BVB-Trainer Favre rudert zurück - doch die Zweifel bleiben

Borussia Dortmund

Der BVB sieht sich nach dem 0:1 gegen Bayern einer erneuten Trainer-Diskussion ausgesetzt, die Lucien Favre selbst befeuert. Am Tag danach rudert der Schweizer zurück. Die Zweifel bleiben.

Dortmund

, 27.05.2020, 13:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Diskussionen um Lucien Favre begleiten den BVB im Saisonendspurt.

Die Diskussionen um Lucien Favre begleiten den BVB im Saisonendspurt. © dpa

Nach dem wahrscheinlichen Ende aller Titelträume versuchte der BVB am Mittwoch eine Diskussion einzufangen, die Trainer Lucien Favre mit einer kryptischen Äußerung in einem Interview beim Fernsehsender „Sky“ direkt nach Spielschluss losgetreten hatte. Konfrontiert mit der Frage, ob er jetzt wieder Debatten befürchte über seine Eignung, Mannschaften zu Titeln zu führen, hatte der Schweizer erklärt: „Darüber wird hier seit Monaten gesprochen, ich weiß, wie es läuft. Ich werde in ein paar Wochen darüber sprechen.“

BVB-Trainer Favre: „Ich denke nichts ans Aufgeben“

Dieser Satz ließ aufhorchen und genügend Raum für Spekulationen. Sie reichten von dem schon beschlossenen Ende seiner BVB-Zeit und einer vorzeitigen Entlassung nach der Saison bis hin zu einer „Kapitulation“ aus freien Stücken, wie man sie von ihm aus Gladbach und Berlin kannte.

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Am Mittwoch rückte Favre seine Aussagen ins rechte Licht. Er „denke nicht an Aufgeben“, ließ er über die Kommunikations-Abteilung des Vereins verbreiten. „Meine Worte im Interview direkt nach dem Spiel scheinen vielfach falsch verstanden worden zu sein. Was ich nur auf entsprechende Fragen hatte antworten wollen, war: Jetzt ist nicht die Zeit, um die Saison zu bilanzieren.“ Favre also nur ein Opfer der immer noch vorhandenen Sprachbarriere? Zweifel daran werden seine Sätze kaum entkräften können.

Nach einem turbulenten Herbst hatte sich Favre beim BVB gefangen

Schon im vergangenen Sommer hatte sich der 62-Jährige damit schwer getan, die offensiv vom Klub formulierten Saisonziele auch öffentlich mitzutragen - trotz eines noch einmal deutlich aufgewerteten Kaders. Nach einem turbulenten Herbst hatte sich Favre gefangen - auch dank der Nachverpflichtungen im Winter. Bis zum Bayern-Spiel hatte Dortmund 27 der 30 möglichen Rückrunden-Punkte geholt.

BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt macht sich nach dem Training am Mittwochvormittag auf den Weg nach Hause.

BVB-Mittelfeldspieler Julian Brandt macht sich nach dem Training am Mittwochvormittag auf den Weg nach Hause. © Groeger

Die Partie gegen den Rekordmeister, auserkoren als letzte Chance, den Titelkampf noch einmal richtig spannend zu machen, lief am Dienstag nun so, wie man das seit nun eineinhalb Jahren kennt in Dortmund: Es fehlt nicht viel, aber es fehlt ein Stückchen. In diesem Spiel, aber eben auch ganz generell auf die formulierten Saisonziele bezogen.

BVB-Reservisten trainieren in Brackel - Reus arbeitet individuell

Der Vertrag des Schweizers läuft noch bis zum Sommer 2021. Die Frage, ob er ihn erfüllen will und darf, wird die letzten sechs Saisonspiele der Borussia ziemlich sicher begleiten - trotz des Versuchs der Relativierung seiner Aussagen. Dabei kann Borussia Dortmund diese Ablenkung nach der großen Enttäuschung vom Dienstag nicht gebrauchen. Zu dünn ist der Abstand nach unten, als dass der BVB diese Saison austrudeln lassen könnte. Das sieht auch Favre nicht anders. „Wir haben noch sechs Spiele, in denen wir unser Bestes geben müssen“, ließ er mitteilen, „und die wir am liebsten alle gewinnen wollen.“

Für die Mannschaft stand am Mittwoch Regeneration und eine Einheit im Kraftraum auf dem Plan. Die Reservisten und die Spieler mit Kurzeinsätzen gegen die Bayern standen für gut 60 Minuten auf dem Rasen. Kapitän Marco Reus absolvierte eine individuelle Einheit. Bis zum Sonntag muss die Zeit reichen, um den Frust aus den Trikots zu laufen.

Für den BVB muss in der Bundesliga jetzt Platz zwei das Ziel sein

Mindestens auf Platz zwei sollte der BVB schon einlaufen, alles andere könnte nachhaltigen Einfluss auf die Beantwortung der Frage nach einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Schweizer Coach haben. In die Analyse werden gewiss auch die Enttäuschungen in den Pokalwettbewerben mit einfließen.

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