Mit dem 1:0 in Leipzig dämpft der BVB die Bayern-Hoffnungen auf eine schnell erfolgreiche Aufholjagd. Dass Dortmund ein ernsthafter Titelkandidat ist, mag ohnehin nur der BVB selbst nicht zugeben.

Leipzig

, 20.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie groß die Unsicherheit in seinem Innern war, davon gab Lucien Favre nach dem 1:0 in Leipzig natürlich nicht allzu viel preis. Sie ließ sich allerdings ein Stück weit ablesen am Grad der Erleichterung. Und die spiegelte sich nicht nur im Gesicht des Dortmunder Trainers wider.

Das war auch bei den Spielern nicht anders. Nach dem Erfolg fehlte einigen schlichtweg die Kraft zum Jubeln, die Freude wurde überlagert von großer Erschöpfung. Leipzig gegen Dortmund, da war eine Menge drin, da mussten beide bis an ihre Grenzen gehen. In der Statistik las sich das dann so: Der BVB musste 254 Sprints anziehen, zwei weniger als die Gastgeber, 510 „schnelle Läufe“ zählten die Wächter über die Zahlen für die Borussia. Von den 275 (!) geführten Zweikämpfen verlor Dortmund etwas mehr als die Hälfte (143), verteidigte am Ende aber 16 Leipziger Flanken erfolgreich.

Äußerst ungünstige Umstände

Es war also ein intensiver Abtausch - für Borussia Dortmund ist der Wert des Auswärtserfolges aber noch viel größer als die drei Punkte, die es dafür gab. Dortmund wehrte den ersten Angriff der Bayern im Fernduell ab, die Borussia gewann trotz äußerst ungünstiger Umstände, die die Reise nach Sachsen begleitet hatten.

Ohne Marco Reus, ohne drei nicht einsatzfähige Innenverteidiger - der Substanzverlust vor dem Rückrundenstart war trotz des Dortmunder XXL-Kaders schon beachtlich. Wie sich die Mannschaft dann diesen Umständen stellte, war ebenso bemerkenswert wie nicht unbedingt so zu erwarten.

Leugnen ist zwecklos

So wie der BVB am Freitag das Spiel des Rekordmeisters aus München geschaut hat (und sich geärgert haben dürfte, dass es keinen Ausrutscher gab), so dürfte der Rekordmeister am Samstagabend enttäuscht den Ausschaltknopf auf der Fernbedienung gedrückt haben. Den ersten Angriff der Verfolger-Bayern hat Borussia Dortmund gekontert - mit einigem Glück zwar, denn Leipzig konnte aus 14 Torschüssen kein Kapital schlagen. Aber davon spricht spätestens am Montag niemand mehr.

Eher wird das Thema wieder aufkochen, dass jemand, der so ein schweres Auswärtsspiel für sich entscheiden kann, ein ernstzunehmender Kandidat für die Meisterschaft ist. Das ist allerdings seit einigen Wochen schon kein Thema mehr, über das kontrovers diskutiert wird und wird ohnehin nur von den BVB-Verantwortlichen selbst bestritten. Doch wenn die Mannschaft mit dieser Moral weiterspielt, wird der Zeitpunkt kommen, wo Leugnen zwecklos ist.

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