BVB-Boss Watzke kämpft für den traditionellen Fußball: Die 50+1-Regelung darf nicht fallen

Borussia Dortmund

Gigantische Summen, absurdes Business und auf der anderen Seite ein Fußball-Romantiker. Wie er „den Fußball für die Fans retten“ will, hat Hans-Joachim Watzke in sechs Thesen aufgeschrieben.

Dortmund

, 16.10.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
BVB-Boss Watzke kämpft für den traditionellen Fußball: Die 50+1-Regelung darf nicht fallen

Hans-Joachim Watzke ist ein Verfechter der Bundesliga, so wie wir sie kennen. © picture alliance/dpa

In seinem Buch „Echte Liebe: Ein Leben mit dem BVB“ hat Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA, sechs Thesen aufgestellt, mit denen er für den Erhalt von Traditionen und gegen den „Turbokapitalismus im Fußball“ kämpfen will.

Die Krise des modernen Fußballs führe zu „zunehmender Entfremdung vieler Fans von ihrem Herzenssport“, leitet Co-Autor Michael Horeni das Kapitel „Rettet den Fußball für die Fans“ ein. „In einer immer weiter auseinanderstrebenden Gesellschaft wird der Fußball als integrierende Kraft dringender benötigt denn je.“

Vier Faktoren bedrohen den Sport, wie wir ihn kennen

Ökonomische Faktoren, schwierige Besitzverhältnisse durch Finanzinvestoren, geldgierige Profis und ihre Berater oder die zunehmende Profitmaximierung bedrohen den Sport, wie wir ihn in Deutschland kennen und schätzen, behaupten Horeni und Watzke.

BVB-Boss Watzke kämpft für den traditionellen Fußball: Die 50+1-Regelung darf nicht fallen

Autor Michael Horeni hat das Buch von Watzke geschrieben. © imago images/Cord

Dass Watzke mit seinen Standpunkten etwa auf europäischer Ebene nicht nur Zustimmung findet, weiß er. Wenn er an manche Manager im Ausland denke und deren Ansichten über die Fußball-Romantiker in Deutschland, konstatiert er: „Wir gelten diesen Leuten als gefühlsduselig.“

Borussia Dortmunds Boss bleibt dennoch bei seinem Credo, dass die Bundesliga bestehen bleiben müsse und die Fans nicht vergällt werden dürfen. „Wenn wir uns in Deutschland von unserer Basis entkoppeln – von unseren Fans, die unseren Fußball immer getragen haben -, werden wir auf Dauer verlieren.“

Die 50+1-Regelung darf nicht fallen

Watzkes Thesen lauten:

  • 1. Die Bundesliga muss bleiben, wie sie ist
  • 2. Es muss Auf- und Abstiege im Europapokal geben
  • 3. Fußball im Stadion muss bezahlbar bleiben
  • 4. Die 50+1-Regelung darf nicht fallen
  • 5. Die Spieltagstruktur muss erhalten bleiben
  • 6. Die traditionelle Fankultur muss erhalten bleiben

Zusammengefasst geht es Watzke darum, den Fußball in seiner in Deutschland seit Jahrzehnten bewährten Struktur zu erhalten. Dazu zählen eine Bundesliga mit Hin- und Rückrunde, Meisterschaft und Aufstieg, sowie offene Spielgruppen in den europäischen Wettbewerben.

Wenn man sich für eine europäische Superliga, wie auch immer die aussähe, nicht mehr qualifizieren könne, „widerspricht das dem Wettbewerbsgedanken“, schreibt Watzke.

Einnahmen sind nicht alles

Borussia Dortmund mag als erster börsennotierter Fußballklub in Deutschland eine wirtschaftliche Sonderstellung einnehmen. Geldgebern von außen möchte Watzke aber grundsätzlich den Riegel vorschieben. Einer der Gründe: „Wo Investoren bestimmen können, steigen am Ende die Preise für die Verbraucher.“

In der Folge bliebe der Fußball den solventen Kunden vorbehalten, wie man es in englischen Stadien beobachten könne. Oder in Italien: Juventus Turin nähme mit 41.000 Zuschauern mehr Geld ein als der BVB mit 81.000 im Stadion. Würde nur die Hälfte der 28.000 Stehplätze in Dortmund mit Sitzschalen ausgerüstet, könnte der Klub die Einnahmen pro Jahr um fünf Millionen Euro steigern. Macht er aber nicht.

BVB-Boss Watzke kämpft für den traditionellen Fußball: Die 50+1-Regelung darf nicht fallen

Stehplätze auf der Südtribüne: Für Watzke eine Grundsatzentscheidung. © imago/Sebastian Wells

Kein Europapokal am Wochenende, bezahlbare Ticketpreise, gesellschaftliche Verantwortung: Watzkes Thesen und Themen sind nicht alle neu, aber strukturiert und argumentativ unterlegt aufgeschrieben. Dennoch wird der Geschäftsführer von Borussia Dortmund immer mal wieder anders entscheiden müssen als der Präsident von RW Erlinghausen.

Der Fußball muss für die Fans da sein

Dass er mit seinen Vorhaben nicht überall offene Türe einrennt und manchmal auch mehr Gegenwind spürt als erwartet, hat Watzke im September erlebt. Da schien er dem Klub-Zusammenschluss „Team Mittelstand“ nicht der bodenständige Bewahrer zu sein, als der er sich selber sieht. Die Mittelständler jedenfalls wollten keinen weiteren „Großklub“-Vertreter. Die Bewerbung um einen Posten in den Gremien der neu strukturierten Deutschen Fußball-Liga (DFL) zog er zurück.

Stattdessen fungiert Watzke seit September im Vorstand der einflussreichen European Club Association (ECA). Dort muss er sich an seinen Postulaten genauso messen lassen wie an der Basis.

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Manche Positionen bedürfen auch der Anpassung an die Entwicklungen. 2015 fand man in Watzke alles andere als einen Befürworter für Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga. Bei der Einführung durch die DFL hob auch er die Hand bei der Abstimmung.

BVB-Boss Watzke kämpft für den traditionellen Fußball: Die 50+1-Regelung darf nicht fallen

Hans-Joachim Watzke zeigte sich bei der Diskussion um Montagsspiele lernfähig. © David Inderlied

Doch er lernte und ließ sich belehren. „Wenn man merkt, dass die Fans es nicht annehmen, dann wäre man ja schön bescheuert, wenn man darauf weiter reiten würde“, sagte er im November 2018 zum Aus der Montagsspiele.

So lässt sich mit Watzke leidenschaftlich diskutieren. Und gerade in diesem Schichten übergreifenden Interesse am Volkssport Nummer eins sieht er einen Kitt für die Gesellschaft. Der Fußball, so lautet die Maxime des 60-Jährigen, muss für die Fans da sein. Und nicht andersherum.

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