BVB-Defensive überzeugt in vielen Bereichen, hat aber auch einige Löcher

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In der Defensive kann und muss der BVB zulegen, um sich den Titeltraum zu erfüllen. Das Verletzungspech war ein Problem, Standardsituationen aber auch. Die Defensive in der Saisonanalyse.

Dortmund

, 28.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Im amerikanischen Sport ist dies eine geläufige Redewendung: „Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Meisterschaften“, heißt es schön und treffend. Und die Gültigkeit dieser Aussage, das hat die Spielzeit von Borussia Dortmund gezeigt, lässt sich durchaus auf den Fußball übertragen. Dass der BVB am Ende der abgelaufenen Saison im Titelrennen knapp gescheitert ist, lag auch an einigen statistischen Ausschlägen nach unten, was die reine Defensivarbeit angeht.

Auf einem Abstiegsplatz bei Standard-Gegentoren

Mit den 44 Gegentoren, die die Borussia in der vergangenen Saison kassiert hat, haderte nicht nur Torhüter Roman Bürki. Seiner Verzweiflung ob der nachlässigen Verteidigungsarbeit seiner Vorderleute gab der Schweizer, der auf seine beste BVB-Spielzeit zurückblicken kann, des Öfteren in markanten Worten Ausdruck. Die bisweilen fehlende Konzentration lässt sich vor allem in einem statistischen Bereich erkennen, in der der BVB sogar einen Abstiegsplatz belegt. Stichwort: Standard-Gegentore.

BVB-Defensive überzeugt in vielen Bereichen, hat aber auch einige Löcher

Roman Bürki fliegt vergebens! Wie hier gegen Schalke kassierte der BVB 13 weitere Gegentreffer nach ruhenden Bällen. Das 1:3 im Derby war allerdings der einzige Gegentreffer durch einen direkt verwandelten Freistoß. © imago

14 waren es insgesamt, macht in dieser Tabelle einen mageren zwölften Platz. 32 Prozent aller Gegentreffer resultierten aus einer Situation mit einem zuvor ruhenden Ball. Das ist der zweitschlechteste Wert in der Liga, Platz 17. Ebenso wie die in den 14 enthaltenen sechs Gegentore nach Freistößen. Zu schaffen – und mit entscheidend für die verpasste Meisterschaft – machte der Borussia vor allem die gravierende Zahl an groben individuellen Fehlern. Sieben Gegentore resultierten hieraus, nur zwei Klubs produzierten mehr persönliche Fehler. Auch Bürki konnte sich davon nicht ausnehmen. Er patzte zwei Mal folgenschwer, bezeichnenderweise beide Male in der Rückrunde.

In diesen Kategorien überzeugt die BVB-Defensive

In einigen defensiven Statistiken wusste die Borussia allerdings auch zu glänzen. 354 Torschüsse gegnerischer Spieler ließ der BVB nur zu, nur zwei Vereine der gesamten Bundesliga waren in dieser Kategorie besser. Und nur die Bayern ließen weniger gegnerische Torschüsse durch Stürmer zu (103) als Borussia Dortmund mit 140.

Als ein Freund großer Ballkontrolle fand Lucien Favre mit seiner auch gegen „kleinere“ Mannschaften stark auf Absicherung ausgerichteten Taktik nicht immer die ungeteilte Zustimmung seiner Mannschaft und im Umfeld. Favres fehlende Risikobereitschaft führte in der Rückrunde zu unnötigen Punktverlusten in Nürnberg und Augsburg, dazu gesellte sich die Heim-Niederlage gegen die in dieser Phase stark verunsicherten Schalker. Punktverluste, die weh taten.

Bei Kontern ist der BVB bestens abgesichert

Dass Borussia Dortmund gegen die letzten fünf Teams der Abschlusstabelle nur 20 von 30 möglichen Zählern einfuhr, während man gegen die ersten fünf Konkurrenten an der Spitze 27 der möglichen 30 holte und nur in München verlor, ist ein auffälliges Detail. Favres vorsichtigem Denken allerdings verdankt die Borussia Platz drei bei der Anzahl an Gegentreffern nach Kontern. Nur fünf Mal klingelte es im Dortmunder Kasten, nur 23 gegnerische Torschüsse nach Kontersituationen sind ebenfalls ein Top-Wert. Da waren nur die Leipziger (20) besser.

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Wie beim BVB vor allem gegen Spielende Konzentration und Souveränität litten, das zeigen 20 Gegentreffer ab der 60. Spielminute – in diesem Bereich war die Borussia ebenfalls nur Mittelmaß. Anfällig über die gesamten 90 Minuten war vor allem die linke „Flanke“. 15 der 44 Gegentore entstanden über diese Seite.

16 Abwehrformationen

Favre gehen hinten die Alternativen aus

Es gibt Erklärungsansätze für die konstant festzustellenden Schwankungen in der Defensivarbeit. Auf der linken Seite musste Favre aufgrund von Verletzungen über die gesamte Saison improvisieren. Als in Lukasz Piszczek und Achraf Hakimi zwei zuvor gesetzte Außenverteidiger länger ausfielen, gingen Favre auch rechts die Alternativen aus. Auch innen sah es nicht viel besser aus.

Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou pausierten verletzungsbedingt im Winter mehrere Wochen – die Geburtsstunde des Aushilfs-Innenverteidigers Julian Weigl. Als die Stammkräfte zurückkehrten, suchten sie vergeblich die Form der Hinrunde. Dem Perfektionisten Favre waren die Hände gebunden. 16 unterschiedliche Viererketten stellte er auf, damit startete der BVB in fast jeder zweiten Liga-Partie mit einer veränderten Defensive.

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