BVB-Trainer Favre in der Kritik: Bei den Fans regieren Frust und Sarkasmus

Champions League

BVB-Trainer Lucien Favre findet, sein Team habe in Mailand „ganz okay“ gespielt. Damit steht er ziemlich alleine da. Die Pressestimmen sind eindeutig. Bei den Fans regieren Frust und Sarkasmus.

Dortmund

, 24.10.2019, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Trainer Favre in der Kritik: Bei den Fans regieren Frust und Sarkasmus

Steht im Mittelpunkt der Kritik: BVB-Trainer Lucien Favre. © dpa

Wer am Donnerstagmorgen nach Borussia Dortmunds 0:2 bei Inter Mailand nach positiven Schlagzeilen über den BVB Ausschau hielt, der suchte die Nadel im Heuhaufen. Die italienische Presse schrieb von „K.o. für Dortmund bei Inters Party“ (Tuttosport), „Oktoberfest für Inter, Favres Abwehr aus drei Spielern ist keine großartige Idee“ (Gazzetta dello Sport) und davon, dass „die Dortmunder ein Vintage-Gegner mit vielen guten Spielern“ seien, „die aber nach Schemen spielen, die vor 20 Jahren aktuell waren“ (Corriere della Sera). Die Kronen-Zeitung nannte den BVB-Auftritt schlicht „dröge“.

BVB-Trainer Favre mit einer exklusiven Sicht der Dinge

Bei Lucien Favre hatte das am späten Mittwochabend in den Katakomben des Giuseppe-Meazza-Stadions noch anders geklungen. „Ganz okay“ sei das Spiel seiner Mannschaft gewesen, hatte der BVB-Trainer zu Protokoll gegeben. Es war eine recht exklusive Sicht auf die Dinge, die der Schweizer äußerte. Im Internet tobte da längst schon der Mob - und Favres Sätze trugen nicht dazu bei, ihn wieder einzufangen oder zu beruhigen.

Eine Mischung aus Frust und Sarkasmus waberte durchs Internet. Der BVB habe wie die SG Wattenscheid 09 den Spielbetrieb eingestellt war dort zu lesen. Es wurde gefragt, ob es in der Champions League auch eine Teilnehmerurkunde gebe. Außerdem wurden Borussia Dortmund ein „konsequent verwalteter Rückstand“ und ein „blutleerer“ Auftritt attestiert. Ein anderer Nutzer schrieb, er habe schon das Gefühl, dass die Mannschaft für den Trainer spiele, „ich weiß nur noch nicht, wie er heißt“.

Eberl springt dem BVB-Trainer erneut zur Seite

Als sei das nicht alles schon genug, gab am Donnerstag dann auch noch Kevin Kuranyi bei „Sky“ zum Besten, dass Favre nicht zum BVB passe. Er war halt gefragt worden, warum auch immer. Einzig Max Eberl, Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor, der schon vergangene Woche Partei für seinen ehemaligen Trainer ergriffen hatte, stärkte dem Schweizer einmal mehr den Rücken. Die Kritik an Favre sei „definitiv überzogen“, erklärte Eberl in einem Interview mit der Telekom. „Der Saisonstart in diesem Jahr verlief nicht herausragend, aber auch nicht schlecht.“ Er wisse, sagte Eberl, „dass er mit Borussia Dortmund Deutscher Meister werden kann“. Die Qualität besitze er „zu einhundert Prozent“.

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Wie auch immer. Die Fürsprecher Favres werden weniger, intern wie extern. Und sie werden leiser, auch wenn Michael Zorc sich vor dem Spiel in Mailand noch einmal demonstrativ hinter den Trainer stellte und einmal mehr betonte, dass der BVB „keine Trainerdiskussion“ führe. Das Echo ist eindeutig: Der BVB-Trainer steht mit dem Rücken zur Wand - und die Bedeutung des Derbys am Samstag ist durch den enttäuschenden Auftritt der Borussia in Mailand noch ein bisschen größer geworden. „Ganz okay“, so viel scheint jedenfalls klar zu sein, sollte der Dortmunder Auftritt in Gelsenkirchen nicht geraten. Interpretation hin, Interpretation her. Es muss schon ein bisschen mehr sein.

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