In Borussia Dortmunds Abwehrzentrale herrscht noch immer ziemliche Leere. Akanji, Diallo und Zagadou sind noch nicht wieder einsatzfähig. Daher buhlt der BVB intensiv um Leonardo Balerdi.

Dortmund

, 08.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Es war ein Schreckmoment, auf den Lucien Favre gerne verzichtet hätte. Ömer Toprak blieb nach einem Zweikampf beim 3:2-Sieg des BVB gegen Fortuna Düsseldorf mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen, kurze Zeit später humpelte der Türke in Richtung Seitenlinie, ließ sich behandeln, spielte schließlich weiter. Favre war dabei sichtlich unwohl zu Mute. „Wir wollen kein Risiko eingehen“, rief der BVB-Trainer in Richtung des Abwehrspielers, doch Toprak blieb bis zum Schlusspfiff auf dem Feld. Es scheint nicht allzu schlimm zu sein.

Zagadou muss sich weiter gedulden

Favre hatte und hat allen Grund zur Sorge. Die BVB-Innenverteidigung läuft seit dem 1:2 in Düsseldorf am 18. Dezember auf der Felge - und bislang ist Besserung nicht wirklich in Sicht. Erst verletzte sich Dan-Axel Zagadou am 13. Spieltag gegen Freiburg am Fuß, erlitt eine Stauchung, trainiert noch immer nur individuell und sagt im Gespräch mit dieser Redaktion, dass es zwar „besser und besser“ werde, er derzeit allerdings noch nicht abschätzen könne, „ob es für den Rückrundenauftakt in Leipzig reicht“. Richtiger Optimismus klingt anders.

„Es ist echt bitter, dass drei Innenverteidiger ausfallen und wir noch nicht wissen, ob es für den Rückrundenauftakt reicht.“
Marcel Schmelzer

Noch deutlich schlechter steht es um Abwehrchef Manuel Akanji, der bis auf Weiteres mit Hüftproblemen ausfällt. Der Schweizer ist gar nicht erst mit ins Trainingslager nach Marbella geflogen, lässt sich stattdessen von Spezialisten in Deutschland und der Schweiz unter die Lupe nehmen. Wann er auf den Platz zurückkehren wird, ist derzeit völlig ungewiss.

Leichte Fortschritte macht dagegen Abdou Diallo. Der Neuzugang aus Mainz, der sich in Düsseldorf einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, absolviert zumindest schon wieder Teile des Mannschaftstrainings. Sein Einsatz am 19. Januar in Leipzig ist aktuell am wahrscheinlichsten mit Blick auf die drei Rekonvaleszenten in der BVB-Innenverteidigung. „Es ist echt bitter, dass drei Innenverteidiger ausfallen und wir noch nicht wissen, ob es für den Rückrundenauftakt reicht“, sagt Linksverteidiger Marcel Schmelzer, „aber unser Kader ist so groß, dass wir Möglichkeiten haben.“

Weigl und Pieper heißen die Alternativen

Eine dieser Möglichkeiten heißt Julian Weigl. Favre sagt über den gelernten Mittelfeldspieler: „Julian hat bewiesen, dass er diese Rolle spielen kann. Er hat es gegen Borussia Mönchengladbach am Ende der Hinrunde gut gemacht und im Test gegen Düsseldorf auch wieder.“ Amos Pieper, der aus der U23 zu den Profis aufgerückt und mit ins Trainingslager nach Marbella gereist ist, wäre eine andere Alternative, doch das Eigengewächs präsentierte sich zumindest im Test gegen Düsseldorf ein wenig zu nervös und leistete sich die eine oder andere Unsicherheit.

Die dritte Möglichkeit könnte sein, dass der BVB im Winter auf dem Transfermarkt auf die Engpässe im Abwehrzentrum reagiert. Die heiße Spur führt nach Argentinien - zu Leonardo Balerdi von den Boca Juniors. Daniel Angelici, Präsident der Boca Juniors, bestätigte am Montag gegenüber „Radio La Red“ die Verhandlungen. Die Dortmunder „haben sich mit dem Spieler getroffen. Ich werde ihnen die Position des Klubs schildern und dann sehen wir, wo es endet“, wird Angelici zitiert. Am Dienstag soll es weitere Verhandlungen geben.

Balerdis Vertrag läuft noch bis 2021 - es gibt jedoch eine Ausstiegsklausel, die bei rund neun Millionen Euro liegt. Laut Angelici soll das Dortmunder Angebot jedoch höher sein. Der 19-Jährige hat zwar erst fünf Pflichtspiele absolviert, gilt aber als eines der größten Talente Südamerikas.

„Wir halten uns wie immer alles offen“

Michel Zorc wollte die Gerüchte im Gespräch mit dieser Redaktion jüngst nicht kommentieren. Er kenne den Spieler, mehr sage er dazu nicht. Zu möglichen Wintertransfers im Allgemeinen sagte er vor dem Abflug nach Spanien: „Wir halten uns wie immer alles offen. Der Transfermarkt hat ja gerade erst geöffnet.“ Bis zum 31. Januar wäre Zeit - und beim BVB wird man genau beobachten, wie schnell sich die Leere in der Abwehrzentrale wieder mit gelernten Innenverteidigern füllt. Weitere Schreckmomente sollten dabei tunlichst ausbleiben.

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