BVB-Profi Thomas Delaney: „Wir sollten nicht in einer anderen Welt leben“

Borussia Dortmund

Thomas Delaney benennt die Probleme beim BVB. Was seine persönliche Zukunft angeht, möchte er erstmal abwarten – und zum Thema Corona-Impfungen hat er eine klare Meinung.

Dortmund

, 10.02.2021, 19:56 Uhr / Lesedauer: 4 min
BVB-Profi Thomas Delaney (l.) ist ein Freund der klaren Kante.

BVB-Profi Thomas Delaney (l.) ist ein Freund der klaren Kante. © picture alliance/dpa

Thomas Delaney ist selten um Klartext verlegen. Auch nicht am Mittwochabend, als der 29-jährige Däne in einer virtuellen Medienrunde über die aktuelle Lage bei Borussia Dortmund spricht. Natürlich geht es um die Krise beim BVB, aber nicht nur.


Das sagt BVB-Profi Thomas Delaney über...

… die Aussprache nach dem Freiburg-Spiel: „Die Details muss Edin Euch erzählen, aber ich kann sagen, dass der Trainer sehr ehrlich zu uns war. Zu uns als Spieler, aber auch zu uns als Mannschaft. Manchmal braucht es auch Ehrlichkeit und direkte Kommunikation, wenn man sich verbessern will.“


… Kritik innerhalb der Mannschaft an Edin Terzic: „Den Eindruck, dass es bei uns kritischer zugehen müsste, kann ich nicht teilen. Ich finde, Edin ist ein guter Trainer. Seriös, sehr kommunikativ. Er sagt ganz deutlich, was der Plan ist und was er von uns erwartet. Natürlich ist er jung und sucht seinen Weg. Aber ich denke, wir machen es mit Blick auf die Besprechungen und die Analysen gut. Ich mag den Weg, den er geht.“


… das, was besser werden muss beim BVB: „Ein Problem, das wir haben, ist, dass wir als Mannschaft ungeduldig sind. Es geht schnell, dass wir frustriert sind. Darüber haben wir geredet. Unsere Reaktion auf das, was im Spiel passiert, ist manchmal zu negativ. Wir müssen positiver bleiben. Frustration gehört dazu, wenn Dinge nicht funktionieren, aber wir müssen uns öfter daran erinnern, dass wir die Dinge ändern können, wenn etwas nicht klappt. Mir fehlen ein bisschen die Gelassenheit und diese jugendliche Mentalität, dass wir sagen: ‚Okay, egal. Wir sind Super-Spieler, warum sollen wir nicht gewinnen?‘ Das fehlt uns im Moment ein bisschen.“


… das taktische System: „Wir haben das System häufiger gewechselt, auch schon unter Lucien Favre. Ich glaube persönlich, dass wir mit einer Viererkette die meiste Ruhe haben und die meisten Offensivspieler reinbringen können. Natürlich gibt es auch Spiele, wo wir mit einer Dreierkette verteidigen können oder müssen, aber ich glaube, wenn es normal läuft, sollten wir so viele Offensivspieler reinbringen wie möglich.“


… seine Rolle in der Mannschaft: „Ich bin zum BVB gewechselt, um Fußball zu spielen und nicht zu schauen. Mit meinen Einsatzminuten bin ich sehr zufrieden, auch mit meiner Rolle in der Mannschaft. Ich sehe mich schon als Führungsspieler. Das mag ich. Es ist nicht meine erste Phase als Profi, in der die See für meinen Klub ein bisschen rauer ist. Diese Erfahrung haben nicht alle jungen Spieler bei uns, auch wenn sie unglaublich talentiert sind. Mats Hummels, Marco Reus, Emre Can – es ist wichtig, dass wir die Verantwortung auf die Schultern der erfahrenen Spieler heben. Wir sind in einem großen Verein, viele Menschen erwarten viel von uns. Das kann auch hart sein.“

BVB-Profi Thomas Delaney: „Wir sollten nicht in einer anderen Welt leben“

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… den Ernst der Lage – und ob alle BVB-Spieler ihn verstanden haben: „Ich glaube, jeder weiß, worum es geht. Jeder weiß, dass wir mindestens die Champions League erreichen müssen. Vielleicht sind nicht jedem die Konsequenzen bewusst, wenn wir es nicht schaffen, aber es ist das klare Ziel, dass wir immer in der Königsklasse dabei sind. Das hat jeder in der Mannschaft verstanden.“


… sein Spiel vor der Abwehr: „Ich mag meine Aufgabe auf dem Platz hier in Dortmund. In der Nationalmannschaft spiele ich offensiver, eher als Achter. Ich habe kein Problem damit, mit Julian Brandt, Marco Reus oder Giovanni Reyna auf den Zehnerpositionen vor mir zu spielen. Wenn wir mit vier Spielern hinten spielen, haben wir im Mittelfeld den Platz, um mehr offensive Spieler reinzubringen. Bei einer Dreier- bzw. Fünferkette ist das anders. Ich fühle mich jedenfalls nicht allein als einziger Sechser.“

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… die Intensität und Qualität im Training: „Meine Meinung ist, dass wir nach dem Stuttgart-Spiel (1:5 und Trainerwechsel, Anm. d. Redaktion) etwas verändert haben im Training. Es ist ein Thema, dass wir gut trainieren müssen, um gewinnen zu können. Wir brauchen Mentalität im Training, bevor sie in den Spielen zeigen können. Ich finde, wir haben das verbessert. Aber natürlich müssen wir bei unseren vielen Spielen einen gesunden Mittelweg finden. Grundsätzlich mag ich hartes Training. Aber wir haben darüber geredet und seit Stuttgart ist die Intensität im Training besser geworden.“


… die mannschaftliche Geschlossenheit beim BVB: „Wir könnten ein paar soziale Events wie beispielsweise einen gemeinsamen Restaurant-Besuch oder Go-Kart-Fahren sicherlich gut gebrauchen. Aber das könnten viele Mannschaften. Ich habe vor ein paar Tagen noch mit Manuel Akanji darüber geredet. Im Sommer haben wir hoffentlich wieder die Zeit dafür. Wir sind viel zusammen im Moment, aber auch weit voneinander weg. Wir können nach dem Training nicht zusammen rausgehen oder einen Kaffee trinken gehen. Es ist intensiv, aber alles auf Abstand. Das ist aber nicht nur für uns ein Problem, sondern für alle Mannschaften. Du brauchst als Mannschaft einfach auch gemeinsame soziale Erlebnisse. Trotzdem glaube ich nicht, dass wir beim Thema Teamgeist und mannschaftliche Geschlossenheit ein grundsätzliches Problem haben.“


… Druck, Frust und Erwartungshaltung: „Wir versuchen, alles zu geben. Unsere Ziele sind ganz klar. In der Bundesliga sieht es aktuell nicht gut aus. Es gibt vorne ein paar Teams, die im Moment stabiler sind als wir. Aber trotzdem: Wir sind im Pokal noch dabei, auch in der Champions League sehe ich eine gute Chance gegen Sevilla. Es ist nicht alles katastrophal, auch wenn wir mit dem Saisonverlauf in der Bundesliga nicht zufrieden sein können. Aber es gibt schon noch viel zu erreichen.“


… die Frage, ob Profifußballer früher geimpft werden sollten: „Wenn meine Zeit kommt, dann lasse ich mich auf jeden Fall impfen. Aber wir sind noch nicht dran. Es läuft doch gut in unserer Corona-Schutzblase aktuell. Es ist wichtig, dass wir als Fußballer nicht in einer anderen Welt leben. So wichtig ist Fußball nicht. Wir müssen einfach warten, bis unsere Zeit des Impfens kommt – so wie alle anderen Menschen auf der Welt auch. Meine Meinung ist ganz klar, dass wir nicht früher geimpft werden sollten als andere.“


… seinen Vertrag bis Sommer 2022 und seine Zukunftspläne: „Ich bin sehr zufrieden bei Borussia Dortmund. Wir stehen gerade ein bisschen zwischen den Stühlen. Wir haben den Trainer gewechselt und es ist noch nicht klar, wie es ab Sommer weitergeht. Wir werden frühestens über weitere Pläne reden, wenn sich die Zukunft ein bisschen klarer abzeichnet. Das ist natürlich auch wichtig für mich. Wie gesagt, ich bin nicht nur zum Fußballschauen hier, ich will spielen. Wenn ein Trainer kommt, der sagt: ‚Tut mir leid, Thomas, ich habe bessere Spieler gefunden‘ - dann muss ich überlegen, was passiert. Aber im Moment bin ich sehr zufrieden, wie es beim BVB für mich persönlich läuft. Fragt mich daher am besten nochmal, wenn wir mit der Saison durch sind und die Zukunft ein bisschen geklärter ist.“

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