Jeremy Toljan beim BVB: Ein Missverständnis, das niemand kommen sah

dzBorussia Dortmund

Jeremy Toljan zieht es in die Serie A. Der Defensivspieler ist nie angekommen beim BVB. Es ist das Ende eines sportlichen Missverständnisses, das in dieser Deutlichkeit niemand kommen sah.

Dortmund

, 10.07.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahl unter dem Schlussstrich fällt ernüchternd aus: Mickrige 23 Pflichtspieleinsätze für die erste Mannschaft von Borussia Dortmund stehen für Jeremy Toljan zu Buche. In der vergangenen Saison, als er in der Rückrunde an Celtic Glasgow ausgeliehen war, prangt bei den Einsätzen gar eine fette Null. Zwei Kaderplätze, am zehnten Spieltag in Wolfsburg und am letzten Gruppenspieltag der Champions League in Monaco, das war es dann.

Toljan wechselt auf den letzten Drücker zum BVB

Nun nimmt Toljan, 24 Jahre alt und immerhin U21-Europameister von 2017, einen neuen Anlauf. In Italien soll alles besser werden. Nächste Haltestelle: Sassuolo Calcio, Serie A. Ein Leihgeschäft mit Kaufoption soll es werden, Toljan ist für die Vertragsgespräche vom BVB-Trainingsbetrieb freigestellt. Es ist das Ende eines sportlichen Missverständnisses, das in dieser Deutlichkeit niemand kommen sah.

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Rückblick: In der Saison 2017/2018 wechselt Toljan auf den letzten Drücker von der TSG Hoffenheim zu Borussia Dortmund. Der BVB überweist rund sieben Millionen Euro in den Kraichgau und verleiht Felix Passlack an die TSG.

BVB-Geduld mit Toljan ist am Ende

Borussia Dortmund verkündet das damals alles nicht ohne Stolz. Toljan hat bei der U21-EM in Polen auf der rechten Abwehrseite überzeugt, BVB-Sportdirektor Michael Zorc nennt ihn einen „der Garanten für den Titelgewinn der deutschen U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft“. Steffen Freund, Toljans ehemaliger Trainer im DFB-Nachwuchsbereich, sieht in ihm „ein herausragendes Talent“, mit dem man Geduld haben müsse. Toljan sei seiner Meinung nach „in zwei, drei Jahren der beste Rechtsverteidiger in Deutschland“.

Jeremy Toljan beim BVB: Ein Missverständnis, das niemand kommen sah

Unter Peter Stöger stand Toljan zehnmal hintereinander in der Startelf. © imago

Knapp zwei Jahre später ist die Geduld am Ende und das vielversprechende Transfer-Konstrukt von einst, das auf den ersten Blick jede Menge Gewinner vermuten ließ, liegt in Trümmern. Passlack nimmt bei Fortuna Sittard in den Niederlanden nach zwei frustrierenden Jahren in Hoffenheim und Norwich den nächsten Anlauf, um im Profifußball anzukommen, Toljan zieht es nach einem halben - halbwegs erfolgreichen - Jahr in Schottland weiter in Richtung Italien.

Unter Stöger steht Toljan zehnmal hintereinander in der Startelf

Toljan beendet das Kapitel Borussia Dortmund vermutlich lieber gestern als heute. Dabei hatte es einmal kurz den Anschein gehabt, als würde es vielleicht doch klappen mit ihm und dem BVB. Zwischen dem 16. und dem 23. Spieltag der Saison 2017/2018, als Peter Stöger auf Peter Bosz folgte, stand der gebürtige Stuttgarter wettberbsübergreifend zehnmal hintereinander in der Startelf.

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Der BVB startet in die zweite Vorbereitungswoche

Im Februar 2018 erklärte er im Interview mit dieser Redaktion, es sei zu Beginn in Dortmund nicht einfach gewesen für ihn. Es sei sein erster großer Wechsel gewesen und er hätte keine Vorbereitung mit den neuen Teamkollegen gehabt. „Du musst direkt spielen, obwohl du die Jungs noch gar nicht wirklich kennst und nichts hast, an dem du dich irgendwie festhalten kannst. Deswegen war der Start nicht einfach.“ Doch das sei endlich vorbei. „Ich bin angekommen. Ich glaube, es dauert einfach ein bisschen, wenn man in eine neue Gruppe reinkommt und alle kennenlernen muss. Es ist wirklich ein Prozess. Sowas braucht Zeit. Zumindest war es bei mir so. Aber wie gesagt, jetzt bin ich angekommen.“

Im Sommer 2019 würde er diese Worte so vermutlich nicht mehr in den Mund nehmen.

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