Der ambitionierten Kampagne des BVB droht das frühe Scheitern

dzKommentar

Borussia Dortmund ist mit ambitionierten Zielen in die Saison 19/20 gestartet. Doch schon im Herbst droht die Kampagne zu scheitern. Die BVB-Profis brauchen eine deftige Ansage.

Gelsenkirchen

, 27.10.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit „jeder Faser“, so hatte es Sportdirektor Michael Zorc vorab öffentlich gefordert, wolle er das Dortmunder Team im Derby kämpfen sehen. Nach dem 0:0 auf Schalke muss man bilanzieren, dass die Borussen ihren Sportchef kaum zufriedenstellten konnten.

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Defensiv wehrte sich der BVB, hielt körperlich anständig dagegen, vor allem Mats Hummels agierte in dieser Hinsicht vorbildlich. Hummels, Delaney, Witsel, Weigl, Guerreiro, Piszczek - alle Dortmunder Defensivakteure wiesen letztlich eine positive Zweikampfbilanz auf. Den Schneid abkaufen ließen sich die Borussen auf Schalke also nicht. Auf der anderen Seite ließ Dortmund sich auf dem Weg nach vorn zu leicht abkochen.

Reus ist abgemeldet, Sancho wacht zu spät auf

Eine kompromisslose Gangart der bissig in die Duelle gehenden Schalker stoppte die Borussia allzu leicht. Wie schon gegen Inter Mailand drei Tage zuvor war es auch gegen den Revierrivalen schlicht enttäuschend, wie wenig Durchschlagskraft Lucien Favres Truppe entwickelt, wenn ihr ein Gegner wie Schalke unbequem begegnet. Erneut mangelte es an brauchbaren Zuspielen in die Spitze, erneut brachte der BVB sein Tempospiel überhaupt nicht in Fahrt, seine Angriffe kaum hinter die Abwehrkette der Schalker.

Auch die Rückkehr von Marco Reus konnte Dortmund nicht beflügeln, der Kapitän wusste das Derby nicht an sich zu reißen, er war phasenweise sogar abgemeldet. Einzig Jadon Sancho suchte in der Schlussphase, als die Schalker Kräfte nachließen, mehrfach den Torabschluss, von den übrigen Borussen kam in dieser Hinsicht so gut wie nichts. Wie schon gegen Mailand war das Problem offensichtlich: Wer nicht aufs Tor schießt, kann nicht gewinnen.

Spielerische Qualität des BVB kommt nicht zur Entfaltung

Dortmunds spielerische Qualität kommt derzeit nicht zur Entfaltung, weil weder Reus noch Sancho, Hakimi oder Hazard ihre Leistung abrufen. Weil dem BVB-Spiel die Leichtigkeit und Dynamik abhanden gekommen sind. Und weil dann, wenn es spielerisch beim BVB nicht gut läuft, und das ist seit Wochen der traurige Fall, es noch Leidenschaft und Gier richten könnten. Doch auch gegen Schalke war diese nur dosiert zu spüren. Im Derby hielt sich Dortmund vor allem deswegen schadlos, weil der Gegner exzellente Möglichkeiten liegen ließ und gerade in einer Tor-Krise steckt. Für einen hoch verdienten Punkt gegen den BVB reichte es trotzdem. Ein Team mit größerer Torjäger-Qualität als Schalke hätte den BVB am Samstag bezwungen.

Was aber muss nun die Konsequenz sein aus diesem Duell? Ganz klar: Dortmunds Profis brauchen eine deftige Ansage. Jedem muss endlich klar werden, dass das, was das Team gerade anbietet, nicht ausreicht. Wer mit einem glücklichen 0:0 im Derby zufrieden ist, der hat nicht kapiert, was gerade auf dem Spiel steht. Kein Zweifel: In diesen heißen Herbst-Wochen droht der ambitionierten Kampagne des top besetzten BVB-Kaders mit weiteren Darbietungen auf diesem mäßigen Niveau das frühe Scheitern.

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