BVB-Leihspieler Marius Wolf: Zwischen Quarantäne und Trainerwechsel

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Marius Wolf ist vom BVB an Hertha BSC ausgeliehen. In der Hauptstadt sorgt aber nicht nur die Corona-Pandemie für Chaos. Wolf fühlt sich trotzdem wohl.

Dortmund

, 10.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sieben Spieler hat Borussia Dortmund aktuell verliehen, wie es mit ihnen weitergeht, ist angesichts der allgemein im Profifußball gestoppten Transfer-Aktivitäten offen. In unserer kleinen Serie beleuchten wir, ob sich die Leihgeschäfte des BVB gelohnt haben – und wie die Perspektiven der einzelnen Spieler sind. In diesem Teil: Marius Wolf.

BVB-Leihspieler Wolf: Der Mann in der häuslichen Quarantäne

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So langsam wird es zur Routine. Häusliche Quarantäne. Mal wieder. Marius Wolf kennt sich damit mittlerweile aus. Erst musste er zu Hause bleiben, weil einer seiner Mitspieler bei Hertha BSC positiv auf das Coronavirus getestet worden war, nun hatte er erneut Kontakt zu einer infizierten Person. Und deswegen heißt es für Wolf eben, einmal mehr für 14 Tage in den eigenen vier Wänden zu bleiben, obwohl die Mannschaftskollegen die Trainingsarbeit auf dem Rasen allmählich wieder aufnehmen.

Wolf nimmt es mit Humor und macht das Beste aus der undankbaren Situation. „Ich könnte Rennrad-Profi werden“, hat er dem „Berliner Kurier“ erzählt. Genug Zeit für das Ergometer hat er ja im Moment. Und wenn in die Pedale treten nicht mehr reicht, dann geht’s auch schon mal im Treppenhaus auf und ab. „Da muss man kreativ sein. Das ist zwar sehr laut, aber bisher hat sich noch niemand beschwert“, sagt der gebürtige Coburger. Und dann legt er seinen Nachbarn eine Tafel Schokolade vor die Tür, die er in diesen Tagen einkaufen lassen muss, weil er selbst nicht vor die Tür darf.

Corona-Krise und Trainerwechsel sorgen für Chaos in Berlin

Die Corona-Krise ist gewissermaßen der Zielsprint des wilden Ritts, den Wolf seit vergangenem September in der Hauptstadt durchlebt. Irgendwas war immer, seit der 24-Jährige im Sommer 2019 auf den allerletzten Drücker auf Leihbasis zur Alten Dame nach Berlin wechselte. Erst hieß der Trainer Ante Covic, dann wollte Jürgen Klinsmann aus der Hertha in Windeseile und mit Windhorst einen „Big City Club“ formen, verabschiedete sich im Februar allerdings schon wieder per Facebook, dann stand Alexander Nouri an der Seitenlinie. Dann kam das Coronavirus - und die Quarantäne. Mittlerweile heißt der Hertha-Chefcoach Bruno Labbadia.

Wolf scheint das unter dem Strich alles nicht allzu viel auszumachen. Vielleicht wird der Zielsprint ja noch zum Dauerlauf. Er findet es nämlich schön in Berlin. „Ja, ich habe große Lust zu bleiben“, sagte er zu Beginn des Jahres im Interview mit dem „Berliner Kurier“ auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, über den Sommer hinaus für die Hertha zu spielen. „Ich fühle mich wohl in der Stadt, im Team, im Verein. Das ist das Wichtigste für einen Spieler. Ich denke, wir werden eine gute Lösung finden.“ Das war allerdings vor der Corona-Pandemie.

BVB-Leihspieler Wolf könnte zu teuer für die Hertha sein

Und genau deswegen könnte es schwierig werden mit einer „guten Lösung“. Die Hertha besitzt die Möglichkeit, Wolf im Sommer per Kaufoption fest an den Klub zu binden, es wäre allerdings eine teure Geschichte. Die Ablösesumme läge bei 20 Millionen Euro. Die Hertha hat dank der Millionen von Investor Lars Windhorst zwar vermeintlich viel Geld, aber in Berlin wird der Gürtel ab sofort trotzdem sehr eng geschnallt. Betriebsbedingte Kündigungen werden immerhin ausgeschlossen, aber die Mitarbeiter des Klubs befinden sich seit April in Kurzarbeit.

Das Problem mit der Ablösesumme ließe sich vermutlich durch Verhandlungen mit dem BVB, wo eine sportliche Perspektive für Wolf aktuell nicht wirklich wahrscheinlich erscheint, aus der Welt räumen. Das zweite Problem, vielleicht schwieriger zu lösen, wäre Wolfs Gehalt. Denn der Flügelspieler, dessen Marktwert auf acht Millionen Euro geschätzt wird, verdient beim BVB rund fünf Millionen Euro. Die Verhandlungsposition für Wolf und Berater Roger Wittmann war günstig, als Wolf 2018 von Eintracht Frankfurt zu Borussia Dortmund wechselte. Nach einem starken Jahr bei der Eintracht inklusive DFB-Pokal-Triumph war er ein gefragter Mann in der Bundesliga. Noch dazu war Wolf ablösefrei zu haben. Das trieb das Jahressalär in die Höhe.

BVB-Leihspieler Wolf muss wohl Abstriche beim Gehalt akzeptieren

Und Wolf unterschrieb für fünf Jahre bei Borussia Dortmund. Sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2023. Ob er nach der Corona-Krise noch einmal einen Vertrag angeboten bekommt, der ihm jährlich fünf Millionen Euro garantiert, lässt sich aktuell nicht seriös prognostizieren, Zweifel scheinen aber durchaus angebracht.

Eine Entscheidung, ob es für Wolf, der bislang wegen einer Gelb-Rot-Sperre nur eine Partie für die Hertha verpasste, in Berlin weitergeht, ist noch nicht gefallen. Er sagt: „Wir haben bisher wegen der Krise noch nicht weiter gesprochen. Derzeit gibt es Wichtigeres. Wenn es einen Zeitpunkt gibt, an dem klar ist, dass es weitergeht, werden die Gespräche geführt.“

Wolf könnte für den BVB zur finanziellen Belastung werden

Der BVB dürfte den Ausgang dieser Gespräche gespannt verfolgen. Denn der Wolf-Transfer aus dem Jahr 2018, der vor der Corona-Pandemie eigentlich keine wirklichen Risiken mit sich brachte, könnte nun tatsächlich noch zu einer finanziellen Belastung werden. Nämlich dann, wenn sich nach der Corona-Krise zunächst kein Klub mehr finden sollte, der bereit ist, auf Wolfs Gehaltsforderungen einzugehen.

Ein weiteres Leihgeschäft könnte zumindest ein wenig Abhilfe leisten. Oder Wolf müsste einen zweiten Anlauf beim BVB nehmen. Zumindest für den Fall, dass Lucien Favre Trainer in Dortmund bleibt, scheinen die Erfolgsaussichten allerdings nicht allzu groß zu sein. Die offensiven Außenbahnen sind mehr als prominent besetzt – und auch für den Platz hinten rechts in der Abwehr heißen die Dortmunder Wunschkandidaten nicht Marius Wolf.

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