Das Warten auf die BVB-Wende bei Mahmoud Dahoud geht weiter

dzBorussia Dortmund

Die Personalsorgen in der BVB-Abwehr wirken sich auch auf das defensive Mittelfeld aus. Mahmoud Dahoud winkt eine neue Chance. Doch der 23-Jährige hat viel mit sich selbst zu kämpfen.

Dortmund

, 10.09.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die wilde Mähne auf dem Kopf gehört zum neuen Look von Mahmoud Dahoud, ebenso der unkonventionelle Schnauzer. Psychologen könnten daraus schließen, der optische Neustart zu Beginn der Sommervorbereitung solle auch demonstrieren, dass Dahoud sportlich neu durchstarten wolle. Schließlich hatte Sportdirektor Michael Zorc nach einer unbefriedigenden Saison des 23-Jährigen genau dies gefordert. Dahoud solle, hat Zorc gesagt, „seine komplette Festplatte löschen.“ Was so viel heißen sollte wie: Alles vergessen, was in den vergangen zwei Jahren gewesen ist.

Wirbelwind Dahoud ist aktuell eher ein Brummkreisel

Dass dies gelingt, daran bestehen berechtigte Zweifel. Der Wirbelwind ist aktuell eher ein Brummkreisel - auf dem Platz kommt er nicht richtig von der Stelle. Das war in der zweiten Hälfte der Partie bei Union Berlin nach seiner Einwechslung zur Pause zu sehen, das war auch beim Benefizspiel am vergangenen Freitag in Cottbus über 90 Minuten auffällig. Dahoud fordert viele Bälle, er beherrscht die Drehung auf engstem Raum, aber er generiert daraus viel zu selten Tempo nach vorn und einen Vorteil für sein Team. Schnittstellen-Pässe? Weitgehend Fehlanzeige. Aktionen, die die gegnerischen Linien aushebeln? Sieht man von ihm zu selten. Torgefahr? Strahlt Mahmoud Dahoud gar nicht aus.

„Ich bin überzeugt, dass er seine Leistung, die er angedeutet hat, bei uns dauerhaft bringen wird.“
Michael Zorc

Es gab diese Szene aus der Anfangsphase des BVB-Spiels in München im April, die dazu getaugt hätte, alles zu verändern. Marco Reus stürmte über außen vor, sein kluger Querpass kam in die Mitte, wo Dahoud aus gut 18 Metern völlig frei zum Schuss kam.

Er hat eigentlich vieles richtig gemacht in dieser Situation. Den Ball mit der Seite gespielt, anstatt den unkontrollierten Vollspannstoß zu riskieren. Er hat auch Manuel Neuer ausgeguckt und versucht, den Ball ins entfernte Eck zu platzieren. Das Resultat: Der Ball klatschte laut vernehmbar an den Außenpfosten, statt ins Netz zu rauschen. Was ein 1:0 für Dortmund in diesem Spiel bedeutet hätte, ist ebenso eine hypothetische Frage wie die: Was hätte der Treffer mit Mahmoud Dahouds Selbstvertrauen und seinem Standing bei Lucien Favre gemacht?

Dahouds Werte gehen kontinuierlich zurück

Das Warten auf die Wende beim Deutsch-Syrer geht seitdem weiter. Es gibt noch ein weiteres Zitat von Michael Zorc, schon etwas älter, in dem der Sportdirektor sagt. „Ich bin überzeugt, dass er seine Leistung, die er angedeutet hat, bei uns dauerhaft bringen wird.“ Doch Zorcs Hoffnungen haben sich bislang nicht erfüllt.

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Das wird auch an statistischen Werten deutlich, die belegen, dass Mahmoud Dahoud mit seinem Wechsel zu Borussia Dortmund an Torgefahr ebenso eingebüßt hat wie an der Fähigkeit, Tore von Mitspielern vorzubereiten. In seinem besten Jahr bei Borussia Mönchengladbach erzielte er fünf Treffer und bereitete neun weitere vor, da war er gerade 19 Jahre alt. Danach gingen die Werte kontinuierlich zurück. Im BVB-Trikot kommt er in etwas mehr als zwei Jahren in der Bundesliga (38 Spiele) nur auf ein Tor und vier Torbeteiligungen.

BVB-System passt nicht zwingend zu Dahoud

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen seinen BVB-Leistungen und denen im DFB-Trikot. Bis zum Sommer war Dahoud einer der Führungsspieler in der deutschen U21. „Er war immer einer meiner wichtigsten Spieler“, bestätigt Trainer Stefan Kuntz, der ebenfalls rätselt, warum Dahoud diese Leistungen in Dortmund nicht regelmäßig abrufen kann. Spekulieren mag Kuntz nicht.

Das Warten auf die BVB-Wende bei Mahmoud Dahoud geht weiter

Lucien Favre im Gespräch mit Mahmoud Dahoud. © imago

Fakt ist, dass Favres bevorzugtes System nicht unbedingt zu Mahmoud Dahoud passt. Den spielerischen Achter gibt es im 4-2-3-1 nicht. Gegen Leverkusen könnte dennoch seine Stunde schlagen - wenn Julian Weigl im Abwehrzentrum gebraucht wird und Axel Witsel nicht rechtzeitig fit werden sollte.

Dahoud muss sein Spiel umstellen

Fakt ist auch: Dahoud muss sein Spiel umstellen, um im Dortmunder Kader noch eine Rolle zu spielen. Er muss zeigen, dass er nicht nur gegen Gleichaltrige prägnante Aktionen beisteuern kann, dass er auch gegen stärkere und erfahrenere Gegenspieler bestehen und Lösungen finden kann. Ansonsten dürfte die Geduld von Michael Zorc auch irgendwann enden.

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