BVB-Neuzugang Brandt: Die wissen, wie ich Fußball spiele

Emotionales Wiedersehen

Julian Brandt erlebt ein emotionales Wiedersehen mit seinem Ex-Klub Leverkusen. Der BVB-Neuzugang erwischt beim 4:0 einen schwachen Tag - lässt sich davon aber nicht runterziehen.

von Leon Elspaß

15.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Neuzugang Brandt: Die wissen, wie ich Fußball spiele

Julian Brandt bedankt sich nach seiner Auswechslung bei den BVB-Fans. © imago

Es gab eine Szene Ende der ersten Hälfte, die beschrieb den Gesamtvortrag von Julian Brandt sehr gut. Dortmunds Belegschaft raffte sich gerade zum fixen Konterangriff auf, startete tief aus der eigenen Hälfte. Von der linken Seite sollte der kurz zuvor gewonnene Ball auf die halbrechte verlagert werden, Marco Reus und Jadon Sancho waren dort positioniert, Paco Alcacer zudem weiter vorn. Doch die Kugel erreichte keinen der drei genannten Spieler, weil der deutlich schlechter postierte Brandt eingriff und den Ball letztlich verstolperte. Der Konter war verhindert, vom eigenen Mann. Und Sünder Brandt, dem in diesem Moment der Rundumblick gefehlt hatte, blieb kurz stehen, raufte sich die blonden Haare.

Brandt erwischt einen gebrauchten Tag

Ehe er durch Thorgan Hazard nach 61 Minuten abgelöst wurde, spielte der ehemalige Leverkusener gegen seine alten Kameraden arg unterdurchschnittlich, fiel im Vergleich zu seinen aktuellen Kollegen deutlich ab. Während die schon erwähnten Reus, Sancho und Alcacer nach schwächerer Anfangsphase das schwarzgelbe Angriffsspiel merklich belebten und mit Tempo, feinen Kombinationen sowie dem nötigen Drang zum Tor unmittelbar an allen vier Treffern beteiligt waren, blieb Brandt ohne entscheidende Aktion, ohne geistreiche Finte - und ohne Glück. Denn der 23-Jährige versuchte zwar fiel, besetzte mal den linken Offensivkorridor und wechselte dann ins Zentrum oder die rechte Angriffsseite, doch nirgendwo mochte ihm an diesem Tag etwas wirklich außerordentlich gelingen.

BVB-Neuzugang Brandt: Die wissen, wie ich Fußball spiele

© Deltatre

Dass er in der 24. Minute aus kurzer Distanz an Leverkusens herausragend reagierendem Torhüter Lukas Hradecky scheiterte, passte ins Bild. Und so war es nur folgerichtig, dass Lucien Favre seinen 25 Millionen Euro teuren Neuzugang nach gut einer Stunde vom Platz holte. Das erste Zusammentreffen mit seinem Ex-Klub war damit frühzeitig beendet.

Brandt verweist auf besondere Konstellation

„Ich hatte viel im Hinterkopf“, erklärte Brandt später, viele Leverkusener, die gleichfalls auf dem Rasen standen, würden ihn „seit vier, fünf Jahren“ kennen. „Die wissen, wie ich Fußball spiele, die wissen auch ganz genau, was ich in manchen Situationen mache.“ Deshalb sei sein schwächerer Leistungsnachweis auch auf die „besondere“ Konstellation zurückzuführen. „Ich glaube, es ist grundsätzlich für jeden Spieler schwer, gegen seinen Ex-Klub zu spielen.“ Das, so Brandt, solle gewiss „keine Entschuldigung“ sein. Es hätte „sicherlich“ auch „ein paar unkonzentrierte Momente“ in seinen Aktionen gegeben. Aber, darauf bestand er dann doch: „Es ist schon ein Unterschied für mich, ob ich gegen Leverkusen oder Frankfurt spiele.“

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Dass er nach seiner Auswechslung am Fanblock der Bayer-Fans vorbeigehen musste und ihm dort einige wüste Beschimpfungen entgegenschlugen, nahm der Nationalspieler hingegen locker. „Wenn so ein Wechsel zustande kommt, gibt es immer ein paar, die damit nicht einverstanden sind“, sagte Brandt. „Das ist normal.“ Und ändere nichts an seiner generellen Zuneigung gegenüber Bayer Leverkusen, diesem Klub, dem er ab Januar 2014 angehört hatte. „Ich werde immer positiv über den Verein sprechen und ihm immer dankbar sein“, betonte der Dortmunder Neuling. „Wenn das ein paar mir gegenüber nicht sind, dann ist das nicht schlimm.“

Brandt: „Sicherlich war nicht alles top“

Durchaus erfreut äußerte er sich über die Performance des BVB. Der überzeugende 4:0-Triumph darf als jene Trotzreaktion gewertet werden, die nach dem enttäuschenden 1:3 gegen Union Berlin von Fans und Experten gefordert und von den Protagonisten ausgerufen worden war. „Sicherlich war nicht alles top“, bilanzierte Brandt. Dass sich der Ballbesitzanteil des BVB gegen die spielstarken Leverkusener zuweilen nahe der 30-Prozent-Marke befand, „ist kein Spektakel“. Darüber hinaus hätten sie allerdings „sicherlich einiges richtig gemacht, gerade vor dem Tor“, so der Offensivspieler.

BVB-Neuzugang Brandt: Die wissen, wie ich Fußball spiele

Applaus für BVB-Neuzugang Julian Brandt. © imago

Mit dem deutlichen Erfolg im Kreuz am Dienstag gegen den FC Barcelona ins Königsklassen-Duell zu ziehen, sei dabei ein großer Vorteil. „Es ist sicherlich gut, Rückenwind zu haben - und frontal nicht nur auf die Fresse zu bekommen“, sagte Brandt und bezog sich damit auf die während der Länderspielpause nicht abklingende Kritik an der schlaffen Dortmunder Vorstellung gegen den 1. FC Union.

Brandt hofft auf Messi-Einsatz

Dass die Katalanen bei ihrer nun anstehenden Dienstreise in den Westen Deutschlands höchstwahrscheinlich auf Superstar Lionel Messi verzichten müssen, den immer noch eine Wadenverletzung an seiner Jobausübung hindert, bedauerte Brandt. „Ich würde mich freuen, wenn er spielt“, bekräftigte er. „Wir sind da, um gegen die Besten zu spielen.“ Bestenfalls dann wieder in eigener Bestform.

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