Die Taktikanalyse: So kann der BVB den FC Bayern im Topspiel knacken

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Dortmund im Aufwind, die Bayern in der Krise - ungewohnte Voraussetzungen vor dem Bundesliga-Topspiel. Für den BVB könnte der Münchner Trainerwechsel zum Problem werden. Unsere Taktikanalyse.

von Tobias Escher

Dortmund

, 08.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der taktischen Vorbereitung auf ein Spiel gibt es kaum Schlimmeres als einen Trainerwechsel beim Gegner. Das Videomaterial der vergangenen Wochen eignet sich plötzlich nicht mehr für die Analyse. Dieses Problem plagt Borussia Dortmunds Trainerteam vor dem Spitzenspiel gegen Bayern München am Samstagabend (18.30 Uhr). Sie können höchstens erahnen, was der neue Bayern-Trainer Hansi Flick plant.

Das erste Spiel unter dem neuen Coach taugte nur bedingt als Analysematerial: Nach nur einem Trainingstag haben die Bayern beim 2:0-Sieg gegen Olympiakos Piräus da weitergemacht, wo sie unter dem entlassenen Niko Kovac aufgehört hatten. Sie setzten auf ein 4-2-3-1-System, das auf Ballbesitz und Angriffe über die Flügel setzte. Immer wieder versuchten die Bayern, die Außenstürmer Serge Gnabry und Kingsley Coman in Stellung zu bringen. Nur selten sorgten ihre Flanken für Torgefahr gegen die äußerst defensiv eingestellten Griechen.

BVB unter Favre erst passiv, dann mit Pressing

Wird Flick auch gegen den BVB an dieser Herangehensweise festhalten? Falls ja, erwartet die Dortmunder ein zäher Gegner. Flick setzt den Hebel vor allem bei der defensiven Stabilität an: Die Außenverteidiger Alphonso Davies und Benjamin Pavard agierten enorm tief. Sie schalten sich nur selten in die Offensive ein. Auch Sechser Joshua Kimmich hielt sich in der Champions League lange Zeit zurück. Fünf Spieler, die primär Konter absicherten: Die Bayern wollten endlich mal wieder zu Null spielen. Das war ihnen seit September nicht gelungen. Doch es bleibt die Frage: Werden sie das Spitzenspiel ähnlich angehen?

Die Taktikanalyse: So kann der BVB den FC Bayern im Topspiel knacken

Wie werden die Bayern im Topspiel wirklich auftreten? Das weiß nur Hansi Flick. © dpa

Auch Borussia Dortmund ist dieser Tage nicht leicht zu entschlüsseln. Im Oktober hat der BVB eine Phase durchgemacht, in der man über mehrere Partien hinweg recht passiv agiert. Trainer Lucien Favre forderte von seinem Team Kompaktheit in einem eher passiven 4-4-1-1-System. Den Zugriff suchte Dortmund erst in der eigenen Hälfte. Würden sie so auch gegen die Bayern antreten, entstünde das klassische Spiel: Die Bayern lassen den Ball laufen, Dortmund fokussiert sich auf Konter.

Den Bayern mangelt es an Tiefe im letzten Drittel

Doch gegen den VfL Wolfsburg (3:0) und Inter Mailand (3:2) zeigte sich der BVB von einer anderen Seite. Favre stellte seine Mannschaft offensiver ein. Vor allem im Pressing rücken die Dortmunder weiter vor, situativ spielen sie sogar ein Angriffspressing weit in der gegnerischen Hälfte. Gegen Inter schoben sie massiv auf die Ballseite, um Überzahl herzustellen und den Gegner unter Druck zu setzen.

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Ob das auch gegen die Bayern eine Option ist? Auszuschließen ist es nicht. Die Bayern mögen in einer Krise sein. Ihnen mangelt es vor allem an Tiefe im letzten Drittel - dem Spiel fehlt die Struktur, sodass die Spitze häufig unbesetzt bleibt. So plätschert die Partie vor sich hin. Aber eins können die Bayern eben noch: Über die Innenverteidiger den Spielaufbau abbrechen und auf den anderen Flügel verlagern. Immer und immer wieder.

Der BVB will die Lücken in der Bayern-Abwehr ausnutzen

Eine Möglichkeit, diesen Spielfluss zu unterbrechen, könnte das Attackieren der Außenverteidiger sein. Dortmund lenkt den Gegner unter Favre zwar eigentlich gerne ins Zentrum - er hat aber in der Vergangenheit schon Varianten angewandt, in denen die gegnerischen Außenverteidiger angelaufen wurden. Auf diesen Positionen sind die Bayern anfällig, sollte Flick David Alaba und Kimmich erneut im Zentrum aufbieten.

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Offensiv dürften für den BVB eher andere Räume interessant sein. Den Bayern mangelt es an Kompaktheit zwischen den Mannschaftsteilen. Gerade im Raum vor der Abwehr klafft häufig eine große Lücke. Flick dürfte bestrebt sein, diese Lücke zu schließen - und Favre dürfte sie ausnutzen wollen.

Setzt Favre erneut auf die falsche Neun?

Es wäre keine Überraschung, wenn der BVB mit einer falschen Neun beginnt: Mario Götze oder Julian Brandt könnte sich zurückfallen lassen in eben diesen Raum. Sollte Marco Reus nicht einsatzbereit sein, wäre sogar ein Doppel-Sturm aus Götze und Brandt möglich. Sie würden aus dem Zehnerraum Flügeldribbler Jadon Sancho, dessen Einsatz allerdings ebenso fraglich ist, oder die aufrückenden Außenverteidiger einsetzen. Wie die Bayern wirklich auftreten? Das weiß nur Flick. Und das dürfte vor allem Dortmunds Videoanalysten ärgern.

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