BVB hält Titelrennen offen - aber die Zweifel wachsen

München behauptet Vorsprung

Der BVB hält das Titelrennen weiter offen und sitzt den Bayern im Nacken. Der qualvolle Heimsieg gegen Mainz befeuert aber die Zweifel, ob es für die Borussia zur Meisterschale reichen kann.

Dortmund

, 14.04.2019, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB hält Titelrennen offen - aber die Zweifel wachsen

Skeptische Blicke bei Marco Reus (l.) und Axel Wistel nach dem glücklichen Sieg gegen Mainz. © Bielefeld

Nach dem 29. Spieltag hat der FCB durch das souveräne 4:1 in Düsseldorf weiterhin einen Zähler Vorsprung auf den BVB. Rückblick: Diese vogelwilde Schlussphase des Duells Borussia Dortmund gegen den FSV Mainz als Kurzfilm-Drama? Bitteschön: Der Boxer in der schwarzgelben Hose taumelt. Er kassiert harte Schläge, bekommt die müden Fäuste nicht mehr zur Deckung hoch. Kurz vorm Umfallen rettet ihn der Gong. Punktsieg. Beulen kühlen.

Der Feiertag dauert nur 45 Minuten

Er hatte in der Tat etwas Dramaturgisches, dieser am Ende glücklich erzitterte 2:1 (2:0)-Erfolg des BVB gegen wackere Mainzer. Borussias Fans wurden zunächst verwöhnt von ihrer Elf. Schnell warf sie den schweren Rucksack ab, den sie seit dem desaströsen 0:5 von München mit sich herumgeschleppt hatte. Mutig und mit Tempo spielte der BVB nach vorn, schnürte die sehr defensiv eingestellten Gäste ein. Plötzlich waren sie wieder da, Leichtigkeit, Spielfreude und Dominanz aus der Hinrunde. Jadon Sancho vollendete einen Vollgas-Angriff zum 1:0 (17.) und legte dann nach einem weiteren Vorstoß, der die Mainzer überrumpelte, das 2:0 nach (24.). Das zehnte Saisontor des 19-jährigen Engländers ließ den Signal Iduna Park beben. Es roch am Schluss einer einseitigen ersten Halbzeit, in der die Borussia weitere Treffer fahrlässig verschenkte, nach einem schwarzgelben Feiertag.

Was dann allerdings geschah, ließ die BVB-Fans erschaudern. Vom aggressiven, beherzt attackierenden Titelanwärter war plötzlich nichts mehr zu sehen. Mehr noch: Dem BVB entglitt in der letzten halben Stunde die Partie völlig. Mainz ging offensiver zu Werke und drängte den Gastgeber zurück. Dortmunds Spielgerüst wackelte gewaltig und stürzte nur dank der Mainzer Abschlussschwäche und eines überragend haltenden Roman Bürki nicht ein. „Das ist für mich unerklärlich“, gestand BVB-Kapitän Marco Reus. „Das darf einfach nicht passieren, wir haben uns den Schneid abkaufen lassen.“

Die Kontrolle komplett verloren

15:3 Torschüsse, so lautete die Bilanz des zweiten Durchgangs aus Mainzer Sicht. Zum Glück für den BVB gelang den am Ende klar überlegenen Gästen nur ein Tor durch Robin Quaison (84.). „Wir haben die Kontrolle verloren und keinen Zugriff mehr gefunden“, erkannte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Nur warum ging der Borussia der Kraftstoff aus? War es doch noch die Nachwirkung des München-Schocks? „Nein, Bayern war nicht mehr in den Köpfen“, versicherte Reus. Eine Sache des Kopfes sei aber dieser Druck, im Titel-Endspurt nicht patzen zu dürfen.

Zum Beweis: Eine taktisch etwas offensiver ausgerichtete Mainzer Mannschaft nach der Pause genügte - und schon stotterte der bis dato wie geschmiert laufende Borussen-Motor. „Wir hatten Probleme, das zu verteidigen“, resümierte BVB-Trainer Lucien Favre. Gute Lösungen, dem Unheil auf dem Platz entgegenzuwirken, waren dem Schweizer aber zuvor nicht eingefallen - beinahe wäre die Symbiose von Ratlosigkeit an der Seitenlinie und Leistungsabfall auf dem Rasen schief gegangen.

Favres saure Miene

Favre wirkte gereizt nach dem Schlusspfiff. „Wir haben gewonnen“, entgegnete er auf die Frage, ob das 2:1 gegen Mainz denn eine gute Reaktion auf das 0:5 von München gewesen sei. Gewonnen, nur das zähle, betonte der Schweizer trotzig. Favres saure Miene verriet, dass er angefressen war. Auch Michael Zorc bemühte sich, nicht mit der Verbalkeule zu schlagen. „Ich nehme erstmal die drei Punkte und freue mich“, sagte er. Denn zum Glück kam der Gong noch rechtzeitig, so dass es außer ein paar Beulen keinen weiteren Schaden gab.

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