BVB-Sorgenkind und Immer-Spieler: Wie Manuel Akanji von mehr Konkurrenz profitieren kann

dzBorussia Dortmund

Kein BVB-Spieler stand in dieser Saison länger auf dem Platz als Manuel Akanji. Trotzdem muss er um seinen Platz kämpfen. Für den Verteidiger womöglich eine wichtige Erfahrung.

Dortmund

, 03.02.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

In punkto Schlagfertigkeit macht ihm kaum einer etwas vor. Wie beim Kopfrechnen knüpft Manuel Akanji im Nu die Gedankengänge zusammen und verblüfft postwendend mit Antworten. Ob er denn jetzt, wo in Emre Can noch ein weiterer Defensivspezialist beim BVB zum Kader gehöre, noch dazu ein deutscher Nationalspieler mit hohen Ansprüchen, um seinen Stammplatz fürchte? Die ebenso zügige wie kurze und scheinbar selbstbewusste Replik kam als Gegenfrage verkleidet: „Sollte ich?“

Akanji leistet sich beim BVB folgenschwere Patzer

Über die zutreffende Einschätzung lässt sich trefflich diskutieren. Einen Konsens würde wohl allemal die von Akanji selbst eingeräumte minimal-kritische Bewertung der ersten Halbserie dieser Spielzeit erreichen, als er sagte, er habe „seine persönlichen Ziele nicht immer erreicht“, wie er im Winter-Trainingslager in Marbella erklärte. Seine Folgerung lautete, „mit Vollgas“ in die Rückrunde zu starten.

BVB-Sorgenkind und Immer-Spieler: Wie Manuel Akanji von mehr Konkurrenz profitieren kann

© Deltatre

Doch ganz so schnell schießen die Preußen nicht, da ticken sie womöglich anders als die Eidgenossen. Im Fachmagazin „kicker“ wurde er noch vorige Woche als „Sorgenkind“ tituliert sowie als „Rätsel und Risiko zugleich“ beschrieben. Diese Redaktion empfahl nach einem abermals von Unsicherheit und einem groben Aussetzer geprägten Spiel beim FC Augsburg vor zwei Wochen dringend eine Verschnaufpause für Akanji. Um den Kopf freizubekommen. Um sich zu besinnen. Gladbach, Freiburg, Frankfurt, Hoffenheim, Augsburg - allein im Herbst 2019 reihten sich die Spiele mit mehr oder weniger kapitalen und folgeschweren Schnitzern beklagenswert schnell aneinander. Seine Durchschnitts-Noten sanken inzwischen ab auf 3,5 (Ruhr Nachrichten) oder sogar 3,8 (kicker), Tendenz fallend.

BVB-Trainer Favre lässt Akanji nicht fallen

Er habe gelernt, betonte Akanji noch im Oktober, dass man „abschalten“ müsse. Bei Fehlern verhalte es sich so: „Wenn man zu lange darüber nachdenkt, dann hat das auf die folgenden Aktionen direkt einen Einfluss. Deswegen“, so seine Logik, „muss man es abhaken.“ Tatsächlich lief es aber so, dass unglückliche Aktionen von Situationen mit Pech abgelöst wurden und irgendwann zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung wurden.

„Konkurrenz ist immer da, jetzt kommt noch einer mehr dazu.“
Manuel Akanji

Trainer Lucien Favre verfuhr, teils auch mangels Alternative, nach der Devise, Akanji die Möglichkeit zu vielen folgenden Aktionen zu geben. Er ließ seinen Landsmann immer spielen. Wirklich immer. Kein anderer Borusse stand in der Bundesliga länger auf dem Platz als die 1636 Spielminuten von Akanji. Auch im DFB-Pokal fehlte er nicht, in den sechs Champions-League-Spielen verpasste er nur schmale 16 Minuten, als er in Mailand kurz vor Schluss ausgetauscht wurde.

Etwa in der Bundesliga gibt es auch Zahlen, die Favres Festhalten und Akanjis nimmer nachlassendem Selbstbewusstsein Futter geben. 93 Prozent Zuspielquote, 60 Prozent gewonnener Zweikämpfe, nur neun Fouls in 19 Spielen. Noch dazu wird er mit mehr als 33 km/h als schnellster Innenverteidiger des BVB notiert. 1,87 Meter groß, dabei muskulöse 85 Kilogramm schwer, robust und widerstandsfähig, dazu ausreichend flott auf den Beinen und in der Hintermannschaft theoretisch auf jeder Position einsetzbar. Taktisch geschult, für sein junges Alter reichlich erfahren. Etwas wendiger könnte er sein, etwas standhafter gegen flinke und dribbelstarke Gegenspieler - und vor allem fehlerfreier. Akanji bringt das sämtliche Rüstzeug für einen Innenverteidiger von gehobenem internationalen Format mit.

Akanji legt beim BVB einen steilen Aufstieg hin

Er hat das ja auch schon in Dortmund bewiesen in seinem bärenstarken ersten Jahr. Am 15. Januar 2018 vom FC Basel verpflichtet, legte Akanji einen steilen Aufstieg hin. Leistungsträger, Chefstratege in der Abwehr, nach schmalen neun Monaten bereits durfte er, der Verpflichtungen und ein direktes Wort nicht scheut, die Kapitänsbinde überstreifen. Er gilt als eine bald ganz große Nummer, als BVB-Sportdirekter den damals 23-Jährigen daraufhin über den grünen Klee lobt: „Er ist einer, der in der Mannschaft und auf dem Platz Verantwortung übernimmt.“ Stabilität, Kommandos, alles klar mit Akanji.

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Im Kalenderjahr 2019 allerdings verstetigte sich der Abwärtstrend. Anstatt an der Seite des hoch dekorierten Mats Hummels Halt zu gewinnen, verlor er selbigen. Aus dem innersten Kreis des Mannschaftsrates herauszurutschen, wirkte als die Spirale beförderndes Signal.

Akanji sieht eine Entwicklung in die richtige Richtung

Jetzt aber ist ja 2020. Und Akanji will die Trendwende schaffen. Für sich persönlich, und mit der Mannschaft. Die ersten Anzeichen dafür sieht er. Endlich mal blieb der BVB gegen Union Berlin ohne Gegentor. „Ich würde sagen, wir haben gut verteidigt, von vorne bis hinten. Deswegen haben wir zu Null gespielt“, erklärte der Innenverteidiger. Dem es nach eigener Einschätzung nichts ausmacht, ob er in der hintersten Reihe links, rechts oder mittig postiert ist. Wichtiger ist ihm, dass der Hochsicherheitstrakt vom Gegner möglichst unangetastet bleibt. Und das sah er zuletzt gegeben. „Wir haben gegen Köln und auch gegen Union insgesamt einen guten Job gemacht. Das entwickelt sich in die richtigen Richtung.“

BVB-Sorgenkind und Immer-Spieler: Wie Manuel Akanji von mehr Konkurrenz profitieren kann

Spielt bislang eine durchwachsene Saison: Manuel Akanji (r.). © imago / Jan Huebner

An den Konzentrationsmängeln, die er selber wie die gesamte Mannschaft nicht abstreiten kann, lässt sich arbeiten, auch wenn Akanji betont, dass es „schwer“ sei, das Level über 90 Minuten „immer ganz hoch“ zu halten. Konstanz ist ja gerade das, was vonnöten ist. Für die Borussia, um Titel zu gewinnen. Für Akanji, um irgendwann auch extern in den Regionen von Innenverteidigern gelistet zu werden, für die er sich prädestiniert sieht.

Akanji sieht beim BVB keinen Grund, um seinen Platz zu fürchten

Wettbewerb im eigenen Haus könnte da genau der richtige Weg sein. Wenn nur die Leistung auf dem Platz zählt. „Konkurrenz ist immer da, jetzt kommt noch einer mehr dazu“, sagte Akanji dann auf die Frage nach der Auswirkung des Neuzugangs Emre Can. „Ich gebe jedes Mal Gas und sehe keinen Grund, um meinen Platz zu fürchten. Ich muss versuchen, meine beste Leistung zu bringen, dass der Trainer keine andere Wahl hat als mich aufzustellen.“

Wenn Akanji auf diese Ansagen mit Taten genauso prompt reagiert wie auf Fragen oder Kopfrechenaufgaben, wäre der BVB eine Sorge los. Andernfalls wäre er selber seinen Stammplatz los.

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