Gehaltsobergrenze im Fußball? BVB-Sportdirektor Zorc hat Bedenken

dzBorussia Dortmund

Michael Zorc versteht die Kritik am Fußball. Der BVB-Sportdirektor übt trotzdem auch Kritik an den Kritikern und hat Bedenken bezüglich einer Gehaltsobergrenze.

Dortmund

, 09.05.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Michael Zorc hätte nichts gegen eine Gehaltsobergrenze im Fußball, er glaubt nur nicht so recht daran. „Ein Salary Cap?“, sagt der BVB-Sportdirektor im Gespräch mit dieser Redaktion, „prinzipiell herzlich gerne, aber das geht dann nur im europäischen Konsens und vor dem Hintergrund europäischer Rechtsprechung“. Der Wunsch nach einer Gehaltsobergrenze sei „ja Teil einer grundsätzlichen Diskussion, die Anleihen am nordamerikanischen Profisport nimmt“, sagt der 57-Jährige.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc will kein US-Modell in Europa

Doch Zorc äußert allerdings große Bedenken, ob ein solches Modell im europäischen Fußball umsetzbar wäre. „Wir reden beim US-Sport über ein Franchise-System“, sagt er. „Das bedeutet unter anderem, dass der sportliche Wettbewerb in weiten Teilen ausgeschaltet wird, es gibt zum Beispiel keinen Auf- und keinen Abstieg, um die wirtschaftliche Planbarkeit für alle sicherzustellen. Dort ziehen Klubs auch einfach mal um und ändern ihren Namen. Man stelle sich vor, der BVB würde seine Franchise-Lizenz verkaufen, seinen Namen ändern und plötzlich irgendwo in Niederbayern spielen.“

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Ein sogenannter Salary Cap fand zuletzt immer wieder den Weg in die öffentliche Debatte über den Fußball. So hatte beispielsweise Christian Seifert, der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erklärt: „Wenn es möglich ist, Managergehälter zu deckeln, dann muss es auch möglich sein, Gehälter von Beratern und Spielern zu deckeln.“

DFL-Chef Seifert prangert Beratertum an

Seifert ist derzeit auf der Suche nach Antworten auf die Frage, die er selbst öffentlichkeitswirksam platziert hat. „Was der Fußball in den letzten Jahren falsch gemacht?“ Es geht ihm dabei vor allem auch um die Frage, warum der Bundesliga und dem Profifußball in den vergangenen Wochen so viel öffentliche Kritik entgegengeschlagen ist. Einen entscheidenden Ansatzpunkt sieht Seifert laut eigener Aussage „an der Schnittstelle Sport und Wirtschaft“. Es gehe um hohe Spielergehälter, aber auch um „schamlos zur Schau gestellten Reichtum, Ablösesummen sowie Berater, die Millionen kassieren für einen Musterarbeitsvertrag, den sie bei uns aus dem Internet herunterladen können. Und das einfach nur deshalb, weil sie den richtigen Dreiundzwanzigjährigen kennen“.

Michael Zorc will an dieser Stelle nicht widersprechen. „Wir müssen ja gar nicht darüber diskutieren“, sagt er, „dass es kein Zeichen von Bodenständigkeit ist, wenn man sich ein Goldsteak bestellt und das auch noch postet – dazu gibt es keine zwei Meinungen.“ Trotzdem wünscht er sich in der Bevölkerung einen differenzierten Blick auf die Dinge und auf die Fußballbranche. „Der vielfach kolportierte Eindruck, dass 450 Bundesligaprofis ständig Goldsteaks essen und sich auch sonst nicht ordentlich benehmen, der trägt doch Züge genau jener Oberflächlichkeit, die man an unserer Branche so gerne kritisiert.“

BVB-Sportdirektor Zorc stört Pauschalkritik am Fußball

Zweifelsfrei werde es laut Zorc für die Bundesliga und den Profifußball zukünftig darum gehen, „unserer Vorbildfunktion insbesondere bezogen auf untere Spielklassen und Jugendmannschaften verstärkt gerecht zu werden“. Die teilweise geübte Pauschalkritik der vergangenen Wochen stört ihn trotzdem: „Ich habe bei aller berechtigten Kritik ehrlich gesagt den Eindruck gewonnen, dass der Fußball aus der einen oder anderen Interessensgruppe heraus latent mit pauschalen Vorurteilen konfrontiert wurde. Einfach, weil es gerade dem Mainstream entsprach und selten wirklich sachlich unterfüttert.“ Er habe immer schon gerne darauf verwiesen, „dass der Fußball ein Spiegelbild der Gesellschaft ist und er sowohl die guten als auch die schlechten Facetten abbildet. Zugegeben, manchmal in beide Richtungen mit extremeren Ausschlägen“.

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