Darum könnte der Verkauf von Diallo für den BVB zum Problem werden

dzWechsel zu PSG

Borussia Dortmund wird seinen drittbesten Innenverteidiger verkaufen. Ist der Verlust von Abdou Diallo verschmerzbar? Womöglich ja, aber dieser Transfer birgt auch große und unnötige Risiken.

Dortmund

, 15.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Mit der Rückkehr von Mats Hummels (30) hat der BVB die riesige Mats-Hummels-Lücke geschlossen. Seit der Abwanderung des damaligen Kapitäns im Sommer 2016 war die Rolle des Abwehrchefs konstant vakant. Matthias Ginter bekam nicht das nötige Vertrauen geschenkt, Marc Bartra - zuletzt bei uns im exklusiven Interview - kämpfte nach dem Anschlag im April 2017 sehr mit seiner Gesundheit. Sokratis agierte gewohnt eigenwillig und -sinnig, Manuel Akanji plagten in seinen anderthalb Jahren beim BVB zu oft Verletzungsprobleme.

Diallo sucht das Weite und flüchtet vor dem Konkurrenzkampf

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Nun ist Hummels zurück – und Abdou Diallo so gut wie weg. Kaum scheint die alte Problemstelle gelöst, tut sich also die nächste auf. Denn der Franzose sucht lieber das Weite als den Konkurrenzkampf in Dortmund. Bei bis zu sieben Innenverteidigern - wenn man den Aushilfs-Abwehrrecken Julian Weigl hinzuzählt - hatte der BVB ein Überangebot für diese Position.

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Mit dem sehr werthaltigen Verkauf von Diallo, für den Paris St. Germain bis zu 34 Millionen Euro zahlt, wird nicht nur die Investition von vor einem Jahr hereingespielt, als Mainz 05 28 Millionen Euro für den Abwehrspieler erhielt. Die Borussen glauben, auch die beste Lösung gefunden zu haben um den Überschuss abzubauen und zugleich Geld zu verdienen. Diallo, in der internen Rangliste und extern als Innenverteidiger Nummer drei eingeschätzt, durfte gehen. Weil der BVB auf ihn verzichten kann? Wenn das mal kein Irrtum ist.

Kann der BVB wirklich auf Diallo verzichten?

Diallo hat in seiner kurzen Zeit bei Borussia Dortmund nicht immer herausgeragt. Doch das Versprechen, perspektivisch gemeinsam mit Manuel Akanji (23) ein Fixpunkt in der neuen Dortmunder Defensive zu werden, musste bislang nicht revidiert werden. Selbst auf der weniger geliebten linken Abwehrseite stand der 23-Jährige seinen Mann, im Dienst der Mannschaft.

Es zeugt von großem Vertrauen, dass Cheftrainer Lucien Favre ihn in 38 von 45 Pflichtspielen aufs Feld schickte. Dass ihn der BVB zu teuer einkaufte, kann man dem Spieler nicht anlasten. 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, wenig Fouls (21 in 28 Bundesliga-Spielen), 91 Prozent Passquote – Bilanzen, bei denen man nicht meckern kann.

Toprak, Weigl oder Zagadou - wer wird Nummer drei?

Nun klafft bald eine veritable Lücke in der Leistungsstärke der Dortmunder Innenverteidiger. Hummels und Akanji dürfen als gesetzt gelten. Mehr als 40 Pflichtspiele werden der inzwischen 30-Jährige deutsche Weltmeister und der anfällige Schweizer Nationalspieler eher nicht absolvieren. Als erster Nachrücker kommt Ömer Toprak (29) in Frage. Ein solider und ausgesprochen loyaler Abwehrspieler, der kaum enttäuscht hat, wenn er denn zum Einsatz kam. Nur: Favre wird auch seine Gründe benennen können, warum der frühere Leverkusener nur ein einziges Bundesliga-Spiel über 90 Minuten absolvieren durfte.

Darum könnte der Verkauf von Diallo für den BVB zum Problem werden

Abdou Diallo (l.) verlässt den BVB. Dan-Axel Zagadou rückt dafür in der Innenverteidiger-Hierarchie einen Platz nach oben. Wird Trainer Lucien Favre auf ihn oder bewährtere Kräfte setzen? © imago

Hinter Toprak wird es noch dünner, was Verlässlichkeit, Erfahrung und Qualität anbelangt. Dan-Axel Zagadou (20) hat seine bockstarke Form aus dem November und Dezember 2018 seitdem nicht mehr bestätigen können und kämpft immer wieder mit Gesundheits- und auf dem Platz mit Konzentrationsproblemen. Er braucht noch Entwicklungszeit – ein schwieriges Unterfangen in einer Auswahl, deren Auftrag es ist, Titel einzufahren.

BVB mit dem Mut zur Lücke - Balerdi muss sich erst beweisen

Dasselbe Dilemma sieht Leonardo Balerdi auf sich zukommen. Im Winter überhastet für happige 15 Millionen Euro aus Argentinien nach Deutschland transferiert, muss der 20-Jährige erst noch nachweisen, dass er Bundesliga-Niveau erreichen kann.

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Was also, wenn Hummels oder Akanji mal länger ausfallen sollten? Im Zweifel müsste Julian Weigl wieder aushelfen, was eigentlich passé sein sollte. So aber leistet sich der BVB mit dem Verkauf von Diallo dem Mut zu einer Lücke, die nicht zwingend nötig war.

Mit Diallo verlässt die Top-Alternative den BVB

In der Saisonanalyse hieß es zu Recht, dass der BVB die Deutsche Meisterschaft in der Defensive verloren habe. 44 Gegentore waren eineinhalb Mal mehr Einschläge, als die Bayern oder Leipzig kassierten. Favre verwendet viel Hirnschmalz darauf, den BVB stabiler aufzustellen. Diallos Weggang dürfte die Stirnfalten nicht glätten.

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Die Überlegungen des Trainers, vermehrt auch eine Dreierkette einzustudieren, werden durch die neue Konstellation nicht befeuert, auch die personelle Flexibilität ist eingeschränkt. Gerade die Tiefe im Kader bei gleichbleibend hoher Qualität zeichnet Spitzenmannschaften aus. Ohne Diallo fehlt eine top Alternative. Da könnte sich der BVB gerade einen Bärendienst erweisen.

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