BVB II beendet Trainingslager: Maaßen kommt gut an - und will überraschen

dzBorussia Dortmund II

Der BVB II schließt das Trainingslager in Kirchberg nach intensiven Tagen ab. Trainer Enrico Maaßen findet sich bei seinem neuen Klub schnell zurecht - und will zukünftig überraschen.

Dortmund

, 16.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zum Abschluss stand ein Zehn-Kilometer-Marsch durch die Kitzbüheler Alpen auf dem Programm, der Wecker für die U23-Spieler klingelte am Samstag bereits um 4 Uhr. Am Sonntag beendete der BVB II das Trainingslager in Österreich. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

? Wie waren die Bedingungen?

In den vergangenen Tagen zeigte sich auf dem Trainingsplatz des SV Brixen regelmäßig die Sonne. Die Dortmunder Spieler kamen mächtig ins Schwitzen. Gut, dass gleich neben dem hervorragend gepflegten Rasen ein Naturwasserbad zum Abkühlen einlud. So entspannte sich die U23 nach den kraftraubenden Einheiten.

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„Das kommt den Beinen zugute“, sagt Abwehrspieler Henri Weigelt. Die Intensität der sportlichen Arbeit sei schließlich hoch gewesen, bemerkt er - und schwärmt ingesamt von „top“ Gegebenheiten in Österreich. „Der Platz ist wirklich gut“, sagt Weigelt, „das Hotel super“. Auch Trainer Enrico Maaßen spricht von „großartigen Bedingungen“ vor dem beeindruckenden Bergpanorama.

? Woran wurde gearbeitet?

Immer war der Ball dabei. Maaßen ließ seine Spieler keine langen Laufeinheiten absolvieren, „wir haben alles in Spielformen verpackt“, sagt der Coach. Anspruchsvoll sei es gewesen, meint er, „die Belastung war hoch, sowohl körperlich als auch für den Kopf. Wir haben das Trainingslager genutzt, um jeden Tag auf dem Platz zu stehen“. Und Inhalte zu pauken.

BVB-Neuzugang Weigelt ist „sehr beeindruckt vom Training“

Dabei teilte Maaßen sein Team häufig auf, ließ die Defensiv- und Offensivspieler separat trainieren und an bestimmten Verhaltensweisen arbeiten. Am Ende sei dann alles zusammengefügt worden, berichtet der von AZ Alkmaar gekommene Neuzugang Weigelt. Er zeigt sich „sehr beeindruckt“ vom akribischen, detaillierten Training auf dem Feld.

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Allerdings hatte sich Maaßen nicht nur zur Aufgabe gemacht, seiner Mannschaft die ihm wichtigen fußballerischen Prinzipien beizubringen. Er wollte die Tage in Österreich gleichfalls dafür nutzen, um aus der Vielzahl von Einzelspielern ein Kollektiv zu formen.

BVB-Trainer Maaßen führt im Trainingslager viele Gespräche

In Maaßens Fußballsprech gibt es wohl zwei Vokabeln, die besonders hoch frequentiert sind: Zum einen betont er auffallend häufig, „ganzheitlich“ arbeiten und sich in seinem Wirken ebenso der Defensive wie der Offensive widmen zu wollen. Zum anderen ist für Maaßen eine gute „Atmosphäre“ von fundamentaler Bedeutung.

Das Klima innerhalb des Teams will er aktiv beeinflussen, mit seiner Art und Weise sowie bestimmten Maßnahmen. In Österreich führte er viele Gespräche. Außerdem veranstaltete er mit seinem Team einen Tag vor der sonntäglichen Abreise eine Wanderung in den Alpen.

? Welche Erkenntnisse brachte das Trainingslager?

Trainer-Neuzugang Maaßen kommt bei der Borussia sehr gut an. Abwehrmann Weigelt schwärmt von einem „unfassbar Fußball-interessierten Menschen“, der „taktisch sehr variabel“ und „nah am Team“ sei. „Ich kann nur positiv über ihn sprechen.“

Maaßen ist ein empathischer und authentischer Chef

Beobachter des von Maaßen dirigierten Trainings loben die Detailversessenheit des 36-Jährigen sowie die spezifischen, durchaus komplexen Übungsformen. Der neue Coach, das fällt auf, hat sich gut etabliert. Er gilt nicht unbedingt als Kumpeltyp, schon aber als empathischer und authentischer Chef. Das findet Anklang.

Seine fußballspezifische Arbeit verfolgt er mit viel Hingabe. Detailliert erklären möchte er sie jedoch nicht. Wann immer Maaßen mit exakteren Fragen konfrontiert wird, werden seine Antworten kürzer und unklarer. Er will nicht zu viel verraten, will sich mit seiner Mannschaft eher abschotten, um taktisch nicht dechiffriert zu werden.

Maaßen will in den kommenden Wochen überraschen

Freilich: Die kommenden Gegner sollen mit der einen oder anderen Maßnahme überrascht werden, Maaßen vermeidet darum tiefergehende Erklärungen. Gewisse Tendenzen sind allerdings an den vorhandenen drei Testspieleindrücken abzulesen. Einer dieser Probeläufe fand am Freitag statt, da spielte die U23 gegen den österreichischen Zweitligisten SV Horn, gewann mit 2:0.

? Was könnte sich taktisch ändern?

Maaßen fordert, dass seine Mannschaft taktisch flexibel agiert. Schon bei seinen vorherigen Stationen in Drochtersen/Assel und Rödinghausen war das zu beobachten. Die Dortmunder Defensivreihe formierte er zuletzt sowohl mit Dreier- als auch Viererkette, wobei sich selbst diese Anordnungen zuweilen stark veränderten.

Finnsson als freischaffender Künstler beim BVB II

So betätigte sich Kolbeinn Finnsson gegen den SV Horn als freischaffender Künstler. Bei gegnerischem Ballbesitz war der Finne links hinten aktiv, komplettierte in diesen Phasen die Abwehrkette. Bei eigenem Spielaufbau allerdings löste er sich von dieser Seite, bot sich stattdessen im Zentrum an.

Agiert beim BVB II sehr flexibel: Kolbeinn Finnsson (r.).

Agiert beim BVB II sehr flexibel: Kolbeinn Finnsson (r.). © BVB / Jens Volke

Er schaffte damit Überzahl und kreierte eine weitere Option, das Spiel von hinten flach und kontrolliert zu eröffnen. Dass Finnsson in der zweiten Hälfte dann als linker Innenverteidiger auflief, unterstreicht Maaßens Willen, enorm variabel zu spielen. Zur Stagnation soll es bei der Borussia nicht kommen, der Trainer verlangt Flexibilität - und Tempo.

Wichtige Aufgabe für die Neuzugänge Tachie und Broschinski

Geistig sowie körperlich fix sollen seine Spieler sein - diese Forderung wurde in den vergangenen Wochen in unterschiedlichen Szenen offenbar. Maaßens Team stand in den Testspielen häufig recht hoch und startete immer wieder ins (dafür nötige) Pressing.

Der Gegner sollte energisch angelaufen und am Aufbau gehindert werden. Außerdem wurde das Umschalten nach Ballgewinn geübt. Um diese Stilform zu beherrschen, braucht es schnelle Spieler. Eine wichtige Aufgabe kommt da unter anderem den Offensiv-Zugängen Richmond Tachie und Moritz Broschinski zu.

? Wie sieht es personell aus?

Die Möglichkeiten haben sich vergrößert. Nur Außenverteidiger Migel-Max Schmeling war zuletzt leicht angeschlagen. Ansonsten überstand die Borussia das Trainingslager unfallfrei - und konnte in Weigelt und Niklas Dams zwei Neuzugänge auf dem Platz integrieren. Die zwei Innenverteidiger kamen gegen Horn zu ihrem Debüt. Noch haben sie leichten Trainingsrückstand. Mit ihnen ist Maaßen allerdings ebenso zufrieden wie mit Haymenn Bah-Traore.

Der Rechtsverteidiger hat nach ewig langer Verletzungspause (Knorpelschaden) sein Comeback gegeben und absolvierte in Österreich alle Übungen. Er sei voller Freude und Einsatzbereitschaft, berichtet Maaßen. „Wir wollen ihn sorgsam heranführen.“


? Wie geht es weiter?
Ehe Anfang September die Regionalliga-Saison beginnt, warten auf Dortmunds U23 noch drei Trainingswochen. Langsam will Maaßen nun in den normalen Rhythmus wechseln und die Intensität seiner Einheiten etwas herunterschrauben. Am kommenden Samstag steht das vierte von insgesamt fünf Testspielen an: In Hannover trifft die U23 des BVB auf die Zweitvertretung des VfL Wolfsburg.

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Maaßens Fazit nach dem Österreich-Trip ist positiv. „Die Jungs haben versucht, die Dinge umzusetzen, die wir eingeübt haben“. Im Testspiel gegen Horn habe es schon ganz gut ausgesehen, sagt der neue BVB-II-Trainer.

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