BVB-Kapitän Marco Reus (M.) ist noch immer die zentrale Figur im Mittelfeld. © imago images/Sven Simon
Borussia Dortmund

BVB-Mittelfeld im Check: Das Herzstück und Taktgeber im Rose-System

Das Mittelfeld von Borussia Dortmund, es ist das Herzstück im System von Marco Rose. Unterschiedliche Spielertypen geben ihm viele verschiedene Möglichkeiten - wenn sie denn fit sind. Der Mittelfeld-Check.

„Wir haben jetzt natürlich keinen Jadon Sancho mehr, der nach innen zieht und abschließt“, sagte Marco Rose während des Trainingslagers in Bad Ragaz im Interview mit den Ruhr Nachrichten. Und ein Ersatzmann kam auch nicht mehr hinzu, trotz aller Bemühungen der BVB-Verantwortlichen. Der Transfer von Callum Hudson-Odoi scheiterte letztlich am Veto von Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel, auch andere Transfergerüchte verpufften. Also ging Borussia Dortmund ohne solch einen Mittelfeld-Spielertypen in die Saison. Andere BVB-Profis sollten die Lücke stopfen. Das gelang zumindest in Teilen. Der Mittelfeld-Check.

BVB-Außenspieler Hazard findet zu alter Stärke zurück

Einer, der dafür noch am ehesten prädestiniert ist, ist Thorgan Hazard. Er kommt dem Spielstil von Jadon Sancho wohl noch am nächsten. Er ist schnell, sucht gerne das 1-gegen-1, ist dribbelstark. All diese Qualitäten ließ er im ersten Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt aufblitzen – und fiel dann mit einer Sprunggelenksverletzung mehrere Wochen aus. Danach kam er nur schwer in Tritt, fand in den letzten Partien aber wieder zu alter Stärke und Spielfreude zurück. Zwei Treffer gegen Ingolstadt, einer gegen Köln. In Leipzig musste er dann plötzlich als Linksverteidiger ran.

Auch, weil Marius Wolf verletzt ausfiel. Der Allrounder hat sich aus dem Schatten hervorgespielt und war besonders wegen seiner Flexibilität und seines Einsatzwillens von großer Wichtigkeit für Marco Rose. Überall dort, wo er gebraucht wurde, sprang er ein. Wie gegen Augsburg, als Wolf vorne links angefangen und hinten rechts aufgehört hat. Gegen Ajax hatte er Antony lange Zeit richtig gut im Griff, doch dann reihte auch er sich in die vielen Muskelverletzten ein. Ein bitterer Rückschlag für ihn, nachdem er offensichtlich endlich Fuß gefasst hatte beim BVB.

BVB erwartet sehnsüchtig die Rückkehr von Giovanni Reyna

Der Name Giovanni Reyna taucht auch auf der Verletztenliste auf. Das ist insofern bitter, weil es gerade in der Vorbereitung den Anschein machte, als hätte der BVB-Youngster sein Tief aus der letzten Saison überwunden. Er wirkte frisch und spielfreudig, offensiv lebte er sich flexibel im Rautensystem aus – die Achterposition schien wie gemacht zu sein für ihn. Doch bislang konnte er sie bloß fünfmal (Supercup mit eingeschlossen) bekleiden, dann kam die Verletzung. Seine Rückkehr wird sehnsüchtig erwartet, doch man wird sich beim BVB wohl noch gedulden müssen.

Der „Fünfkampf um die Sechs“ war vor der Saison bei Borussia Dortmund ausgerufen worden. Doch Thomas Delaney ergriff frühzeitig die Flucht in Richtung Sevilla und auch sonst wurde es nie zu einem echten Kampf, da Emre Can seit der EM immer wieder mit Muskelproblemen zu kämpfen hat, Jude Bellingham aufgrund anderer Ausfälle auf den Halbpositionen gebraucht wird, Axel Witsel anfänglich als Innenverteidiger aushelfen musste und Mahmoud Dahoud mittlerweile auch zum Lazarett gehört. Bedeutet: Derjenige, der fit war, spielte.

Dahoud gibt dem BVB-Spiel Struktur, Witsel verlangsamt es

Anfänglich war das vor allem Dahoud, der von seinen Attributen her am besten zum von Rose gewünschten Spielstil passt. Aggressiv und verbissen in der Defensivarbeit, schnörkellos im Spielaufbau. Dahouds erster Blick nach Ballgewinn geht immer sofort nach vorne. Das prägt das Spiel des BVB, macht es schnell und unberechenbar.

Im Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon musste Mahmoud Dahoud verletzt runter und fehlt dem BVB seitdem. © imago images/Sven Simon © imago images/Sven Simon

Anders sieht das aus, wenn wie zuletzt häufig Axel Witsel die Position vor den Innenverteidigern einnimmt. Das Spiel verändert sich sichtlich, es wird langsamer. Witsel ist auf Sicherheit bedacht und meidet den risikobehafteten Pass. Das kann phasenweise wichtig und richtig sein, auf Dauer bremst es jedoch das offensiv geprägte Spiel von Borussia Dortmund.

Jude Bellingham ist für Borussia Dortmund unverzichtbar

Die Rolle von Jude Bellingham hat sich im Vergleich zur vorherigen Saison ein wenig gewandelt. Seine Position ist in der Ausrichtung ein wenig offensiver angelegt, Rose vertraut nicht nur in die enorme Laufleistung und das kampfintensive Spiel des jungen Engländers, der schon mit etlichen Grätschen das Stadion zum Kochen gebracht hat. Sondern eben auch in seine Fähigkeiten mit dem Ball. Schon jetzt steht der 18-Jährige bei zehn Scorerpunkten, einem mehr als in der gesamten vergangenen Spielzeit. Die Zahlen und Eindrücke zeigen: Bellingham ist für den BVB unverzichtbar geworden.

Julian Brandt wurde zu Saisonbeginn zwar kurzzeitig von einer Corona-Infektion etwas nach hinten geworfen, hat den Neustart unter Marco Rose und somit auch in Dortmund aber zumindest erfolgreich eingeläutet. „Die zwei Ausfallphasen, die ich hatte, passten mir nicht so gut in den Kram. Aber ich habe es so angenommen und ich glaube, dass ich jetzt wieder in einen Fluss komme, wo ich mir mehr Selbstvertrauen hole und Dinge mir auch leichter fallen.“ Das ist durchaus ersichtlich. Der 25-Jährige ist deutlich stabiler geworden in seinen Leistungen, glänzte bereits als Torschütze und Vorlagengeber und hat auch in der Arbeit gegen den Ball zugelegt. Die Berufung zur Nationalmannschaft ist die Belohnung.

BVB-Kapitän Reus ist der verlängerte Arm von Marco Rose

Und Marco Reus? Der nimmt im System von BVB-Trainer Marco Rose wohl die wichtigste Rolle im Mittelfeld ein. Er ist nicht nur als Kapitän in der verantwortungsvollen Rolle das Spiel zu lenken, er ist auch der verlängerte Arm des Trainers. Schon gegen Frankfurt hat er in Abstimmung mit seinem Coach das System kurzerhand geändert. Und auch sonst ist Reus enorm wichtig für den BVB. Er ist der Mann für den letzten oder oftmals öffnenden, vorletzten Pass, 9 Scorerpunkte hat er schon auf der Habenseite in der Liga. Und das Wichtigste: Er ist fit und gesund. Der Verzicht auf die EM und die daraus resultierende komplette Vorbereitung mit dem BVB war offensichtlich die richtige Entscheidung. Auch, wenn er zuletzt auf dem Zahnfleisch ging.

Dann gibt es noch einen im Team, den hatte BVB-Trainer Rose vor der Saison noch als internen Sancho-Ersatz auserkoren. „Wir werden mit Ansgar Knauff daran arbeiten, dass er sich in diese Richtung entwickelt.“ Schon damals war klar, dass die Fußstapfen wohl zu groß sein dürften für den 19-Jährigen. Das hat sich bewahrheitet. Zu mehr als ein paar Kurzeinsätzen hat es bislang noch nicht gereicht. Anders sieht das bei Reinier aus. Der Brasilianer und der BVB – es bleibt nach wie vor ein großes Missverständnis, das spätestens im kommenden Sommer enden wird.

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