Thorgan Hazard löste mit seinem Doppelpack den Knoten in einem schwierigen Spiel gegen Ingolstadt und erhielt Zuspruch von Jude Bellingham. © dpa
Borussia Dortmund

BVB-Durchstarter Thorgan Hazard: Was ihn jetzt besonders wichtig macht

Thorgan Hazard entscheidet als Joker für den BVB das Duell gegen den FC Ingolstadt und lässt mit seinen Toren eine schwierige Zeit hinter sich. Trainer Marco Rose hat nun eine berechtigte Hoffnung.

87 Ausfalltage im Kalenderjahr 2021, also fast drei Monate, zeugen von einer schwierigen Phase, die hinter Thorgang Hazard liegt. Von der EM im Sommer brachte er hartnäckige Sprunggelenksprobleme mit, die ihn die erste wichtige Vorbereitungs-Phase nach dem verlängerten Sommerurlaub kosteten. Seine bislang zehn Pflichtspiele standen unter dem Diktat der noch fehlenden Grundlagen: Nur dosiert konnte Trainer Marco Rose den 28-Jährigen heranführen, kleinere Rückschläge inklusive.

BVB-Zwickmühle: Haalands Ausfall und Vorsicht bei Hazard

Dortmunds Personalnot kollidierte gerade seit dem Ausfall von Erling Haaland mit der Pflicht zur Vorsicht bei Hazard, bei dem die Angst vor einer erneuten Verletzung zuletzt immer wieder mit dabei war. „Wichtig wäre“, meinte Rose nun nach dem beeindruckenden Kurzauftritt Hazards mit zwei Jokertoren gegen den FC Ingolstadt, „dass er jetzt dann auch mal gesund bleibt.

Hazard wird, das ist kein Geheimnis, in den kommenden Wochen deutlich mehr Verantwortung tragen müssen. Er ist nicht der typische Eins-zu-Eins-Ersatz für den blonden Norweger, allein schon optisch mit seinen nur 1,75 Metern Körpergröße, mit denen er weniger furchteinflößend daherkommt als der 1,94 Meter große Muskelprotz Haaland.

BVB-Flügelflitzer Thorgan Hazard ein Spieler mit feiner Klinge

Hazards Qualitäten sind andere. Er ist der bessere Techniker, ein Spieler mit feiner Klinge, der die Kombinationen auf engstem Raum ebenso liebt wie den unbedingten Zug zum Tor – und einer, dessen Wert für die Mannschaft oft unterschätzt worden ist. Auch gegen Ingolstadt blitzte davon etwas auf. In seinen 19 Einsatzminuten habe Hazard „viele gute Eins-gegen-Eins-Situationen“ gehabt, lobte Rose. Am Dienstagmorgen, kaum zwölf Stunden vor dem Anpfiff, sei „genau das“ Thema in den Videosequenzen gewesen, die Rose und sein Trainerteam der Mannschaft zeigten.

Mit dem erfolgreichen Joker-Kurzeinsatz, hofft Rose, könne die Saison des Thorgan Hazard nun endlich richtig losgehen. Mehr Spielminuten bringen mehr Rhythmus und mehr Wettkampfhärte – das ist Roses Plan mit dem Belgier, der aber im BVB-Trikot immer noch seiner Konstanz aus Gladbacher Zeiten hinterherläuft.

Wiederkehrende Verletzungen bremsen Hazard aus

Das liegt vor allem an den wiederkehrenden Verletzungen, die ihn ausbremsten. Eine Fuß-Blessur, drei Muskelfaserrisse, jetzt die Sprunggelenksverletzung – immer wieder warfen gesundheitliche Probleme den 28-Jährigen in seinen bislang zweieinhalb BVB-Jahren zurück. Ein Muster ließ sich allenfalls bei den Muskelverletzungen erkennen, die allerdings die Mehrzahl der Verletzungen bei Profifußballern darstellen und auch andere BVB-Profis beschäftigt hat.

Im vergangenen Winter dauerte es allerdings fast drei Monate, ehe sich Hazard von einem Muskelfaserriss erholt hatte, den er sich Anfang Dezember 2020 zugezogen hatte. Das Zählwerk stoppte daraufhin bei 16 Bundesliga-Einsätzen, die Negativmarke in seiner bisherigen Karriere. Auffällig: In Gladbach hatte Hazard nicht eine Muskelblessur und stand auch ansonsten fast immer zur Verfügung. In fünf Spielzeiten absolvierte er 137 Liga-Partien.

Hazard kann beim BVB noch nicht an seine Zeit in Gladbach anknüpfen

Entsprechend hinkt der Belgier auch bei den reinen Tor-Statistiken den Werten aus seiner Gladbacher Zeit hinterher. 14 Tore und 21 Assists stehen da, das sind ausbaufähige Marken, zumal sich sieben Tore und rekordverdächtige 13 Assists auf seine erste Dortmunder Saison verteilen.

In den kommenden Wochen, meinte Rose in Anspielung auf das Fehlen von Haaland, werde der BVB „Hilfe von verschiedenen Torschützen“ brauchen. Hazards Doppelpack am Dienstag war ein Anfang, der dem BVB guttat. „Man of the Match“ wurde jedoch ein anderer, der dafür aber eifrig Komplimente an seinen Mitspieler verteilte. Hazard, erzählte Jude Bellingham im Interview, habe ja einiges Verletzungspech gehabt. „Aber wenn er fit ist, macht es Spaß, mit ihm zu spielen. Ihm kann man immer den Ball geben.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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