BVB läuft Gefahr, den guten Eindruck der Rückrunde vollends zu verspielen

dzBorussia Dortmund

Der BVB gibt beim 0:2 gegen Mainz ein erschreckendes Bild ab. Ist die personell gebeutelte Mannschaft in der Lage, in Leipzig eine Reaktion zu zeigen? Zweifel sind erlaubt.

Dortmund

, 19.06.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In die (in Internetzeiten) übliche Häme und den Spott nach einer Leistung, die Sportdirektor Michael Zorc zutreffend als „eigentlich indiskutabel“ bewertete, mischte sich nach dem 0:2 der Dortmunder Borussia gegen Kellerkind Mainz aus bestimmten Ecken der Republik auch Empörung. Sogar von „Wettbewerbsverzerrung“ war zu lesen. In der Tat hatte der BVB indirekt Einfluss genommen auf die Entscheidung über Klassenerhalt und Abstieg. Da, wo es noch spannend zugeht in der deutschen Bundesliga.

So registrierte man in Düsseldorf die Dortmunder Niederlage mit Verwunderung, in Bremen herrschte regelrechtes Entsetzen. Allerdings, auch da lag Zorc richtig, müsse man über den inakzeptablen Spannungsabfall bei der Borussia zwar sehr wohl reden, aber: „Das ist keine Geschichte, wo ein anderer Klub auf uns zeigen sollte.“ Wem nach 34 Spieltagen die Punkte fehlen, der hat es in der Tat in erster Linie selbst verbockt.

BVB zeigt gegen Mainz die schwächste Saisonleistung

Nach der wohl schwächsten Saisonleistung könnte es allerdings auch gut sein, dass am Ende Borussia Dortmund Punkte fehlen. Zur Vize-Meisterschaft, die das Minimalziel für den nationalen Wettbewerb darstellt. Platz zwei ist wieder in Gefahr durch die „Peinlich-Pleite“ („Bild“). Was nach dem Absturz aller Systeme gegen Mainz eine weitere Pleite am Samstag in Leipzig bewirken würde, darüber kann man derzeit nur spekulieren. Trainer Lucien Favre wusste am späten Mittwochabend, was die Stunde geschlagen hatte. „Das war eine große Enttäuschung“, meinte er zerknirscht, und der Blick auf die Tabelle verdeutlichte auch ihm noch einmal: „Wir können es uns nicht erlauben, so nachzulassen.“

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Für wen es in diesem Spiel wirklich noch um etwas ging, das war im fast leeren Signal Iduna Park von Beginn auch akustisch eindeutig zu identifizieren. Jede gelungene Ballaktion der Mainzer wurde von der eigenen Ersatzbank lautstark begleitet, jeder gewonnene Zweikampf bejubelt. Der Funke sprang sofort aufs Feld über: Mainz war hellwach, super-aggressiv unterwegs und durfte mit jeder Minute das stärker werdende Gefühl als Rückenwind verbuchen, dass beim Gastspiel gegen den großen Favoriten tatsächlich etwas auf dem Tablett bereitlag.

BVB offenbart gegen Mainz haarsträubende Lücken

Fast logisch, dass nach 34 Minuten nicht der BVB den neuen Torrekord bejubelte, sondern die Gäste ihre Führung - und der frech aufspielende Torschütze Jonathan Burkardt seinen ersten Bundesliga-Treffer. Ihm vorausgegangen war eine Fehlerkette der Borussia, die mehrere Spieler bildeten. Auch das 0:2 vier Minuten nach Wiederanpfiff wurde begünstigt von BVB-Fehlern im Zweikampf- und Abwehrverhalten.

„Bei uns hatte ich das Gefühl, dass der ein oder andere schon im Urlaub ist.“
Michael Zorc

Anders als beim 1:0 in Düsseldorf am vergangenen Wochenende, als Borussia Dortmund ähnlich harmlos in der Offfensive unterwegs war, stimmte diesmal auch die Arbeit gegen den Ball nicht. Haarsträubende Lücken boten Mainz große Gelegenheiten, gefährlich nach vorne vorzustoßen. Immer mutiger und zielstrebiger wurden die Gäste mit dem offenen Spielverlauf. Auch Favre prangerte die schlechte defensive Abstimmung an: „Das geht so nicht gegen einen Gegner, der sehr athletisch ist und viel Power hat“, meinte er.

Mainz läuft neun Kilometer mehr als der BVB

Da war eine Mannschaft, die unbedingt wollte und dafür alles gab, und da war eine, die ihre Motivation nie fand an diesem Abend, die ausgelaugt und überspielt wirkte. „Man hat gemerkt, um was es für sie geht“, ärgerte sich Zorc. „Bei uns hatte ich das Gefühl, dass der ein oder andere schon im Urlaub ist.“

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Neun Kilometer mehr als die Borussia liefen die Gäste - und steckten auch so manche Unsportlichkeit einiger in den schwarzgelben Trikots weg. Bei mehreren harten Fouls und einer leichten Tätlichkeit von Raphael Guerreiro zeigte der BVB, wie gefährlich hoch der Frustrationspegel angestiegen war. Es war ein Gesicht, das man von der Borussia so bislang nicht kannte.

Flammt die Diskussion um Lucien Favre erneut auf?

In Leipzig geht es nun darum, den guten Eindruck der Rückrunde nicht vollends zu verspielen. Passiert dies, müsste die Bewertung dieser zweiten Favre-Saison wohl überarbeitet werden. Und eine Diskussion würde neu aufflammen, die eigentlich zu den Akten gelegt schien.

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