Cathy Hummels im Exklusiv-Interview: Depression hatte schlimme Folgen

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Cathy Hummels litt unter Depressionen. Im Interview spricht die Frau von BVB-Profi Mats Hummels über ihre Krankheit, ihre Rolle als berufstätige Mutter und die Pendellösung mit ihrem Mann.

Dortmund

, 14.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 8 min

Bekannt geworden ist Catherine Hummels vor gut zehn Jahren als Frau an der Seite von BVB-Profi Mats Hummels. Seither hat die 32-Jährige stetig an ihrer eigenen Karriere gearbeitet und sich mittlerweile einen Namen als Influencerin und Moderatorin gemacht. Im Oktober hat sie mit „Mein Umweg zum Glück“ ihr drittes Buch auf den Markt gebracht.

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Im Interview mit Jana Klüh spricht Cathy Hummels ganz offen über ihre Depressionen, die sie in diesem Buch verarbeitet. Sie erzählt, warum sie nicht mehr leben wollte und wie sie heute darüber denkt, warum sie früher in der Öffentlichkeit aufgesetzt war, wie sie mit der Corona-Pandemie umgeht, warum sie nicht zurück nach Dortmund zieht und wie sie es schafft, im Beruf so aktiv zu sein und gleichzeitig genug Zeit für ihren fast dreijährigen Sohn Ludwig zu haben.

Hallo Cathy, wie geht es Ihnen?

Das ist eine sehr liebe Frage. Im Moment muss ich sagen, geht es mir wirklich gut. Die Situation mit Corona können wir einfach nicht verändern. Ich habe mit meinem Bruder dazu bei Instagram ein Video gemacht mit sechs Strategien, mit denen man sich in Bezug auf Corona stark machen kann. Und eine Strategie ist, dass man das Unveränderbare akzeptieren soll. Corona betrifft uns alle und man traut sich dann gar nicht zu sagen: Ja, mir geht es gut. Aber mir geht es nur gut, weil ich mich mit der Situation angefreundet habe, sie akzeptiere.


Sie haben in diesem Jahr zwei Bücher veröffentlicht und eine Fitness-App, Sie haben Ihr Moderations-Debüt bei RTL2 gegeben. Ist 2020 – trotz Corona – Ihr Jahr?

Was heißt, es ist mein Jahr? Ich bin grundsätzlich jemand, der gerne arbeitet. Ich erfülle mir gerne meine Träume. Ich bin der festen Überzeugung, wenn man groß träumt, kann man auch Großes erreichen. Ich mache einfach alles, wofür mein Herz schlägt. Trotz Corona war 2020 bislang auf jeden Fall ein sehr gutes Jahr – mit allen Höhen und Tiefen. Ich bin sehr dankbar für alles, was trotz Corona geklappt hat.

Und das war ja gar nicht so wenig.

Genau. Mein „Zuckerfrei-Kochbuch für Kinder“. Dann mein Buch „Mein Umweg zum Glück“, was wirklich Wellen geschlagen hat. Meine Barrelove-App und dann die Moderationen bei „Kampf der Reality Stars“ und „Love Island“. „Mein Umweg zum Glück“ ist ein Spiegel-Bestseller. Da muss ich mich schon kneifen, um das zu realisieren.

Und es ist gerade mal zwei Monate auf dem Markt. In dem Buch geht es um Ihre Depression und Ihren Umgang damit. Wie waren die Rückmeldungen, die Sie bislang bekommen haben?

Die Rückmeldungen sind großartig. In erster Linie wollte ich dieses Buch machen, damit ich anderen Menschen Mut machen kann. Und dass mir genau das gelungen ist, lässt Tränen in meine Augen schießen. Ich will da weitermachen mit meinem Bruder (Sebastian Fischer ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Anm. der Red.). Wir wollen eine Fortsetzung schreiben. Wir möchten weiterhin Menschen abholen, weiterhin Menschen helfen. Deswegen machen wir bei Instagram so viele Videos, weil ich gemerkt habe, dass dieses Thema noch mehr Aufmerksamkeit braucht. Ich werde alles daransetzen, das Thema der Depression zu enttabuisieren.

In ihrem Buch „Mein Umweg zum Glück“ berichtet Cathy Hummels von ihren Depressionen.

In ihrem Buch „Mein Umweg zum Glück“ berichtet Cathy Hummels von ihren Depressionen. © Imago


Was hat Ihnen während Ihrer Depression am meisten Kraft gegeben?

Bei meiner Depression hat mir am meisten Kraft gegeben, dass ich versucht habe zu sagen: Irgendwie, Cathy, wird alles wieder gut. Es ging mir so dreckig. Ich wollte nicht mehr leben. Aber irgendwie hatte ich trotzdem immer ein Fünkchen Hoffnung. Und ich habe mir gesagt: Wenn du das machst, vielleicht wird’s dann. Jeder, der in so einer Situation ist, der weiß, wie krass das ist. Denn in der Sekunde, da hast du eigentlich keine Hoffnung mehr. Da denkst du, das wird nie wieder. Deswegen willst du einfach einschlafen und nicht wieder aufwachen.


Sie gehen sehr offen mit Ihrer Krankheit um. Warum haben Sie sich gerade jetzt entschieden, drüber zu sprechen?

Weil es mir erst jetzt wieder gut geht. Erst jetzt habe ich die Möglichkeit, darüber zu sprechen. Und auch die Kraft, das Ganze publik zu machen. Das ist ein wirklicher Kraftakt. Als ich dieses Buch geschrieben habe, ging es mir viele Tage, auch mal Wochen, nicht gut. Weil du alles wieder aufleben lässt. Aber trotzdem wollte ich das unbedingt machen. Jetzt kann ich durch meine Geschichte anderen Mut machen, weil ich gesund bin.


Sie sagen: Ich wollte nicht mehr leben. Wenn Sie heute darüber sprechen, was fühlen Sie dabei?

Ich denke dabei an die Situation, als das Gefühl aufkam: Ich will nicht mehr. Aber mittlerweile geht es mir wieder so gut, dass ich mir denke: Krass, dass du so traurig warst und so kaputt warst in der Hinsicht. Und dass dein Kopf das mit dir gemacht hat. Ich bin geschockt, was die Psyche mit einem Menschen anstellen kann.


Sie stehen in der Öffentlichkeit, müssen täglich mit Druck und Kritik umgehen. Inwiefern hat das eine Rolle bei Ihrer Depression gespielt?

Die Öffentlichkeit war nicht daran schuld. Ich habe die Depression schon bekommen, als ich 16 war. Ich glaube ein ganz wichtiger Faktor war, dass ich nicht wusste wer ich bin. Und dass ich, dadurch, dass ich versucht habe es allen recht zu machen, das verloren habe, was mich glücklich gemacht hat. Es ist wichtig, dass man sein eigenes Glück - natürlich jetzt in Kombination mit dem Glück meines Sohnes und meiner Familie - an erste Stelle stellt, um herauszufinden: Wer bin ich eigentlich? Was kann ich? Wo will ich hin? Wenn man sich selbst liebt, nur dann kann man Liebe geben. Ich habe nie meine Träume verfolgt. Aus Angst. Ich habe mich überfordert gefühlt, habe nicht an mich geglaubt, hatte kein Selbstwertgefühl. Ich wurde, wie ich im Buch geschrieben habe, gemobbt. Ich habe meinen Opa verloren, der wie eine Vaterfigur war. Meine Eltern hatten eine Ehekrise. Da gab es lauter Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass ich schließlich sehr traurig wurde.


Die Depression ist später, als Sie bereits in der Öffentlichkeit standen, wiedergekommen. Haben Sie darüber nachgedacht, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen?

Nein, weil ich der Öffentlichkeit keinen Vorwurf mache. Ich wollte immer Schauspielerin werden, ich wollte immer eine Moderatorin sein und ich wollte immer Mode designen. Und eigentlich hat mir die Öffentlichkeit gezeigt, dass man, wenn man das macht, extrem stark sein muss. Diese Stärke, die ich jetzt habe, das hab ich auch meinem „Umweg zum Glück“ zu verdanken.

Man wird akzeptiert und auch toleriert, wenn man echt und authentisch ist. Durch meine Krankheit habe ich das aber früher nicht geschafft. Ich war sehr aufgesetzt und affektiert. Vielleicht sogar etwas drüber. Ich mochte mich selbst nicht und so habe ich versucht die Bestätigung zu bekommen, die ich mir selbst nicht geben konnte - habe sie gesucht in der Öffentlichkeit. Der Schuss ging nach hinten los.

Menschen mögen es nicht, wenn man ihnen was vormacht oder eine Rolle spielt. Man muss sich natürlich nicht alles gefallen lassen. Beleidigungen akzeptiere ich auch heute nicht. Aber man muss mit Druck, auch Kritik und Gegenwind, klarkommen können. Es war eine sehr harte Schule, aber ich habe der Öffentlichkeit auch zu verdanken, dass ich meine Träume leben kann und mich selbst gefunden habe.


Sie engagieren sich gegen Mobbing, vor allem Cybermobbing. Was kann jeder, der online aktiv ist, tun, um dem entgegenzutreten?

Man muss sich selbst sagen, dass die Menschen, die einen mobben, die eigentlichen Opfer sind. Wenn du mobbst und versuchst, andere kaputt zu machen, dann musst du mit dir so unzufrieden sein, dass es dich irgendwie erfüllt, andere Menschen mit Stiefeln zu treten. Es ist nichts, was an einem selbst falsch ist. Dieses Umdenken hat mir enorm geholfen. Es ist wichtig: Sei und bleib bei dir. Finde dein eigenes Glück. Und dann macht es dir auch nicht mehr so viel aus, was andere über dich sagen.


Sie und Ihr Mann Mats Hummels sind ständig Thema in den Boulevardmedien. Zuletzt ging es immer wieder um Ihre Ehe und eine mögliche Krise. Wie anstrengend ist es für Sie, immer wieder mit solchen Gerüchten konfrontiert zu werden?

Ich kommentiere solche Gerüchte nicht mehr. Denn je mehr man darüber spricht, desto mehr wird auch darüber geschrieben.


Zurzeit leben Sie in München, Ihrer Heimat. Sie kennen aber auch Dortmund gut, weil Sie hier lange mit Ihrem Mann in seiner ersten Zeit beim BVB gelebt haben. Was verbinden Sie mit diese Stadt?

Ich bin jetzt gerade sogar in Dortmund. Ich mag die Stadt sehr gerne. Der BVB ist ein großartiger Verein. Mein Mann und ich hatten hier viele schöne Jahre. Und ich hoffe, es kommen noch ein paar Titel und schöne weitere Jahre dazu.


Sie und Ihr Mann leben aktuell 600 Kilometer voneinander entfernt - er in Dortmund, Sie in München. Warum haben Sie sich für die Pendel-Lösung entschieden?

Mats wollte unbedingt zu seinem BVB zurück. Es ist einfach sein Verein. Dadurch, dass ich aber in Dortmund sehr schwere Depressionen hatte, und in München dann gesund geworden bin, weiß ich, dass ich meine Familie und das Vertraute um mich brauche. Wir sind dort so eingegliedert. Wir sind beide Münchener. Vor seinem Wechsel habe ich zu Mats gesagt, wenn in Dortmund dein Glück ist, dann musst du dort hingehen. Aber mein Glück, meine mentale Gesundheit, ist genauso wichtig, damit ich gesund bleibe und in erster Linie eine gute Mutter sein kann. Eine Pendellösung ist für uns die Beste.


Schauen Sie noch immer jedes BVB-Spiel?

Ich schaue, so oft ich kann und wenn ich nicht vor dem TV sitze, dann habe ich immer einen Live-Ticker an.


Interessiert sich Ihr Sohn Ludwig auch schon für Fußball?

Auf jeden Fall. Das ist ja der Beruf von seinem Papa. Er interessiert sich für das, was wir beide tun.


Wie erleben Sie und Ihre Familie diese Corona-Zeit?

Das sind Dinge, die können wir nicht verändern. Wir müssen jetzt die Menschen, die es am härtesten trifft, unterstützen. Jammern und beschweren bringt nichts. Das macht nur traurig.


Sie sind Mutter und berufstätig.
Wie schaffen Sie es, alles so unter einen Hut zu bringen, dass Sie beidem gerecht werden?

Mit viel Organisation. Ich habe fast keine Freizeit, aber das ist mir auch gar nicht so wichtig. Wenn mein Sohn zu Hause ist und wenn er mich braucht, bin ich immer für ihn da. Er steht an oberster Stelle. Wenn er im Kindergarten ist, dann entfalte ich mich einfach komplett. Ich merke, dass mein Herz dafür brennt auch meinem Beruf nachzugehen. Ich organisiere mich sehr gut. Wichtig ist, dass man seine eigene Balance findet, eben alles, was man für sein eigenes Glück braucht.


Mütter bekommen von außen oft ungefragt viele Ratschläge und Tipps und fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt. Haben Sie einen Rat, wie man damit umgehen kann?

In erster Linie ist es wichtig, dass man auf die richtigen Menschen hört. Ich habe mir viele Tipps von meiner Mama geholt. Aber man muss auch ganz viel auf sein Bauchgefühl hören. Andere haben es davor auch geschafft. Man darf sich da nicht so fremdbestimmen lassen. Ganz viel kommt von alleine, wenn das Kind da ist. So bin ich jedenfalls am besten gefahren. Man muss sich immer wieder sagen: Jede Mama will das Beste für ihr Kind. Und was das ist, das muss man wirklich für sich herausfinden.


Gibt es etwas, dass Sie, wenn Sie noch einmal Mutter würden, anders machen würden als beim ersten Kind?

Nein. Der Ludwig ist ein absolut liebevoller, glücklicher und gesunder Junge.


Sie haben oft betont, dass es Ihr großer Traum ist, als Moderatorin zu arbeiten. Warum möchten Sie das so gerne machen?

Ich hab das Gefühl, dass das genau mein Ding ist. Ich mag es, vor der Kamera zu stehen. Ich mag es, mit Menschen zu interagieren. Moderieren macht mir einfach Spaß und ich finde es schön, gewisse Botschaften zu vermitteln. Ich bin sehr neugierig und ich glaube, das ist eine gute Kombination. Das Krasseste ist, dass alles immer so locker flockig aussieht. Aber es ist verdammt viel Arbeit. Ich mag diese Anstrengung und liebe es, wenn ich merke, dass ich mich verbessere.

Cathy Hummels hat für den Sender RTL2 das Reality-TV-Format „Kampf der Reality-Stars“ moderiert.

Cathy Hummels hat für den Sender RTL2 das Reality-TV-Format „Kampf der Reality-Stars“ moderiert. © obs/RTLZWEI


Zuletzt haben Sie mit „Kampf der Reality Stars“ und „Love Island“ zwei Reality-TV-Formate moderiert. Was gefällt Ihnen an diesen Formaten?

Ich glaube, dass sie der Zahn der Zeit sind. Vor allem im Moment. Die Formate sind ja äußerst erfolgreich. Die Zuschauer mögen einfach dieses Easy Entertainment. Sie müssen sich darüber nicht so viele Gedanken machen. Ich mag an Reality-TV, dass es echt und authentisch ist. Und dass man nicht weiß, was kommt.


Mit „Barrelove“ haben Sie eine Fitness-App auf den Markt gebracht. Warum empfehlen Sie, das Barre-Training auszuprobieren?

Weil es mit mir unfassbar viel gemacht hat. Im positiven Sinne. Ich habe Muskeln am Körper aufgebaut und gleichzeitig mentale Balance gefunden. Barre ist eine Mischung aus Yoga, Pilates und Ballett-Training. Man arbeitet auch mit Gewichten und stärkt den Körper so gleichzeitig. Es ist ein tolles Training, das wirklich auch viel Spaß macht. Man merkt auch gar nicht wie die Zeit vergeht. Barre ist das beste Training, das ich bisher in meinem Leben kennengelernt habe.


Sie haben in einem Video auf Instagram gesagt, dass Ihnen Selbstverwirklichung sehr wichtig ist. Wie sieht die aus?

Ich werde weiterhin für RTL2 Moderationen machen und spreche auch mit anderen Sendern. Ich möchte, wie erwähnt, die Fortsetzung von „Mein Umweg zum Glück“ schreiben. Das sind alles Zweige, die mich absolut erfüllen und mir viel Freude bereiten. Ich versuche nach dem Glück zu greifen, wenn es da ist. Ich lasse die Dinge auf mich zukommen und nutze meine Chancen, wenn ich sie bekomme.

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