Keine Aktionen am Stadion geplant - BVB-Fanszene fordert Vernunft ein

Borussia Dortmund

Politik und Polizei sehen in Fan-Ansammlungen rund um Geisterspiele ein Gefahrenpotenzial. Die Ultras werden dabei gerne genannt, dabei geht das Risiko vermutlich von anderen Gruppen aus.

Dortmund

, 14.05.2020, 12:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vor dem Dortmunder Stadion soll es am Samstag ruhig bleiben.

Vor dem Dortmunder Stadion soll es am Samstag ruhig bleiben. © Marvin K. Hoffmann

Ullrich Sierau von der SPD hat ein klares Ziel. „Die Null“ solle beim Derby stehen, sagt der Dortmunder Oberbürgermeister mit Blick auf das Derby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 (Samstag, 15.30 Uhr/live im TV). Er meint damit nicht das Ergebnis auf dem Platz, er will nur in der Fußballsprache bleiben. Sierau hofft rund ums Derby an diesem Samstag auf „die Null bei der Infektionskette“.

Dafür, dass die Null in der Infektionskette steht, um das Bild aufzugreifen, appelliert Sierau in Corona-Zeiten an die Vernunft der Fans. Die Forderung ist klar formuliert: Kein Fußballgucken in großen Gruppen, kein tröpfchenreicher Jubel nach Toren und schon gar keine Fan-Ansammlungen rund um den Signal Iduna Park.

BVB gegen Schalke: Polizei Dortmund will „konsequent einschreiten“

Vor allem auf den letzten Punkt legt auch die Polizei größten Wert und kündigt im Vorfeld des Derbys an, dass man „konsequent einschreiten“ werde, falls sie größere Menschengruppen rund ums Stadion antreffen sollte. Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange sagt: „Wir als Polizei werden uns vorbereiten. Die Fußballfans haben am Samstag die Chance zu zeigen, dass eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs kein Fehler war. Wir als Polizei werden mit starken Kräften vor Ort sein.“

Zumindest die aktive Fanszene des BVB müssen Sierau und die Polizei nach Informationen dieser Redaktion nicht fürchten. Es sei nichts geplant, heißt es in Fankreisen. Vielleicht werde es kreative Proteste gegen die Fortsetzung der Bundesliga und gegen Geisterspiele in Form von Spruchbändern oder Plakaten in der Stadt geben, aber ein Fan-Auflauf rund ums Stadion wie etwa beim Champions-League-Achtelfinale in Paris am 11. März, als sich Tausende PSG-Fans am Prinzenpark trafen, um ihre Mannschaft anzufeuern, sei nicht zu befürchten.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sieht keine Gefahr

Auch bei Borussia Dortmund geht man nicht davon aus, dass von der aktiven Fanszene trotz der besonderen Derbybrisanz irgendeine Gefahr ausgeht. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke erklärte jüngst: „Ich kenne keine Fan-Gruppierung, die angekündigt hat, sich bei Geisterspielen vor dem Stadion zu versammeln.“ Und Watzke sagt weiter: „Das wird von einigen Personen einfach in den Raum gestellt. Den Fußball jetzt unter Generalverdacht zu stellen, halte ich nicht für angemessen.“

Jetzt lesen

Das Fanbündnis „Südtribüne Dortmund“ hatte bereits am 12. März, zwei Tage vor der ursprünglichen Derby-Ansetzung, in einer Stellungnahme erklärt: „Auch wenn bei uns natürlich der Wunsch besteht, der Mannschaft beispielsweise durch einen Busempfang die größtmögliche Motivation für ein Derby vor leeren Rängen mit auf den Weg zu geben, werden wir uns NICHT vor dem Westfalenstadion versammeln. Dasselbe gilt für die Zeit während und nach dem Spiel, ungeachtet des Ergebnisses.“

BVB-Fanszene quittiert Debatte mit Kopfschütteln

Eine weitere Ankündigung wird es bis Samstag nicht geben. An dem Standpunkt aus dem März habe sich nichts geändert, heißt es aus der aktiven Fanszene in Dortmund. Man wolle seine eigenen Aussagen und Standpunkte während der Corona-Pandemie nicht durch irgendwelche Aktionen rund um ein Fußballspiel ad absurdum führen. Die häufig genannte Bedrohung durch die aktiven Fanszenen in der öffentlichen Debatte um Geisterspiele habe man daher durchaus kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen.

Die deutlich größere Gefahr - das hört man sowohl in Fankreisen als auch beim BVB selbst - sehe man darin, dass der Fußball als Bühne für mögliche „Corona-Proteste“ missbraucht werden könne. Es ist eine Gefahr, die auch die Stadt ernst nimmt. „Wir werden nicht zulassen, dass das Spiel für politische Süppchen-Kochereien missbraucht wird“, sagt Sierau – und verzichtet in diesem Fall vielleicht ganz bewusst auf irgendeine Metapher aus dem Fußball.

Lesen Sie jetzt