BVB-Fan zu sein liegt bei Thomas Heyen in der Familie. Alles fing an mit den Bratwürstchen seiner Großeltern. Später entstand daraus der BVB-Fanclub Dubai. Der nächste Teil unserer Serie „Schwarzgelbe Fan-Welt“.

10.06.2019 / Lesedauer: 5 min

Die Geschichte des BVB Fanclubs Dubai beginnt vor etlichen Jahrzehnten und exakt 4917 Kilometer Luftlinie von der Stammlocation des Fanclubs, dem „garden on8“ im Media One Hotel in Dubai entfernt - im altehrwürdigen Stadion Rote Erde. Nicht etwa, weil ein Scheich zu Besuch ist und vom Fußballfieber infiziert wird. Sondern weil die Großmutter von Thomas Heyen jedes zweite Wochenende in der Kampfbahn die selbstgemachten Bratwürstchen ihre Mannes veräußert, hergestellt in der eigenen Metzgerei in Beckum.

Bratwurst und Borussia werden zur Familientradition

Und so kommt es, dass später der Vater von Thomas Heyen seine Liebe entdeckte. Zu den familieneigenen Bratwürstchen sowieso. Und auch zum BVB. Als er groß ist, führt Papa Heyen den familiären Metzgerei-Betrieb weiter. Allerdings nicht in Beckum, sondern auf Norderney. Dort wird schließlich Thomas Heyen geboren - und der fiebert seither, ganz nach der Familientradition, ebenfalls mit der Borussia mit.

Dank Omas Bratwurst: Wie ein Norderneyer den BVB-Fanclub Dubai gründete

Sechs Jahre ist Töchterchen Vanessa alt, als sie mit ihren Eltern das erste Mal auf die Südtribüne geht. © Privat

Immer öfter zieht es Thomas Heyen ins Stadion. Erst von Norderney aus, später von seinem neuen Wohnort Bielefeld. „Ab da war ich dann regelmäßig im Tempel“, erinnert sich der heute 49-Jährige. Mitte der 80er-Jahre ist das. Später besorgt sich Thomas Heyen eine Dauerkarte, 15 Jahre lang ist er in ihrem Besitz. Auf der Süd natürlich. Block 13. Seine Frau Bettina (50) und Tochter Vanessa (heute 30) teilen die Liebe zu Schwarzgelb. Fotos zeigen Heyens Töchterchen mit sechs Jahren bei ihrem ersten Stadionbesuch.

Verfahrensberater statt Metzger-Meister

Ihre Dauerkarten aber haben die Heyens schon lange nicht mehr. Denn seit neun Jahren liegt der Lebensmittelpunkt von Thomas und Bettina in den Vereinigten Arabischen Emiraten, genauer: in Dubai. Thomas Heyen führt hier „leider nicht“ den familiären Metzgerei-Betrieb weiter, sondern arbeitet als Verfahrensberater in der Konstruktion.

Neue Serie über BVB-Fans weltweit
  • In unserer neuen Serie „Schwarzgelbe Fan-Welt“ stellen wir in unregelmäßigen Abständen außergewöhnliche BVB-Fans vor - egal ob prominent oder weniger bekannt, ob am Borsigplatz geboren oder wohnhaft am anderen Ende der Welt.
  • Sie kennen einen BVB-Fan mit einer außergewöhnlichen Geschichte? Dann schreiben Sie uns eine Mail an bvb-extra@lensingmedia.de - und sagen Sie uns, was diesen Fan so besonders macht. Vielleicht erzählen wir dann bald schon seine Geschichte.

Der Liebe zum BVB aber tut der Umzug keinen Abbruch. Im Gegenteil: Heyen lernt drei, vier andere BVB-Fans kennen, sie werden Freunde - und entscheiden, einen Fanclub zu gründen. Zunächst bei Facebook - wir schreiben das Jahr 2012. „Das ist eingeschlagen wie eine Bombe“, so Heyen. Heute hat die Facebook-Seite über 400 Follower. 2016 wird der BVB-Fanclub Dubai offiziell bei der Borussia eingetragen.

Heute hat der Club über 50 Mitglieder. Deutsche, Araber, Philippinos, Afrikaner - „Jeder ist willkommen, solange er Borusse ist“, sagt Heyen. Fußball sei in Dubai ein großes Ding. Vor allem die Spiele der Premier League sind beliebt. Aber auch die Bundesliga könne man in vielen Sportsbars schauen. Es gebe auch einige deutsche Fanclubs - immerhin leben laut Heyen 10.000 Deutsche in Dubai. Und er ergänzt stolz: „Der BVB-Fanclub ist neben dem Fanclub von diesen Komischen aus Nord-Italien, den Bauern München, mit der größte deutsche Fußball-Fanclub hier in Dubai.“

Kein Problem, an Tickets zu kommen

2016 schlägt der BVB sein Wintertrainingslager in Dubai auf. Es entstehen enge Kontakte, unter anderem zum Marketing-Chef des BVB, Carsten Cramer. „Carsten ist ja auch ein Norderney-Liebhaber und kennt einen alten Schulfreund von mir“, so Heyen. Aufgrund dieser Kontakte zum BVB, dem Status als offizieller Fanclub und der guten Vernetzung mit befreundeten Fanclubs sei es für Thomas Heyen und seine Club-Mitglieder in der Regel auch kein Problem, an Tickets zu kommen, wenn sie mal in Deutschland sind.

Dank Omas Bratwurst: Wie ein Norderneyer den BVB-Fanclub Dubai gründete

Auch Jahre später zieht es Vater und Tochter noch gemeinsam ins Stadion - wie hier beim DFB-Pokalfinale. © Privat

Zwei bis drei Spiele pro Jahr sei er noch im Signal Iduna Park, so Heyen. „Dann trifft man alle wieder - im Briefkästchen, im Strobels, im Freibad.“ Der Zusammenhalt auf der Südtribüne, das sei wie eine Familie. Und schon die Stimmung vor dem Stadion fühle sich an „wie ein Feiertag.“

„Das geht so auf die Pumpe“

Zurück in die Emirate. Hier verfolgt der BVB-Fanclub Dubai natürlich jedes BVB-Spiel live im Fernsehen - in der Sportsbar „garden on8“ via Sky samt deutschem Kommentar. Zum Saison-Finale, als es am letzten Spieltag noch um die Meisterschale geht, muss sich Heyen aber ausklinken: „Ich hab gesagt: ‚Ich kann nicht.‘ Ich fieber dann so doll mit, das geht so auf die Pumpe, das habe ich lieber alleine Zuhause geschaut.“

Dank Omas Bratwurst: Wie ein Norderneyer den BVB-Fanclub Dubai gründete

Das Saison-Finale hat Thomas Heyen lieber alleine Zuhause geguckt: „Das geht so auf die Pumpe.“ © Privat

Und dann ist da noch ein anderes Problem: Die Zeitverschiebung. „Im Winter sind es drei Stunden. Wenn man dann Champions League guckt, ist der Anstoß bei uns um 23.45 Uhr. Heißt: Man ist erst zwischen halb 3 und 3 Uhr im Bett. Dann geht man am nächsten Tag mit dicken Augen zur Arbeit und ist völlig inne Fritten“, stöhnt Heyen.

Champions-League-Finale 1997: „Das war der Knaller“

Angesprochen auf seinen schönsten BVB-Moment sprudeln die Erinnerungen nur so aus Heyen hervor. Ricken, 118. Minute gegen La Coruna. Relegation, Kobra Wegmann. Die Vielen Auswärtsfahrten nach Rom, Turin, Mailand, Auxerre. Dann natürlich das Champions-League-Finale 1997 in München. „Das war der Knaller“, so Heyen, der live dabei war.

Dank Omas Bratwurst: Wie ein Norderneyer den BVB-Fanclub Dubai gründete

Der BVB-Fanclub Dubai kam der Meisterschale 2016 ganz nah. © Privat

Oder 1995 - die erste Meisterschaft nach 32 Jahren: „Damals habe ich im besoffenen Arsch gesagt: Wenn die nochmal Meister werden, lass ich mir die Haare schneiden. Ein Jahr später hab ich dann eine Glatze gehabt“, lacht Thomas Heyen.

„Lucien Favre hat das ein oder andere Spiel vercoacht“

Mit der abgelaufenen Saison ist Heyen übrigens mehr als zufrieden. „Enttäuschung? Auf gar keinen Fall! Wir hatten einen Riesen-Umbruch, sind mit 78 Punkten Vizemeister geworden, Bayern musste bis zum letzten Spieltag zittern. Ich bin stolz, was wir geschafft haben“, bilanziert Heyen. Der aber auch Kritik äußert: „Lucien Favre hat das ein oder andere Spiel vercoacht. Das muss man ihm leider ankreiden. Fachlich ist er top - aber limitiert, was die Risikobereitschaft angeht. Manches Spiel wurde dumm aus der Hand gegeben.“

Dank Omas Bratwurst: Wie ein Norderneyer den BVB-Fanclub Dubai gründete

Der BVB-Fanclub vor seiner Stamm-Bratwurst-Bude, dem „Smart Brat Dubai“. Besitzer Iyad ist laut Thomas Heyen mit Leib und Seele Borusse. © Privat

Auch mit den bisherigen Neuzugängen ist er „absolut zufrieden“. Trotzdem hat Heyen noch zwei Baustellen beim BVB ausgemacht. „Wir brauchen noch einen richtigen Neuner. Alcacer und Götze sind zu klein. Und in der Innenverteidigung sollten wir noch was machen. Wir bräuchten mal wieder so ein richtiges Kampfschwein. Einen Kohler, César oder Schulz, die hinten auch mal einen wegflexen.“

Dortmunder U-Turm statt Burj Khalifa

Und was ist, wenn er sich entscheiden müsste: Burj Khalifa oder Dortmunder U-Turm? „Natürlich hab ich Heimweh. Wenn ich mich in Deutschland mit meinen Freunden zum Spiel verabrede, das ist etwas ganz, ganz anderes - und einfach nur schön. Dann hat man das Gefühl: Man ist wieder Zuhause angekommen.“

Dank Omas Bratwurst: Wie ein Norderneyer den BVB-Fanclub Dubai gründete

Thomas Heyen und seine Frau Bettina wollen in einigen Jahren nach Deutschland zurück. © Privat

Dieses Gefühl könnte sich in ca. fünf Jahren wieder regelmäßig einstellen. Solange will Thomas Heyen nämlich noch maximal in Dubai bleiben, bevor er seine Zelte wieder in Deutschland aufschlägt. Und wieder regelmäßig in seinen Tempel geht. Nur die Familien-Bratwurst wird er dann wohl noch immer nicht unter die Leute bringen.

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