Mit seiner Effizienz und der historisch-spektakulären Ausbeute als Einwechselspieler hat Paco Alcacer Bundesliga-Rekorde aufgestellt. Frei von Zweifeln bleiben die Diskussionen über den spanischen Torjäger trotz 18 Toren nicht.

Dortmund

, 02.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die anfängliche Unklarheit hatte sich bald erledigt. Bei seinem Nachnamen betont man die zweite Silbe, Paco Alcacer. Borussia Dortmunds Neuzugang vom FC Barcelona brauchte nicht lange, bis die gesamte Bundesliga seinen Namen kannte. In kürzester Zeit war er in aller Munde.

Einen Rekord nach dem anderen gesprengt

Der spanische Torjäger, Ende August 2018 nach Westfalen gelockt, sprengte einen Rekord nach dem anderen. Kein anderer Stürmer traf in der Bundesliga-Historie schneller, keiner war effizienter. Hier ein Statistik-Feuerwerk: Für seine 18 Saisontore benötige Alcacer nur 1212 Minuten, eine Vorlage hinzugerechnet ist er alle 60 Minuten an einem Treffer beteiligt. Hätte er bei gleichbleibender Quote in allen Ligaspielen über die komplette Distanz auf dem Rasen gestanden, wäre er bei 45 Saisontreffern gelandet.

BVB-Torjäger Paco Alcacer: Fabel-Fußballer oder verletzungsanfälliger Problemfall?

© Deltatre

Von seinen 52 Schüssen landeten lediglich 34 nicht hinter der Linie, überhaupt brachte es Alcacer nur auf sehr überschaubare 398 Ballkontakte. Und bei seinen 26 Einsätzen wurde er 15 Mal ein- und acht Mal ausgewechselt. Trotzdem war er zweitbester Torjäger der Liga. Zwölf Mal traf er als Joker. Zahlen aus dem Fußball-Wunderland.

Unsicherheit über Pacos Leistungsvermögen

Ein Fabel-Fußballer? Keineswegs. Francisco Alcacer Garcia (25) kam als verunsicherter junger Familienvater nach Dortmund, im Unklaren darüber, wie er seiner stockenden Karriere neuen Schwung verleihen könnte. Wenig, sehr wenig hatte er gespielt in den zurückliegenden Jahren beim FC Barcelona, sein wahres Leistungsvermögen vermochte niemand einzuschätzen.

Auch beim BVB herrschte eine gewisse Skepsis vor, man entschied sich sicherheitshalber, Alcacer zunächst nur auszuleihen. Aber das hatte sich bald erledigt. Nach acht Toren in seinen ersten sechs Einsätzen im schwarzgelben Trikot waren die meisten Zweifel verflogen.

BVB gewährt Alcacer Vertrauensvorschuss

Borussia Dortmund kündigte an, die vereinbarte Kaufoption ziehen zu wollen und legte etwas mehr als 20 Millionen Euro an Ablöse auf den Tisch – ein Schnäppchen im internationalen Transfermarkt, auf dem Offensivspieler mit dem gewissen Etwas zu den höchstgehandelten Typen zählen.

Und ein Entgegenkommen für den Torjäger, der auch zart besaitet wirkte und dem der Vertrauensvorschuss des Vereins sichtlich gut tat.

Viele Verletzungen behindern den Spielrhythmus

Alles eitel Sonnenschein also wie in seiner spanischen Heimat Valencia? Leider nein, wenn man die sportlich Verantwortlichen beim BVB auf Paco Alcacer anspricht. Zur Realität gehören nämlich auch sieben (!) Verletzungen, die den Torjäger immer wieder außer Gefecht setzten.

BVB-Torjäger Paco Alcacer: Fabel-Fußballer oder verletzungsanfälliger Problemfall?

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Muskuläre Probleme, Zerrungen, die physiotherapeutische und athletische Fachabteilung der Dortmunder bekam Alcacers Malaisen nicht in den Griff. Spielrhythmus, intensivere Arbeit am gemeinsamen Spielverständnis, Fitness für volle Verfügbarkeit – das konnte Alcacer nicht gewährleisten.

Götze verdrängt Alcacer aus der Startelf

Nach einem abermaligen Ausfall Alcacers, diesmal wegen einer Armverletzung, nutzte im Frühjahr Mario Götze endgültig seine Chance und verdrängte den spanischen Torero aus der Startelf. Ein Knipser, der 18 Buden macht und bei dem dennoch die restlose Überzeugung fehlt? Auch das gibt es offensichtlich.

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Alcacer schob Frust, erntete aber kein Mitleid. Im Gegenteil: „Mir sind Spieler lieber, die in solchen Situationen dann auch mal etwas unzufrieden sind“, erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. „Alles andere wäre ja merkwürdig.“


Perspektive für die Saison 2019/20:

Weil Alcacer nur Spanisch spricht, bleibt er schwer greifbar und verständlich. Trainieren oder spielen, duschen, schnell nach Hause – richtig heimisch geworden ist er noch nicht in Dortmund und beim BVB. Deswegen wird die Personalie Alcacer eine der spannenderen Fragen nach der Sommerpause.

Wird der Torjäger endlich einmal komplett fit? Kann er seine Treffer-Quote dann auch kontinuierlich abrufen? Wie viel Potenzial steckt noch im Zusammenspiel mit der dann fulminant aufgewerteten Offensivreihe der Borussia?

Sicher ist bislang nur, dass Alcacers Name in der Bundesliga gefürchtet wird. Und alle wissen, wie man ihn ausspricht.

BVB mit effektivstem Sturm der Liga
  • Dortmund war die Mannschaft mit den wenigsten Torschüssen durch Stürmer, nur 100-mal zielten die Angreifer in Richtung Tor.
  • Eiskalt im Abschluss: Dortmund hatte die effektivsten Stürmer der Liga. Durchschnittlich benötigten die Angreifer nur 4 Torschüsse für ein Tor.
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