BVB-Kapitän Reus kämpft mit sich, der schwächelnden DFB-Elf - und gegen die Zeit

dzBorussia Dortmund

Die besten Turniere mit den gleich alten Kollegen hat Marco Reus verpasst. Jetzt wird die Zeit knapper - und die aktuelle DFB-Elf verspricht keine Höhenflüge. Ein BVB-Spieler im Dilemma.

Hamburg/Dortmund

, 09.09.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die teuersten Hotels und perfekte sportliche Rahmenbedingungen machen die Reisen zur Fußball-Nationalmannschaft nicht zwingend zum Vergnügen. Der Druck ist groß, die Stimmung vor allem im Umfeld wechselhaft. An Rückendeckung und Sympathie im Fußballland Deutschland haben der DFB und seine Eliteauswahl deutlicher verloren als die Mannschaft beim 2:4 gegen die Niederlande.

Reus läuft die Zeit davon

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Mit Rückschlägen schreitet der Umbruch voran. Vor weniger als 18 Monaten galt noch der fünfte Stern für den Weltmeister als logische Konsequenz der selbst vorgegaukelten Überlegenheit. Inzwischen sagt sogar der selten demütige DFB-Manager Oliver Bierhoff: „Bei der EM 2020 gehören wir sicher nicht zur Gruppe der Topfavoriten.“

„So viele Turniere kommen da nicht mehr.“
Marco Reus

Es sind, die WM 2018 eingeschlossen, die denkbar unglücklichsten Zeiten für Marco Reus, um bei der Nationalelf endlich die Rolle zu spielen, die ihm aufgrund seiner fußballerischen Ausnahmeklasse eigentlich zuteil werden müsste. Ein Genuss sind Länderspiele nicht zwangsläufig. Aber der BVB-Kapitän hat nach verpassten Turnieren 2014 und 2016 nicht nur etwas aufzuholen, ihm läuft auch die Zeit davon, um bei den großen internationalen Titelkämpfen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Er wisse ja, sagte der 30-jährige Reus in Hamburg, „so viele Turniere kommen da nicht mehr.“ Es sei ein Privileg, die Chance zu haben, der nächsten Europameisterschaft „meinen Stempel aufzudrücken“. Deutschlands Fußballer des Jahres versprüht Tatendrang, wenn er das schwarz-weiße Trikot trägt, er will „alles geben“ für das Team.

Reus plädiert für eine andere Herangehensweise

Das gelingt ihm, das wird er selber eingestehen, nicht immer in dem Maß, wie er es selbst wünscht. Gegen die Niederlande erwischte auch er nicht seinen besten Tag, er musste sehr viel für die Defensive arbeiten, und „wenn wir dann mal den Ball hatten, waren es 70, 80 Meter bis zum gegnerischen Tor“. Dankbar sind solche Abende, solche Aufgaben für Stürmer nicht.

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Reus, explizit als Führungsspieler genannt bei der Nationalmannschaft, plädierte an Ort und Stelle für eine andere Herangehensweise und ging damit auch den Widerspruch zu Bundestrainer Joachim Löw ein. „Als Offensivspieler wünsche ich mir natürlich, dass wir mehr Druck entfalten.“ Sieben defensiv ausgerichtete Spieler in der Startelf lassen kein Feuerwerk an Spielkunst und Offensive erwarten.

Reus fordert: „Wir müssen die Köpfe oben behalten“

Auch sein eigenes Spiel wird Reus nicht zufriedengestellt haben. Kurz vor der Halbzeitpause verpasste er in bester Schussposition den Treffer zum 2:0, ein Zwischenstand, aus dem heraus sich vieles anders entwickelt hätte. Ansonsten versprangen ihm einige Bälle, die Zuspiele und das Verständnis mit den Sturmkollegen Serge Gnabry und Timo Werner ließen viel Luft nach oben. Nach 60 Minuten war Schluss für Werner und auch für Reus. Da stand es noch 1:1, das Ergebnis ist bekannt.

BVB-Kapitän Reus kämpft mit sich, der schwächelnden DFB-Elf - und gegen die Zeit

Reus gehört unter Bundestrainer Joachim Löw zum Kreis der Führungsspieler. © imago

Durch die Holland-Pleite ist der Kampf um das EM-Ticket kein Selbstläufer mehr. „Jetzt ist natürlich ein bisschen Druck da. Jetzt haben wir wieder ein großes Spiel“, sagte Reus vor der Partie in Nordirland (Montagabend, 20.45 Uhr). Der Anführer fordert: „Wir müssen die Köpfe oben behalten, weiter positiv bleiben und in Belfast einen Neuen raushauen.“

Mit 13 Treffern ist Marco Reus im aktuellen DFB-Team bereits der zweitbeste Schütze hinter Toni Kroos (15 Tore).
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