BVB-Offensivspieler Julian Brandt überzeugt auf neuer Position auch als Kämpfer

dzBorussia Dortmund

Julian Brandt muss viele Wochen darauf warten, beim BVB im Zentrum spielen zu dürfen. Beim 2:1 in Berlin gefällt Borussia Dortmunds Neuzugang mit der Kugel - und als Kämpfer.

Berlin/Dortmund

, 02.12.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fußballer reden gerne davon, dass sie das Glück erzwingen wollen. Grundsätzlich ist das eine interessante Theorie, deren Stichhaltigkeit man auch mal anderweitig überprüfen müsste. Aus Sicht von Julian Brandt wurde sein Trainer am Wochenende zum Glück gezwungen. Weil nach Thomas Delaney (Bänderriss) auch Julian Weigl (muskuläre Probleme) passen musste und Mahmoud Dahoud als weiterer Mittelfeldspieler gerade wenig Vertrauen genießt, beorderte Lucien Favre Julian Brandt ins Spielzentrum. „Für mich“, sagte Brandt nach seiner starken Leistung beim 2:1 in Berlin, „war das top.“

BVB-Trainer Favre spricht von Traumkombinationen

Mit dem Nationalspieler im Mittelpunkt des 3-4-3-Systems blühte in der ersten halben Stunde Borussia Dortmunds Kombinationsspiel wieder auf. Es habe „gut funktioniert“, befand Brandt. „Ich mag es gerne, wenn ich viele Spieler um mich herum habe.“ Er selber hatte seine Füße oft im Spiel, wenn der Ball über mehrere Stationen geradlinig nach vorne getragen wurde, er sorgte auch für das vertikale Spiel, dass dem BVB-Spiel manchmal fehlte.

„Hätten wir mit elf Mann zu Ende gespielt, wäre es auch ein gutes Fußballspiel geblieben.“
Julian Brandt

Wie er nach einer Viertelstunde nach Ballablage von Marco Reus nach vorne marschierte, das Auge für den durchstartenden Jadon Sancho hatte und dazu noch das perfekte Timing beim Pass erwischte, das gehörte schon zur gehobenen Fußballkunst. Favre sprach von „Traumkombinationen“.

Meist beteiligt: Julian Brandt. „Wir haben Tore geschossen, waren viel im Ballbesitz, wir waren ruhig und geduldig. Das sind alles positive Aspekte. Hätten wir mit elf Mann zu Ende gespielt, wäre es auch ein gutes Fußballspiel geblieben.“ Das Bemerkenswerte am Auftritt der Borussen in Berlin zeigte jedoch der zweite Teil der Analyse. In Unterzahl - nach der Ampelkarte gegen Mats Hummels - wehrten sich auch Dortmunds Feinfüßer und Offensivgeister nach Kräften gegen Herthas nominelle Übermacht.

Favre findet lobende Worte für Brandt

Nicht in ihrem fußballerischen Stammbereich, sondern als kampfeslustige Verteidigungskünstler. Beispiel Brandt: Er spielte nicht nur die meisten Pässe (62; 58 kamen an) und gewann am Boden 57 Prozent seiner Zweikämpfe. Er spulte auch die meisten Meter ab beim BVB, 12,35 Kilometer standen am Ende auf dem Zähler, und noch dazu legte er diese Distanz mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit zurück. „Er hat sehr gute Fortschritte gemacht in der Defensive“, lobte Favre.

BVB-Offensivspieler Julian Brandt überzeugt auf neuer Position auch als Kämpfer

© Deltatre

„Ich hatte kein Problem damit, die Position in der zweiten Hälfte defensiver zu interpretieren, um mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen“, sagte er. Das darf man auch so erwarten im Mannschaftsport Fußball, doch Selbstverständlichkeiten hat Borussia Dortmund in den vergangenen Wochen ja mehrfach außer Kraft gesetzt. Sich mit allen Männern erfolgreich gegen den Punktverlust gestemmt zu haben, sei „wichtig für die Köpfe“, ergänzte Brandt noch.

Brandt: „Keiner will Unruhe im Verein“

In den nächsten Tagen, hofft er, werde es wieder etwas ruhiger werden beim BVB, der in den Diskussionen über die Trainerfrage zu ersticken drohte. „Es geht nicht nur um den Trainer, sondern um den ganzen Verein. Die Fans nähren sich durch diese Siege, die waren sehr glücklich. Keiner will Unruhe im Verein. Keiner macht das extra. Die einzige Antwort, die wir geben können, ist, wieder Spiele zu gewinnen und zu überzeugen.“ Bis zur Winterpause sollen viele Siege folgen, „damit wir uns noch in eine gute Position bringen“.

Apropos Position: Zu seiner Perspektive ließ sich Brandt nur dies entlocken: „Ich hoffe, dass Julian Weigl wieder gesund wird. Aber ich biete mich jederzeit an.“

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