfslösung könnte ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis als Linksverteidiger werden. „Am Montag hat das gut funktioniert“, sagte Hazard. „Das 5:0 ist gut für den Kopf. Das gibt uns direkt ein gutes Gefühl.“

BVB-Trainer Favre schätzt Hazard auch wegen seiner Vielseitigkeit

Auch ihm und seinem Trainer Lucien Favre. Der schätzt den wenig spektakulären, aber umso verlässlicheren Belgier (sieben Tore, 13 Vorlagen in seiner ersten BVB-Saison) auch wegen seiner Vielseitigkeit. Sollte sich auf dem linken Flügel erneut eine Vakanz auftun, wäre Teamplayer Hazard auf jeden Fall gesprächsbereit. „Für mich ist das kein Problem. Mir ist wichtig, dass ich spiele, und wenn ich so der Mannschaft helfen kann, dann mache ich das gerne.“ Ob großer Bruder oder Trainer, Garten oder große Bühne: Hazard hilft, wo er kann.

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