Taktikanalyse: So kann der BVB die Defensivspezialisten von Inter Mailand knacken

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Der BVB kann gegen Inter Mailand einen großen Schritt Richtung Achtelfinale der Champions League machen. Einfach wird das nicht: Antonio Conte hat die Defensive des Traditionsklubs verbessert.

von Tobias Escher

Dortmund

, 23.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Antonio Conte ließ sich entschuldigen. Nach Inters knappem 4:3-Erfolg bei Sassuolo Calcio schwänzte er die Pressekonferenz, eine Erkältung habe sich auf seine Stimme gelegt.

Es ist aber genauso gut möglich, dass Conte einfach zu aufgebracht war nach der Leistung seiner Mannschaft. Drei Gegentore in einem Spiel, trotz zwischenzeitlicher Drei-Tore-Führung: Das konnte einem Defensivfuchs wie Conte nicht gefallen.

Inter kassiert nur vier Gegentore in den ersten sieben Spielen

Dabei war es bislang doch gerade die Defensive, die unter Conte so überzeugte. Seit Sommer trainiert Conte den Traditionsklub. Sieben der zehn Pflichtspiele konnte Inter gewinnen, nur gegen die Weltklasse-Klubs Barcelona und Juventus gab es knappe 1:2-Niederlagen. Vor dem Ausrutscher in Sassuolo kassierte Inter in sieben Liga-Partien gerade einmal vier Gegentore.

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Conte hat viel bewegt bei einem Klub, der seit dem Champions-League-Triumph 2010 international in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist. Auf Borussia Dortmund wartet am Mittwochabend (21 Uhr) eine unangenehme Aufgabe: Sie müssen Inters enge Defensivreihen knacken und zugleich die sehr bewegliche Offensive der Mailänder in Schach halten.

Antonio Conte favorisiert das 5-3-2-System

Schon zu seinen Zeiten bei Juventus (drei Meistertitel) und Chelsea (ein Meistertitel sowie ein Pokalsieg) favorisierte Conte die 5-3-2-Formation. Auch in Mailand setzt er auf diese Variante.

Der 50-Jährige fordert von seinen Spielern, dass sie gegen den Ball in einer Raumdeckung verharren. Contes Teams bestechen mit einer hohen Kompaktheit in der eigenen Hälfte, können situativ, aber auch weit in des Gegners Hälfte aggressiv stören.

Bei Ballbesitz wird das 5-3-2 zu einem offensiven 3-1-2-4. Die Außenverteidiger rücken enorm weit nach vorne, meist bis an die gegnerische Abwehrkette. Der Spielaufbau soll über den tiefen Sechser Marcelo Brozovic erfolgen. Der 44-fache kroatische Nationalspieler schlägt wiederum Pässe auf die Außenverteidiger oder die beiden Stürmer.

Lukaku und Martinez ergänzen sich perfekt

Im Sturm fehlt Superstar Alexis Sanchez (ausgeliehen von Manchester United) verletzt. Das schadet dem Angriffspiel aber kaum: Der ebenfalls von United verpflichtete Romelu Lukaku und Lautaro Martinez, an dem auch der BVB mal Interesse zeigte, ergänzen sich perfekt. Lukaku agiert als zentraler Ballhalter und Strafraumstürmer, Martinez wuselt als leichtfüßiger Dribbler um ihn herum.

Taktikanalyse: So kann der BVB die Defensivspezialisten von Inter Mailand knacken

Ergänzen sich perfekt: Romelu Lukaku (r.) und Lautaro Martinez. © dpa

Bemerkbar macht sich hingegen der Ausfall von Stefano Sensi (ausgeliehen von Sassuolo). Der Achter brillierte in den ersten Wochen der Saison als Spielgestalter aus der Tiefe, bot sich jedoch auch immer wieder hinter den beiden Spitzen an. Die Besetzung des Zehnerraums geht Inters Spiel ohne Sensi etwas abhanden.

Der Ausfall von Stefano Sensi schmerzt Inter Mailand

Borussia Dortmund kann aber nicht nur aufgrund Sensis Verletzung mit Zuversicht in die Partie gehen. Die Ausgangslage spricht für den BVB: Während Dortmund nach zwei Champions-League-Spielen mit vier Punkten gut dasteht, konnte Inter nur einen Punkt sammeln. Sie benötigen in den beiden Spielen gegen den BVB mindestens einen Sieg, um die Chance auf das Champions-League-Achtelfinale zu wahren.

Gut möglich also, dass Inter die Partie gegen den BVB offensiv angeht. In diesem Fall dürfte der BVB auf Kompaktheit und Konterstärke setzen. Lucien Favre dürfte sein Team in seiner favorisierten 4-4-2-Formation verteidigen lassen, das Mittelfeld dürfte gegen Brozovic und seine Kollegen etwas weiter vorrücken als zuletzt beim 1:0-Sieg gegen Mönchengladbach.

Ein perfektes Spiel für BVB-Tempodribbler Jadon Sancho

Gleichzeitig bietet sich für den BVB die Chance, im Umschaltmoment über die Flügel anzugreifen. Hier ist Inter aufgrund der offensiven Rolle der Außenverteidiger verwundbar. Daher ist zu erwarten, dass Tempodribbler Jadon Sancho nach seiner Suspendierung direkt in die Startelf zurückkehrt.

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Der BVB sollte jedoch nicht den Fehler begehen, zu passiv zu agieren. Inter beherrscht es, aus dem Spielaufbau heraus über die Flügel oder direkte Zuspiele auf den Zweier-Sturm Chancen zu kreieren. Vor allem Lukaku bringt viel Wucht in das Offensivspiel, er bewegt sich intelligent und ist somit fast immer anspielbereit für das Mittelfeld.

Conte ist ein italienischer Defensivpapst

In Rückstand geraten sollte der BVB nicht: Bei einem Conte-Team ist immer damit zu rechnen, dass sie sich nach einer Führung am eigenen Strafraum verbarrikadieren. Der Inter-Trainer ist eben ein echter italienischer Defensivpapst.

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