Nico Schulz hat sich in den vergangenen Monaten zum Stammspieler im DFB-Team entwickelt. Dennoch weiß man noch nicht allzu viel über den BVB-Neuzugang. Eine Annäherung.

Dortmund

, 14.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Als typischer Fußballprofi ging Nico Schulz noch nie durch. Auf Glitzer und Glamour legt er keinen Wert, sein Äußeres und sein bescheidenes Auftreten würden manche vielleicht sogar langweilig nennen. Schulz macht nicht viel Aufhebens um seinen Status, auch jetzt nicht, wo er in der Nationalmannschaft durchgestartet ist und als Vereinsfußballer vor dem nächsten großen Karriereschritt steht: dem Wechsel zu Borussia Dortmund.

Wechsel zum BVB ist für Schulz ein logischer Schritt

Sein Weg, so scheint es, folgt einem klaren Plan, die Zusage an den BVB ist der nächste logische Schritt. „Die Chance, zur Nationalmannschaft eingeladen zu werden, ist für einen Stammspieler von Borussia Dortmund größer als für einen Stammspieler der TSG Hoffenheim“, sagte er jetzt in einem Interview mit dem Magazin „11 Freunde“. Schulz beschreibt sich als einen „klar strukturierten Menschen“, der ungern zu spät komme. „Ich takte mein Leben so, dass ich immer zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle bin.“ Und als solcher Mensch macht man sich auch wohl deutlich mehr Gedanken darüber, wie eine Karriere sich weiterentwickeln soll als manch anderer.

„Ich takte mein Leben so, dass ich immer zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle bin.“
Nico Schulz

Berlin, Gladbach, Hoffenheim, jetzt Dortmund. Der Weg des Nico Schulz ging allerdings nicht immer so schnurstracks geradeaus, wie die Auflistung seiner Stationen als Profi vermuten lässt. Die Gladbacher Zeit sorgt für eine Delle, und die hatte am Rande auch mit Lucien Favre zu tun. Favre war Trainer der Fohlen, Schulz im Sommer 2015 ein Neuzugang, der allerdings Probleme hatte, sich zu akklimatisieren. Erst am fünften Spieltag ließ ihn Favre von der Leine. 20 Minuten dauerte seine Premiere. Noch in der Nacht schmiss der Trainer nach der sechsten Niederlage hintereinander die Brocken hin. „So ist Favre als Typ, er sagte, dass er sich nicht mehr als der richtige Trainer für unsere Mannschaft empfindet.“ Für Schulz ging es niederschmetternd weiter. Kreuzbandriss im Oktober, das frühe Saisonaus. Rückkehr zur neuen Saison, doch Fuß fasste er in Gladbach nicht. Über 90 Minuten spielte erst am 31. Spieltag, und am Ende dieser Saison, sagte er bei „11 Freunde“, da „habe ich gemerkt, dass Gladbach mich loswerden wollte.“

Schulz sagt Liverpool ab

Schulz hat nach seiner schweren Verletzung nicht den Glauben an sich verloren. „Im Endeffekt sind genau das die Situationen, aus denen du gestärkt hervorgehst“, sagt er. Der Wechsel zur TSG Hoffenheim im Sommer 2017 erwies sich als Glücksgriff. Unter Trainer Julian Nagelsmann holte er sich das taktische Rüstzeug, um sich auf der Position links an der Außenbahn deutlich weiterzuentwickeln. „Er verlangt viel, das ist viel zu komplex, um es mal eben so zu erklären. Viele Neuzugänge hatten am Anfang Probleme, auch ich habe Zeit gebraucht.“ Doch Nagelsmann gab ihm das Vertrauen, das er in Gladbach so vermisst hatte.

BVB-Neuzugang Nico Schulz ist gespannt auf die Zusammenarbeit mit Lucien Favre

Schulz (r.) sagt über Julian Nagelsmann: „Er verlangt viel, das ist viel zu komplex, um es mal eben so zu erklären.“ © imago

Der Weg in eine Profikarriere war beim gebürtigen Berliner früh vorgezeichnet. Schon mit sieben Jahren verließ er seinen Heimatverein BSC Rehberge und wechselte in die Jugendakademie der Hertha. Dort machte er seinen Weg und fiel weiter auf - auch über deutsche Grenzen hinweg. Mit 15 wollte ihn der FC Liverpool verpflichten, doch das gewohnte Berliner Umfeld mochte er damals noch nicht verlassen. Er blieb der Hertha treu, wurde dort Bundesliga-Spieler. Jetzt, mit 26, darf er sogar auf Titel schielen, auch deshalb entschied er sich, die TSG für Borussia Dortmund zu verlassen.

Schulz ist gespannt auf Favre

Privat erdete ihn die Geburt seiner zwei Kinder und veränderte auch die Sicht aufs Profidasein. „Fußball“, gestand er unlängst in einem Gespräch mit dem DFB-Magazin, „ist nicht mehr das Wichtigste in meinem Leben.“ Aber natürlich weiter ein bedeutender Teil. Jetzt dürften ein paar mehr Spiele unter Favre hinzukommen, darauf freut er sich. „Er trainiert eine Mannschaft mit großer individueller Qualität und Kreativität“, sagt Schulz. „Ich bin gespannt, was er uns mit auf den Weg gibt.“

Schulz nimmt sich selbst nicht allzu wichtig, hat aber genug Selbstvertrauen gesammelt, um davon überzeugt zu sein, dass es auch im deutlich besser besetzten Kader der Borussia einen Platz für ihn gibt. Er wechsele nicht, „um nur auf der Bank zu sitzen“, hat er Journalisten während der letzten Nationalmannschafts-Zusammenkunft verraten. So ist auch nicht der Plan. Der Mann mit dem Bundesliga-Top-Speed von 35 km/h soll Feuer entfachen auf der linken Außenbahn.

Ein Selfie mit Andrea Pirlo

Und vielleicht sorgen spektakuläre Auftritte im schwarzgelben Trikot ja bald dafür, dass sich Andrea Pirlo an eine Begegnung mit Nico Schulz zurückerinnert. Vor fünf Jahren traf der Neu-Dortmunder, der einen italienischen Vater hat, den langjährigen Spielgestalter des AC Mailand zufällig auf Ibiza - und fragte ganz ungehemmt nach einem Selfie. „Das war für meinen Papa“, sagt Schulz. „Ich stand am Anfang meiner Karriere. Er musste mich damals nicht kennen.“ Das könnte sich bald ändern.

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