Der Ausfall von Marco Reus eröffnet Maximilian Philipp eine unverhoffte Chance beim BVB. Der 24-Jährige verkauft seine Haut teuer - und könnte gegen Hannover erneut in der Startelf stehen.

Leipzig

, 21.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Eingemummelt in eine dicke rote Decke saß er da. Und auch wenn sich Marco Reus noch einen Schal hoch ins Gesicht zog gegen die Leipziger Eiseskälte, so war doch unschwer erkennbar, dass ihm dieser Platz auf der BVB-Ersatzbank nicht schmeckte.

Reus musste passen für den Rückrundenstart, nachdem er am Freitag im Abschlusstraining umgeknickt war. Die Reise nach Sachsen trat er dennoch mit an, was aber wohl mehr als ein Zeichen zur moralischen Unterstützung seiner Teamkameraden zu werten war, die ohnehin in einer Formation und personellen Ausrichtung zusammenspielten, die die Folge größerer Personalprobleme war. Drei Innenverteidiger sind verletzt, nun fehlte - erstmals in der Bundesliga - auch noch Reus. Sein verkorkster Start ins neue Jahr, das begonnen hatte mit einer hartnäckigen Magen-Darm-Verstimmung, die ihn beinahe das komplette Trainingslager in Marbella gekostet hatte, setzt sich fort.

Wichtigster Anker im Dortmunder Spiel

Dortmund ohne drei Abwehr-Spezialisten, und nun auch noch ohne den als nicht ersetzbar erklärten Kapitän: Das sorgte für nervöse Zuckungen im Gesicht von Trainer Lucien Favre. Auch Sportdirektor Michael Zorc gab nach dem durchaus glücklichen 1:0 eine gewisse Anspannung vor dem Spiel zu: „Man weiß ja nie, wo man nach so einer Pause steht. Wir hatten ohnehin einige Personalprobleme. Und natürlich hätten wir auch unseren Kapitän gern dabei gehabt.“

BVB-Comeback! Maximilian Philipp verkauft sich als Reus-Ersatz teuer

Einsatz gegen Hannover am Samstag fraglich: Marco Reus (r.). © imago

Reus war in der Hinrunde der vielleicht wichtigste Anker im Spiel der Borussia. Er war auch der einzige Spieler im Dortmunder Kader, den Trainer Lucien Favre in allen 17 Liga-Partien in die Startelf beordert hatte. Dass der Kopf dieses Herbstmeister-Teams fehlte, schmerzte. Es war aber gleichzeitig auch die Chance für Maximilian Philipp.

Eine glückliche Fügung

Schon kurios, dass Philipp, der kurz vor Weihnachten ob seiner wenigen Spielanteile in der Hinrunde noch kurz vor einem Wechsel zum VfB Stuttgart gestanden hatte, nun gleich in die Startelf rückte. „Natürlich“, meinte er nach dem Spiel, „musste ich mich erst einmal wieder an die Intensität gewöhnen. Ich habe ja nicht so viel gespielt.“

„Natürlich musste ich mich erst einmal wieder an die Intensität gewöhnen.“
Maximilian Philipp

Auf der Zehn aber fühle er sich wohl, schob er schnell hinterher, „das ist eine Position, die ich ja auch in Freiburg und in U-Mannschaften gespielt habe.“ Und Philipp kam zugute, dass er durch die Krankheit von Reus im Trainingslager in Marbella die komplette Vorbereitung als Zehner bestritt. Mit seinen drei Treffern in den Testspielen hatte er sich ein deutlich besseres Standing ohnehin erarbeitet.

Dass sich das Dortmunder Spiel ohne Reus und mit Philipp veränderte, lag auf der Hand. Vielleicht aber war dies für den BVB sogar eine glückliche Fügung. Denn der Ex-Freiburger passte sogar ganz gut zu diesem Gegner. Auch wenn Philipp spielerisch nicht an Reus heranreichen kann, so brachte er Elemente ein, die gefordert waren in diesem Top-Spiel. Philipp biss sich in diese Partie.

Gulasci steht dem Treffer im Weg

„Er hat das gut gemacht“, meinte Sportdirektor Zorc. 61 Prozent gewonnener Zweikämpfe zählten die Statistiker - das ist auf dieser Position ein Top-Wert. Und wenn die Fußspitze von Leipzigs Torhüter Peter Gulasci nicht seinen Schuss noch zur Ecke abgelenkt hätte, wäre Maximilian Philipp wohl sogar mit dem Treffer zum 2:0 für seinen engagierten Auftritt belohnt worden.

Gut möglich, dass der gebürtige Berliner im Team verbleibt. Lucien Favre hegte nach der Partie zwar die Hoffnung, Reus könne „vielleicht ja schon am Wochenanfang“ wieder ins Training zurückkehren. So optimistisch klang Zorc allerdings nicht. Die „leichte Bänderdehnung“ im Sprunggelenk bei Reus sei zwar keine allzu große Sache, Zorc befürchtete aber, dass es „auch für Hannover“ eng werden könne beim 29-Jährigen.

Weitere Chance winkt

Philipp würde sich über eine weitere Chance freuen. „Heute hat man gesehen, dass auch die Spieler, die sonst weniger zum Zug kommen, es verdient haben, in dieser Mannschaft zu stehen.“ Philipp hatte damit eine Frage nach der zusammengewürfelten Innenverteidigung beantwortet. Das Statement passte aber auch gut zu seiner eigenen Situation.

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