BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: Nur mit schönem Fußball wird das nichts

Klare Kante

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hält an den Saisonzielen fest. Ein Mentalitätsproblem sieht er nicht. Trotzdem richtet der 60-Jährige klare Worte an Mannschaft und Trainer.

Dortmund

, 02.10.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: Nur mit schönem Fußball wird das nichts

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sagt: „Ich glaube, dass wir aufhören müssen, in unseren eigenen Fußball verliebt zu sein.“ © David Inderlied

Hans-Joachim Watzke hält trotz des durchwachsenen BVB-Saisonstarts am Saisonziel Deutsche Meisterschaft fest. „Daran korrigieren wir nichts. Wir versuchen alles. Nicht mehr, nicht weniger“, sagte der BVB-Geschäftsführer in einem Interview mit der „Süddeutsche Zeitung“. Er bereue auch nicht, erklärte Watzke weiter, die ambitionierten Ziele der Schwarzgelben vor der Saison offensiv verkündet zu haben. „Borussia Dortmund war noch nie so konstant in seiner Geschichte wie jetzt. Unser nächster Schritt muss sein, dass wir vor jeder Saison zumindest als Mitfavorit auf die Meisterschaft genannt werden. Da wollen wir hin.“ Die nötige Qualität dafür sei vorhanden.

Watzke: „Totale Fokussierung über 95 Minuten“

Ein Mentalitätsproblem beim BVB sieht der 60-Jährige nicht. Er sei der Meinung, sagte Watzke, „dass unsere Mannschaft eine sehr gute Mentalität hat“. Die Debatte darüber sei eine „reine Schlagwort-Diskussion“. Watzke bemängelt andere Probleme. „Ich glaube, dass wir aufhören müssen, in unseren eigenen Fußball verliebt zu sein. Wir sollten stattdessen verliebt ins Gewinnen sein. Darum geht’s.“ Der BVB müsse lernen, das eigene Tor „wieder mit Zähnen und Klauen zu verteidigen“ und sich „nicht nur auf unseren schönen Fußball“ zu verlassen. „Wenn wir Titel gewinnen wollen, müssen wir an dieser Weggabelung, an der wir uns gerade befinden, klar erkennen: Nur mit schönem Fußball wird das nichts!“

Borussia Dortmund habe nun einmal einen Kader, „in dem die meisten Spieler fußballerisch auf sehr hohem Niveau agieren, mit sehr viel Technik, sehr viel Speed. Solche Mannschaften schweben immer in der Gefahr zu glauben, damit alles lösen zu können. Diese Gefahr ist bei extrem talentierten Fußballern latent vorhanden“. Deshalb gehe es darum, den Spielern zu vermitteln, „dass zu richtiger Qualität auch totale Fokussierung über 95 Minuten gehört. Die Bereitschaft, auf höchstem Level gierig zu bleiben. Und dem Gegner das zu zeigen“. Da sei beim BVB noch Luft nach oben, gerade in Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner.

BVB-Trainerstab muss die Situation analysieren

Watzke: „Gegen Bayern im Supercup oder gegen Barcelona in der Champions League spürst du, dass unsere Spieler wissen: Okay, fußballerisch sind die mindestens auf unserem Niveau, also müssen wir heute auch die anderen Dinge in die Waagschale werfen. Wir müssen also daran arbeiten, dass wir auch in den normalen Spielen bereit sind, mit dem Messer zwischen den Zähnen Fußball zu spielen. Und uns komplett auch in der Defensive reinzuhauen, als gäbe es kein Morgen.“

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke: Nur mit schönem Fußball wird das nichts

Über Lucien Favre sagt Watzke: „Es war auch immer eine Visitenkarte, dass seine Mannschaften sehr gut verteidigt haben.“ © imago / Bielefeld

Letztlich sei es die Aufgabe des Trainerstabs, sagte Watzke, „die Situation zu analysieren und zu verbessern“. Zweifel an Lucien Favres Arbeit hegt er nicht. Gerade in puncto Defensivarbeit habe der Schweizer in der Vergangenheit bewiesen, dass er seine Mannschaften stabilisieren könne. „Es war auch immer eine Visitenkarte, dass seine Mannschaften sehr gut verteidigt haben“, sagte Watzke mit Blick auf den BVB-Trainer. „Ich behaupte, dass er damals mit Mönchengladbach nicht selten 1:0 gewonnen hat. Deswegen glaube ich, dass er genau weiß, worum es gerade geht.“

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