Coronavirus-Krise: Ist es in Ordnung, von den BVB-Profis Gehaltsverzicht einzufordern?

dzPro & Contra

Öffentliche Forderungen nach Gehaltsverzicht bei Fußballprofis: angebracht oder nicht okay? Wir diskutieren in unserem Pro und Contra.

Dortmund

, 20.03.2020, 14:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke verzichtet auf ein Drittel seines Gehaltes, so lange der Ball in der Bundesliga ruht. Auch die Profis von Borussia Mönchengladbach verzichten in der Corona-Krise auf Geld. Markus Söder von der CSU fordert die Spieler sogar öffentlich zum Gehaltsverzicht auf. „Ich fände es zum Beispiel in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes ihrem Arbeitgeber gegenüber ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld“, sagte Bayerns Ministerpräsident am vergangenen Montag.


Wir diskutieren: Ist es richtig, Fußballprofis zum Gehaltsverzicht aufzufordern?

Pro: „Ja, die öffentliche Aufforderung zu Gehaltsverzicht ist angebracht“

Von Dirk Krampe

Mit Eingriffen in Persönlichkeitsrechte und öffentlichen Maßregelungen tun wir uns in Deutschland zu Recht sehr schwer. Die Verträge, die den Spielern exorbitant hohe Vergütungen garantieren, sind schließlich nicht einseitig geschlossen worden. Und sie beinhalten eben auch Rechte. Auf die Einhaltung der dort zugesagten Leistungen dürfen im Normalfall daher auch die sehr gut verdienenden Profis pochen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Doch von Normalität sind wir gerade ein großes Stück entfernt. Es sind auch keine selbst verschuldeten Managementfehler, die die Vereine gerade in die Nähe einer existenzbedrohenden Situation bringen – wenn auch eine der Lehren dieser Pandemie sein sollte, dass man sein Handeln deutlich stärker durch eine weitsichtige Rücklagenbildung absichern sollte.

Dennoch ist es in diesem Fall mal angezeigt, an die Solidarität der Besserverdienenden zu appellieren. Auch wenn die Größe und Strahlkraft eines professionell tätigen Fußball-Klubs sehr stark von denen geprägt wird, die am Wochenende im medialen Rampenlicht stehen, wird ein Unternehmen doch vor allem getragen von den vielen Angestellten, die selten in der Öffentlichkeit auftauchen. Gerade die aber stehen vor ungewissen Wochen, und nicht wenige müssen tatsächlich Angst um ihre Existenz haben.

Das den Spielern, von denen einige in ihrer ganz eigenen, manchmal sehr realitätsfernen Welt leben, deutlich vor Augen zu führen, ist angesichts der Dramatik der aktuellen Lage durchaus angebracht.

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Contra: „Nein, Wünsche sind erlaubt, Forderungen sind es nicht“

Von Tobias Jöhren

Zwischen Wunsch und Forderung liegt ein großer Unterschied. Wünschen darf man sich erst einmal fast alles, fordern oder erwarten darf man es meistens nicht. So verhält es sich auch beim Thema Gehaltsverzicht von Fußballprofis. Natürlich ist es wünschenswert, dass Fußballprofis ihren Teil zur Bewältigung der Corona-Krise beitragen, aber deswegen darf man sie noch lange nicht öffentlich zum Gehaltsverzicht auffordern.

Entsprechend bissig hat Horst Heldt, Sport-Geschäftsführer beim 1. FC Köln, auf Markus Söders Forderung vom vergangenen Montag reagiert. „Ich glaube, es wäre absolut sinnhaft, dass man sich mit populistischen Scheißausdrücken erst einmal zurückhält“, sagte Heldt. Das waren zwar nicht die ganz feine Wortwahl und vielleicht ein wenig zu viel der Härte in der verbalen Zweikampfführung, aber im Kern traf Heldt ziemlich gut ins Schwarze.

Denn die Spieler sollten selbst entscheiden dürfen, was sie mit ihrem Geld anstellen. Dafür brauchen sie keine Ratschläge von Politikern oder sonst wem. Und die jüngsten Eindrücke geben durchaus Grund zur Hoffnung, dass die besten und bestbezahlten Fußballer dieses Landes wissen, was die Stunde geschlagen hat. Leon Goretzka und Joshua Kimmich spenden eine Million Euro für karitative, soziale und medizinische Einrichtungen, die Nationalmannschaft spendet 2,5 Millionen Euro, Gladbacher Profis verzichten auf Gehalt, um ihrem Verein zu helfen.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der aktuell ebenfalls auf Gehalt verzichtet, sagte Anfang der Woche im „11 Freunde“-Interview: „Ich bin sicher, dass viele Spieler wissen, wer die Leute sind, die dafür sorgen, dass sie den Job so aus­üben, wie sie ihn eben aus­üben.“ Man werde zusammenrücken. Auch diese Aussage stärkt den Eindruck, dass Fußballprofis zu nichts gedrängt werden müssen. Die meisten von ihnen werden aus freien Stücken das Richtige tun.

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BVB-Chef Hans-Joachim Watzke will einem Bericht zufolge wegen der Coronavirus-Krise auf Gehalt verzichten. Von einem hohen fünfstelligen Betrag ist die Rede. Von dpa

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