BVB-Kader taugt für Höchstleistungen - Blick muss nach ganz oben gehen

dzBorussia Dortmund

Offiziell gibt der BVB die Meisterschaft nicht als Ziel aus. Der Kader taugt jedoch allemal für Höchstleistungen. Die Frage lautet: Wie konstant kann Borussia Dortmund am Optimum spielen?

Dortmund

, 18.09.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Westfalen gelten als bodenständig, und um den eigenen Standpunkt zu erkennen, hilft der Blick zurück. Es sind kleine, feine Ziffern, die verdeutlichen, wie erfolgreich Borussia Dortmund in den vergangenen zehn Jahren Fußball gespielt hat: 1, 1, 2, 2, 7, 2, 3, 4, 2, 2 - so lauteten die Endplatzierungen seit 2011. Ein herausragendes Zeugnis, mit dem kleinen, unangenehmen Makel, dass seit 2013 immer mindestens der FC Bayern München noch mehr Punkte gesammelt und ein Abonnement auf die Meisterschaft innehat. Der Blick nach oben in der Tabelle ist trotzdem erlaubt, sogar notwendig für den BVB, doch der auf die anderen erstarkenden Konkurrenten ebenso.

Für die Meisterschaft benötigt der BVB außergewöhnliche Leistungen

„Möglicherweise“, meint Borussia Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke, „sehen wir die beste Mannschaft, die je bei Bayern München gespielt hat. Die Gegner werden vernichtet, da hat unser 0:1 vom Mai fast noch solitären Charakter.“ Am Thron der Über-Bayern rütteln zu können, sie auf Strecke zu schlagen, dazu müssten viele außergewöhnliche Ereignisse gleichzeitig eintreffen.

Nein, sagt Watzke, die Maßgabe, so lange wie möglich um die Deutsche Meisterschaft mitspielen zu wollen, den Titel als Ziel auszugeben, das werde der BVB, anders als im Vorjahr, diesmal nicht erklären. „Ein offizielles Saisonziel geben wir nicht aus, das machen die Spieler selber unter sich aus“, betonte Watzke. „Ich kann versichern, dass wir sehr ambitioniert sind, und die Spieler auch.“ Was bedeutet, dass die öffentlich bescheidenen Borussen intern nicht weniger ehrgeizig wären als sonst. Doch Demut ist angezeigt, weil die Bayern rund 150 Millionen Euro mehr in ihren Kader pumpen, weil in Corona-Zeiten Maß halten angesagt ist und die Dortmunder Jungs sich selber nicht ganz trauen.

BVB-Trainer Lucien Favre geht in sein letztes Vertragsjahr

Im dritten Jahr unter Trainer Lucien Favre, dessen Anstellung am Saisonende vertragsgemäß endet, glauben zwischen Borsigplatz und Signal Iduna Park längst nicht alle BVB-Fans an ein von Erfolg gekröntes Saisonfinale. Favres Mannschaft spielte ein starkes erstes halbes Jahr 2018/19 und eine konstant gute Rückrunde 2019/20, dazwischen gab es Leerlauf, Rückschläge, Wankelmut. Nur ein durchweg überzeugendes Spieljahr könnte Favre eine Weiterbeschäftigung ermöglichen, oder ein Coup in den Cup-Wettbewerben.

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Borussias Kader taugt auf dem Papier für Höchstleistungen. Von den Leistungsträgern musste nur Achraf Hakimi, dessen Leihvertrag endete, abgegeben werden. Der belgische Rechtsverteidiger Thomas Meunier und das englische Toptalent Jude Bellingham verstärken die Mannschaft und erweitern die taktischen Möglichkeiten. Vor allem in der Offensive glänzt die schwarzgelbe Namensliste, mit europäischer Spitzenklasse wie Jadon Sancho, Erling Haaland oder Marco Reus.

Die Mischung scheint bei Borussia Dortmund zu stimmen

Auch die Mischung aus jugendlicher Frische und routinierter Abgeklärtheit scheint zu stimmen. Mit den 17-jährigen Bellingham und Giovanni Reyna, den 20-jährigen Haaland und Sancho oder dem im November 16-jährigen und dann einsatzbefähigten Youssoufa Moukoko stehen hochspannende Nachwuchskräfte in den eigenen Reihen. Angeführt werden sie von gestandenen Profis wie Mats Hummels, Axel Witsel oder Marco Reus.

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„In Gänze haben wir einen guten Mix aus erfahrenen und jungen Spielern. Die Tendenz liegt bei hochbegabt und jung“, sagt Watzke. „Wir fühlen uns gut gerüstet.“ Eine größere Einkaufstour saß bei einem Defizit von 45 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht drin, gegen den eigenen Willen abgeben musste der Klub aber auch keinen Spieler.

Der BVB muss auch in den Rückspiegel schauen

Auf dem Feld solle seine Mannschaft „flexibler“ agieren können, wünscht sich Trainer Favre. „Wir müssen mehrere Systeme beherrschen.“ Schwerer ausrechenbar zu sein, das erlaubt ihm sein Kader nominell, und das soll sich auch in der Herangehensweise widerspiegeln. Wobei der BVB gleichzeitig davon ausgehen kann, dass die Gegner in circa 32 von 34 Spielen den Borussen die Favoritenrolle und oft auch den Ball zuschieben werden. Genau dann sollen mehr Tempo und größere Überraschungseffekte seiner Mannschaft dabei helfen, die Abwehrreihen zu knacken. Es benötigt keine hellseherischen Fähigkeiten um zu erahnen, dass die Leistungsunterschiede zwischen den großen und den kleinen Klubs weiter zunehmen werden.

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Zu den finanzstärkeren Anwärtern zählen auch die Vereine, die der BVB in den vergangenen Jahren im Rückspiegel gesehen hat, die aber zweifellos aufholen werden. „Leipzig, Gladbach und Leverkusen werden in der neuen Saison eine gute Rolle spielen“, sagte Watzke. „Wir müssen auf der Hut sein.“ Lieber wäre es ihm, wenn vor allem der Abstand nach oben geringer würde. 13 Punkte weniger und die um 25 Treffer schlechtere Tordifferenz gegenüber den Bayern zum Ende der vergangenen Saison schmeckten den nach Selbsteinschätzung bodenständigen Westfalen nicht.

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