BVB präsentiert sich souverän - und doch ist mehr Courage Pflicht

dzKommentar

Der BVB hat im Titelrennen nach dem Re-Start noch keine Federn gelassen, die echte Reifeprüfung folgt aber erst am Dienstag. Dann ist mehr Courage Pflicht.

Dortmund

, 24.05.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Spiele ohne Fans, unter sterilsten Bedingungen und mit den Unwägbarkeiten der fehlenden Atmosphäre liegen nun hinter Borussia Dortmund. Das zunächst verschwommene Bild wird allmählich klarer.

Der BVB hat das Revierderby beeindruckend souverän gewonnen, der BVB hat auch das erste schwierige Auswärtsspiel nach dem Re-Start der Bundesliga gewonnen. Die Mannschaft blieb in beiden Partien ohne Gegentor, sie schoss sechs eigene Treffer. Soweit die beruhigenden Fakten.

Allzu viele Chancen werden für den BVB nicht mehr kommen

Alles scheint somit bereit für das mit Spannung erwartete Gipfeltreffen mit Tabellenführer Bayern München am Dienstag. Die Pflicht, bis dahin keine Federn zu lassen, um dann in den 90 Minuten die wohl einmalige Chance zu haben, das Titelrennen in der Bundesliga mit einem Sieg wieder richtig spannend zu machen, hat Lucien Favres Mannschaft erfüllt. Streckenweise mit Bravour, am Samstag in Wolfsburg nicht ohne einen zwischenzeitlichen Hänger. Aber vielleicht kam der sogar nicht ungelegen. Sie wissen schon: Um die „Sinne noch einmal zu schärfen“, wie Trainer und Profis dann gerne sagen.

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Auf die Frage, wie sich Borussia Dortmund ohne die Atmosphäre in den Stadien, ohne Unterstützung der Gelben Wand und der immer zahlreich mitreisenden Auswärtsfans schlagen wird, hat die Mannschaft streckenweise bemerkenswerte Antworten gegeben. Zwei Mal aber haben auch die Bayern geliefert, nachdem die Borussia jeweils vorgelegt hatte. Das konnte man einerseits erwarten, bedeutet aber andererseits dennoch zwei weitere verpasste Chancen. Allzu viele werden nicht mehr kommen für die Borussia.

Der BVB spielt auch ohne Fans souverän

Wer die Partien der beiden Konkurrenten verfolgt hat, dem dürfte eins aufgefallen sein: Spielerisch unterlegenen Gegnern fällt es deutlich schwerer, ohne den Faktor Fans und Stimmung die eigenen Grenzen zu überschreiten und damit für dieses eine Mal für eine Überraschung in Frage zu kommen. Schalke war davon meilenweit entfernt. Wolfsburg fand 45 Minuten ebenso wenig statt und musste dann feststellen, dass sich das erhöhte Risiko danach nicht auszahlen sollte. Wie aus dem Lehrbuch war der Dortmunder Konter zum 2:0 gespielt, der BVB nutzte die eine Nachlässigkeit im Wolfsburger Umschaltverhalten nach Ballverlust gnadenlos aus. So, wie die Bayern es bei Union Berlin gemacht hatten, oder auch am Abend im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt.

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Überraschungen werden wohl selten bleiben für den Rest der Saison, umso größer ist die Bedeutung des Heimspiels gegen die Bayern am Dienstag. Dort muss Borussia Dortmund liefern, dort muss die Mannschaft - diese Prognose ist nicht allzu weit hergeholt - ein Spiel nahe an der Perfektionsgrenze hinlegen.

BVB sorgt sich um Hummels

Sorgen bereitet in Dortmund nach wie vor die Anfälligkeit für Verletzungen. In Wolfsburg musste Mats Hummels zur Pause passen, die Achillessehne ist gereizt. Etliche Spieler klagen über muskuläre Beschwerden, nachdem die Körper so abrupt wieder auf Höchstleistungen getrimmt werden mussten. Wie fragil die Abwehrformation ohne den erfahrensten Spieler war, zeigte der VfL in den ersten 25 Minuten nach dem Seitenwechsel auf. Wohl jeder Bayern-Spieler hätte aus der Wolfsburger Großchance in der 49. Minute mehr gemacht als Renato Steffen.

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So bleibt trotz der ersten Erkenntnisse nach über zwei Monaten ohne Pflichtspiel noch eine gute Portion Ungewissheit. Und es bleiben einige Fragen: Wie viele Spieler mit Rückstand nach Verletzungen kann der BVB in der Startformation vertragen? Wie viel Risiko ist Lucien Favre bereit zu gehen, taktisch und personell? Wie wirkt sich der fehlende Support und damit quasi der Wegfall des Heimvorteils aus, wenn der Gegner ebenbürtig oder vielleicht sogar stärker ist?

Mehr Courage ist für den BVB gegen München Pflicht

Klar ist:Nur ein Sieg hilft dem BVB am Dienstag wirklich weiter. Doch bevor das hier zu negativ klingt: Verstecken muss sich die Borussia am Dienstag nicht. Darf sie sich allerdings auch nicht. Deutlich mehr Courage als im Herbst in München ist schon Pflicht.

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