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Besitzt der BVB genug Stressresistenz im Saison-Endspurt? Klarheit und Konzentration zählen nun mehr denn je im Kampf um den Titel. Der Grat zwischen Lockerheit und Krampf ist dabei schmal.

Dortmund

, 16.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Wer mental stark sei, der könne konstant Spitzenleistungen abrufen. Das schreibt Borussia Dortmund auf der Website eines Partners aus der Gesundheitsbranche. „Fußball wird im Kopf entschieden“, lautet die Schlagzeile.

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Fünf Bundesliga-Spiele bleiben, um nicht nur diese Behauptung zu bestätigen, sondern auch die Frage nach der eigenen mentalen Stärke mit einem kräftigen Ja zu beantworten. Ist der BVB nicht nur am Ball, sondern auch in der Birne stark genug, um Deutscher Meister zu werden?

Kapitän Marco Reus steuerte das Thema ungefragt an. Es war ja auch zu offensichtlich, dass der BVB am Samstag beim Spiel gegen den FSV Mainz 05 mehr Schwierigkeiten mit dem eigenen Kopf hatte als mit dem Gegner, den die Schwarzgelben über 45 Minuten klar beherrschten.

Reus: „Natürlich spielt der Kopf eine Rolle“

„Natürlich“, sagte Reus, „spielt der Kopf auch eine Rolle, ganz klar. Je näher es dem Saisonende entgegengeht, je weniger Spiele bleiben, desto mehr kommt der Kopf ins Spiel.“

„Wenn man Meister werden will, muss man über seine Grenzen gehen.“
Marco Reus

Gegen Mainz und wohl auch vorher in München kostete die fehlende Stressresistenz im Kopf viel Leistung. Es fehlte an Klarheit und Konzentration. „Wenn man nur fünf Prozent nachlässt, wird es schon schwierig“, sagt Reus. „Wenn man Meister werden will, muss man über seine Grenzen gehen.“

Die Grenzen nach oben verschoben - die Fallhöhe auch

Ihre eigenen Grenzen hat die Dortmunder Mannschaft im Laufe der Saison weit nach oben verschoben. So weit, dass erst die Erwartungshaltung gestiegen ist und danach die Fallhöhe. Der BVB ist fünf Spieltage vor Saisonschluss quasi sicher für die Champions League qualifiziert und darf sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen.

Das ist mehr, als die Fans erträumen durften, gleichzeitig sind die Begehrlichkeiten gewachsen. Neun Punkte Vorsprung verdaddelt, bei den Bayern untergegangen, gegen Mainz 05 trotz 2:0-Führung so gerade eben ins Ziel gezittert – leichtfüßig sieht das nicht aus.

Aus Kampf wurde der Krampf

Oft in dieser Saison erzeugte die Mentalität eine Kämpferqualität, die Spiele in letzter Minute zu den eigenen Gunsten entschied. Am Samstag wurde aus Kampf Krampf. „Ängstlich“ sei ihm seine Mannschaft vorgekommen, sagte Torhüter Roman Bürki.

„Du weißt, dass du im Prinzip jedes Spiel gewinnen musst.“
Michael Zorc

Ein Eindruck, den 80.000 Zuschauer im Stadion und Millionen TV-Zuschauer teilten. Ängstlich? Spielt so ein Titelanwärter? „Du weißt, dass du im Prinzip jedes Spiel gewinnen musst, wenn man es ganz bis zum Ende denkt“, versuchte Sportdirektor Michael Zorc, eine Erklärung zu finden. „Ich weiß nicht, ob es damit etwas zu tun hat.“

Die Furcht scheint derzeit größer als die Gier

Die Furcht vor dem Verlust scheint größer geworden zu sein als die Gier auf Großes. Ex-Trainer Jürgen Klopp machte das Gegenteil zu seinem Credo: „Ich glaube nicht daran, dass die Angst vorm Verlieren dich eher zum Sieger macht als die Lust aufs Gewinnen.“

Genau in diese Kloppsche Richtung geht das, was Sebastian Kehl im Titelkampf-Endspurt nach vorn stellt: „In der Gesamtbetrachtung wollen wir die Situation weiterhin positiv einordnen. Wir liegen mit dieser jungen Mannschaft einen Punkt hinter den Bayern, und dies am 29. Spieltag. Wir haben weiterhin die Chance, diese Saison noch zu einem absoluten Highlight werden zu lassen, egal was zuletzt passiert ist“, sagte der Leiter der BVB-Lizenzspieler im Gespräch mit dieser Redaktion.

Kehl: „Psychologie wird im Endspurt zum Thema“

Dass der Kopf nun zum entscheidenden Faktor werden könnte, will auch Kehl gar nicht abstreiten. Ganz im Gegenteil. „Jetzt, wo es in den Endspurt der Saison geht, wird natürlich auch die Psychologie ein wichtiges Thema. Und jeder einzelne im Team geht damit auch anders um, deshalb ist viel Fingerspitzengefühl notwendig.“

„Grundsätzlich sind ein gewisser Druck und eine Erwartungshaltung ganz normal.“
Sebastian Kehl

„Grundsätzlich sind ein gewisser Druck und eine Erwartungshaltung ganz normal bei einem Topklub wie Borussia Dortmund, damit muss auch jeder umgehen können“, so Kehl. Trotzdem sei es entscheidend, „jetzt auch eine gewisse Portion Spaß und Leichtigkeit zu fördern“.

Zu viel Druck lähmt die Füße von Sancho und Co.

Soll heißen: Zuviel Druck könnte erst recht Kopf und Füße lähmen. Jadon Sancho, der mit seiner jugendlichen Nonchalance nicht im Verdacht steht, sich übermäßig viele Gedanken zu machen, plädiert deshalb für Entspannung. „Wir müssen ruhig bleiben, wir dürfen es nicht erzwingen.“ Gerade jungen Profis wie Sancho wollen Kehl und Co. mithilfe ihrer Erfahrung einen klaren Kopf verschaffen.

„Unsere Aufgabe ist es jetzt, den Jungs zu helfen, mit dieser Situation umzugehen – und daran zu wachsen. Es gibt bei uns kein ,muss‘“, betont Kehl, „wir alle möchten den maximalen Erfolg und werden bis zum Schluss dafür alles geben.“ Alles, auch mental. Denn „im Kopf“, so betont es auch Matthias Sammer, „wird das Spiel entschieden“. Das Spiel. Und der Titel.

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