BVB-Sportdirektor Zorc über Akanji: „Konzentration ist der Schlüssel“

dzBorussia Dortmund

Stabiler Stammspieler seit dem Re-Start: Manuel Akanji (24) leistet wieder solide Abwehrarbeit. Sportdirektor Michael Zorc glaubt, den Grund dafür zu kennen.

Dortmund

, 08.06.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als knauserig gelten die Schweizer Nachbarn nicht unbedingt, doch beim BVB freute sich ein Quartett über den knappsten aller Siege. Ein 1:0, das heimliche Lieblingsergebnis von Lucien Favre, macht neben dem Trainer auch seine Landsleute froh. Die Torhüter Roman Bürki und Marwin Hitz allein aufgrund ihrer Aufgabenbeschreibung und auch deren Vordermann. An der Häufung von Spielen ohne Gegentor bei Borussia Dortmund, sieben aus 13 in der Rückrunde, hat auch Manuel Akanji (24) seinen Anteil.


Lob von Zorc: BVB-Verteidiger Akanji „wieder sehr solide“

„Die Mannschaft macht in der Abwehrarbeit - mit Ausnahme der letzten 30 Minuten in Leverkusen seit Monaten einen richtig guten Job“, lobte BVB-Sportdirektor Michael Zorc am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten die gesamte Elf. Im Detail galt das auch für Akanji: „Manuel war auch gegen Hertha wieder sehr solide.“

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Herausragende Daten unterfüttern dieses betont zurückhaltende Urteil: Neun von zehn Zweikämpfen gewann der Modellathlet in der Innenverteidigung, weder Herthas Sturmveteran Vedad Ibisevic noch der pfeilschnelle Dodi Lukebakio konnten ihn aus dem Konzept bringen. Außerdem brachte Akanji 92 Prozent seiner Pässe an den Mann – und dabei handelte es sich keineswegs nur um Sicherheitspässe. Den Schritt vor die Kette, hinein ins Mittelfeld, scheute er keineswegs.

Hemmt BVB-Abwehrchef Hummels den jungen Akanji?

Akanjis Rolle im Spielaufbau gefiel auch Zorc: „Er hat sich auch immer wieder mit dem Ball nach vorne getraut und schöne Pässe vertikal zwischen die Linien gespielt.“ Diese Qualität des Abwehrmannes bleibt oftmals verborgen, wenn er an der Seite des am Samstag gesperrten Mats Hummels spielt. Dann übernimmt der Weltmeister von 2014 wie selbstverständlich die Führungsrolle, und monatelang verfestigte sich der Eindruck, Akanji (Vertrag bis 2022) fühle sich von Hummels gehemmt. Denn der wurde ihm vor dieser Saison vorgesetzt, in der Abwehrreihe wie im Mannschaftsrat. Dann sollte der 22-fache Nationalspieler der Eidgenossen auch noch auf der ungeliebten rechten Außenverteidiger-Position aushelfen. Das ging erwartbar schief.

Die Entwicklung Akanjis, der in Dortmund nach seiner Verpflichtung im Januar 2018 einen steilen Aufstieg und danach, womöglich auch bedingt durch hartnäckige Hüftbeschwerden, eine lange anhaltende Phase der Stagnation auf niedrigerem Niveau erlebte, gab Rätsel auf. Er habe, sagte er im Winter-Trainingslager in Marbella nach reiflicher Überlegung, „nicht ganz die Ziele erreicht, die ich mir vorgenommen habe“.

Akanji fehlte die Konstanz beim BVB

Dem frisch gebackenen Vater, der mit Tempo, Athletik und Spielverständnis viele Tugenden eines modernen Innenverteidigers innehat, fehlte die Konstanz. Immer wieder brachte er sich mit teilweise haarsträubenden Eigenfehlern um die ersehnte Souveränität. Haften blieb das Urteil, Akanji erlaube sich zu viele Patzer, er werde mit seinen Leistungsschwankungen zum Unsicherheitsfaktor. Das galt auch in der Hinrunde der laufenden Saison, an deren Ende er mit Dan-Axel Zagadou um einen Startelfplatz kämpfen musste und kurzzeitig ins Hintertreffen geriet.

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Zu den absoluten Vielspielern zählt Akanji dennoch. Nur Achraf Hakimi (3347 Minuten), Roman Bürki Roman Bürki (3130) und Mats Hummels (3123) haben mehr Einsatzzeit auf dem Konto als der Schweizer, der in genau 3100 Minuten auf dem Platz stand. Daten eines absoluten Stammspielers also, der mit seinem RN-Notenschnitt von 3,54 allerdings deutlich hinter Hummels (2,74) und dem seit April verletzten Zagadou (2,86) liegt. Dass in der schwächeren Bewertung auch ein zwischenzeitlicher Verlust in der Wertschätzung liegt, lässt sich nicht von der Hand weisen.

Borussia Dortmund: Fehlerquote von Akanji sinkt

Gründe für die Höhen und Tiefen, vor allem für die anfangs unerklärlichen Aussetzer, sind lange und intensiv gesucht worden. Nicht alle (Vor-)Urteile fielen zu seinen Gunsten aus, doch an einem Thema, der vermeintlichen Schwäche, eine konstant hohe Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, ist offensichtlich intensiv gearbeitet worden. Seit dem Re-Start der Bundesliga spielt Akanji fokussiert, meist über die gesamten 90 Minuten. Seine Fehlerquote ist massiv gesunken, erst zwei Gegentore in den fünf Spielen seit Mitte Mai – ein Zaubertor von Joshua Kimmich, ein Strafstoß in Paderborn – geben der Abwehrarbeit im Gesamtbild und auch Akanji im speziellen Auftrieb. Die gedankliche Schärfe trägt definitiv ihren Teil dazu bei.

Nach dem 1:0 gegen Hertha lobte Sportdirektor Zorc: „Manuel hat hoch konzentriert gespielt. Das ist auch der Schlüssel bei ihm.“

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