BVB-Star Jadon Sancho spricht über seine Zukunft: Er will etwas ändern

dzBorussia Dortmund

Viel erreicht, aber noch längst nicht am Ziel, so sieht sich BVB-Star Jadon Sancho. Der flinke Dribbler von Borussia Dortmund will etwas ändern.

Dortmund/London

, 06.09.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist ein kurzer Flug, knapp eine Stunde dauert der Weg, und gleichzeitig eine Reise in die Vergangenheit. Immer wenn Jadon Sancho zur englischen Nationalmannschaft fliegt, bleibt ihm auch ein kurzer Moment des Innehaltens vergönnt inmitten der jetzt wieder beginnenden Terminhatz. Dann gibt es Gelegenheit zurückzuschauen und zu reflektieren. Der 20-jährige Londoner lernt zu schätzen, in welch komfortables Leben ihn der Profifußball gespült hat, er erinnert in der Heimat, wo er herkommt. Auch wenn er sich „in einer Million Jahre nicht erträumt“ hätte, dass aus dem kleinen Jadon aus dem übel beleumdeten Stadtteil Kennington ein international gefeierter Superstar werden könnte, will er sich mit dem Erreichten nicht zufriedengeben.

BVB-Profi Jadon Sancho will noch viel mehr erreichen

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„Wenn ich an alles zurückdenke, von wo aus ich gestartet bin und all die harte Arbeit, die ich hineingesteckt habe, dann fühlt es sich auch ein wenig so an, dass ich mir das alles verdient habe“, sagte Sancho jetzt in einem Interview mit „Soccerbible“. „Aber das bedeutet nicht, dass die Arbeit hier endet. Es gibt noch viel zu erreichen, viel zu gewinnen.“

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Er sei in einer rauen Gegend groß geworden, „dort wollte ich einfach nicht mehr weiterleben“, Bekannte aus Kennington seien im Gefängnis gelandet, der Alltag sei kompliziert gewesen. „Ich wusste nur, dass Fußball ein Ausweg sein könnte.“ Durch den Sport konnte er seiner Familie helfen und Sorge tragen, dass seine eigenen Kinder in der Zukunft dort nicht aufwachsen müssten.

BVB-Star Sancho: Vom Internatsschüler zum ManU-Wunschspieler

Sein weiterer Weg ist bekannt, als Siebtklässler wechselte Sancho zum FC Watford und verbrachte die Woche dort als Internatsschüler. Später folgten die Wechsel zu Manchester City und dann, 2017, zu Borussia Dortmund. Aktuell gehört Sancho zu den am teuersten gehandelten Fußballern der Welt, auch wenn sein Wechsel zu Manchester United in diesem Sommer krachend scheiterte.

Als Topspieler in der Bundesliga und Nationalspieler in England könnte das Gefühl aufkommen, an einem Ziel angekommen zu sein. Doch dieser Eindruck, diese Denkweise führe in die Irre, erklärte Sancho. „Niemals“, sagt er, „dies ist erst der Anfang.“

Jadon Sancho will sich keine Patzer mehr gestatten

Zu seiner Entwicklung, das hat sich der Tempodribbler vorgenommen, gehöre es auch, sich noch mehr auf das Leben als Leistungssportler zu konzentrieren und auch die kleinen Baustellen in seinem Leben zu schließen. Nicht immer in den vergangenen Jahren verhielt sich Sancho vorbildlich, er erhielt eine ganze Reihe an Strafen von seinem Klub Borussia Dortmund. Doch damit soll Schluss sein.

„Ich muss noch an einigen Dingen arbeiten“, betont Sancho. „Manchmal kam ich zu spät zum Training, weil ich ein Schlafproblem habe. Das gehört zu den Kleinigkeiten, wo ich professioneller werden und die Dinge richtig angehen muss.“ Er gebe sich Mühe, der Klub und die Mitspieler unterstützten ihn dabei.

Protz-Aktion von Sancho: BVB drückt beide Augen zu

„Wir haben in der Vergangenheit auch immer wieder mit Jadon persönlich gesprochen“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach der jüngsten Friseur-Eskapade im Juni. „Wir dürfen nicht vergessen, dass er ein sehr junger Spieler ist und Grenzen austestet. Ich habe ihn in der Vergangenheit nicht immer in Schutz genommen, ihn auch mehrfach sanktioniert.“ Mal musste sein Spieler bei einer Partie zuschauen, mal zu Beginn auf der Bank Platz nehmen. Bei einem Protz-Video samt Goldsteak im Winterurlaub drückte der Klub in der Öffentlichkeit beide Augen zu.

Doch allmählich scheinen die gebetsmühlenartigen Vorträge zu wirken. „Langsam aber sicher, während ich älter werde, lerne ich manches dazu“, sagt der beste BVB-Scorer der abgelaufenen Saison. Manche bescheinigten ihm ein reifes Auftreten, vielleicht auch durch seinen frühen Aufbruch in die große Fußballwelt bedingt. In Dortmund gilt er allerdings auch als „verpeilt“ und als leicht aufbrausend.

BVB unterstützt Jadon Sancho

„Jadon ist ein anständiger und guter Junge, aber er ist natürlich noch sehr, sehr jung“, erklärte Zorc. „Er ist sehr schnell groß geworden und testet ab und zu vielleicht auch die Grenzen aus – und dann sind wir dafür da, dann auch die Grenzen wieder zu setzen.“

Auf dem Fußballfeld sprengt Sancho diese Grenzen in schöner Regelmäßigkeit. Wenn er sein Vorhaben umsetzt, im privaten Leben professioneller zu werden, kann er als Mensch nur reifen, und damit letzten Endes auch als Spieler. Immer wenn er nach London reist, kann er sich dann auch daran erinnern, was er erreicht hat. Und es wird von mal zu mal mehr.

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